Mit dem Rad in die Natur

Jede Fahrradtour beginnt mit der richtigen Vorbereitung

Mit dem Fahrrad in den Zug.

Mit dem Fahrrad in den Zug.

Region. Ein bisschen Planung und Vorbereitung muss schon sein, wenn die Radtour gelingen soll. Wir haben uns Tipps von einem Experten geholt.

Der Himmel ist wolkenlos, die Temperaturen klettern in den zweistelligen Bereich, und die sprichwörtlichen Hummeln im Hintern brummen aufgeregt vor sich hin. Perfekte Bedingungen für eine Radtour. Doch nichts verdirbt den Spaß an einer Fahrt durchs Grüne so schnell wie eine Panne. Damit Plattfüße und Co. Sie nicht ausbremsen, hat der GA sich wertvolle Tipps vom Experten Winfried Lingnau eingeholt. Der 64-Jährige kann auf eine beeindruckende Zahl an Fahrradtouren zurückblicken: Seit 1998 ist er Mitglied in der Ortsgruppe Troisdorf des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC); seit 2001 plant er als Tourenleiter Ausflüge mit dem Fahrrad und führt sie durch; seit 2012 koordiniert er als Tourenreferent im ADFC Bonn/Rhein-Sieg die Ausflüge in der Region.

„Die häufigste Panne ist sicher der 'Plattfuß'“, berichtet Lingnau. „Daneben springt bei Kettenschaltungen öfter mal die Kette vom vorderen Blatt ab. Darüber hinaus erlebe ich öfter, dass sich Schrauben bei schlecht gewarteten Fahrrädern lösen“, fasst er die häufigsten Pannen zusammen. Damit so etwas gar nicht erst passiert, rät er, sich das Fahrrad vor dem Losfahren genau anzuschauen. „Nach längerem Stillstand sollte man auf jeden Fall den Reifendruck überprüfen und gegebenenfalls nachpumpen.

Ebenso sollte man die Kette ölen und alle Gänge einmal durchschalten.“ Habe das Rad mehrere Jahre gestanden, müsse man wahrscheinlich auch Reifen und Schläuche austauschen, da Gummi mit der Zeit brüchig werde. „Eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen ist ein Reifen mit gutem Pannenschutz“, ergänzt der Fachmann. „Der kostet zwar etwas mehr, aber das Geld ist gut investiert.“ Marktführer sei der etwa 30 Euro teure Schwalbe Marathon Plus. „Von Billigreifen aus dem Baumarkt ist abzuraten.“ Falls unterwegs trotzdem etwas passiert, sei es entscheidend, das richtige Werkzeug und Material griffbereit zu haben. Bei Löchern helfe ein Ersatzschlauch. Wichtig: auf die passende Größe und das richtige Ventil achten.

„Für Räder, wo der Ausbau des Hinterrades kompliziert ist – wie E-Bikes oder Räder mit geschlossenem Kettenkasten –, empfiehlt es sich, einen geteilten Schlauch mitzunehmen“, weiß der Radprofi. Der Schlauch werde im Reifen zusammengesetzt, was den Ausbau des Rades überflüssig mache. Den Ausbau ersparen könne ebenso Pannenspray. „Das Spray wird einfach durch das Ventil in den leeren Reifen gesprüht. Das funktioniert aber nur bei kleinen Löchern. Meine persönliche Erfolgsquote liegt bei 50 Prozent.“ Auch Reifenheber, Flickzeug, gängige Inbusschlüssel sowie Kreuz- und Schlitzschraubendreher haben sich unterwegs bewährt. „Es gibt auch Multifunktionstools, die verschiedene Werkzeuge kombinieren.

Die sind klein, leicht und gut unterzubringen“, empfiehlt Lingnau. Bei Stürzen sei ein Erste-Hilfe-Set hilfreich. „Es sollte vor allen Dingen Desinfektionsspray zum Reinigen großflächiger Schürfwunden enthalten“, so Lingnau. Wer den Schaden unmittelbar selbst reparieren möchte, aber nicht weiß wie, dem legt Lingnau Youtube ans Herz. Die Plattform biete zahlreiche Videos, in denen Schritt für Schritt erklärt werde, wie man einen Reifen flickt oder eine herausgesprungene Kette wieder einhängt. Wer sein Rad lieber in professionelle Hände geben möchte, könne in einer Karten-App seiner Wahl nach Fahrradwerkstätten in der Nähe suchen. Während der Öffnungszeiten könne man dort auch kurzfristig Hilfe bekommen.

VorbGanz bequem macht der ADFC es seinen Mitgliedern seit Januar 2016 mit einem Pannenservice ähnlich dem des ADAC. Über eine 24-Stunden-Hotline (0221/82 77 94 22) liefert der Club Werkstattadressen, organisiert eine Pannenhilfe vor Ort oder einen Abschleppdienst, egal ob fürs Fahrrad, E-Bike oder Pedelec. Finanziert wird der Service über den Mitgliedsbeitrag. Für einen zusätzlichen Beitrag kann man den Pannenservice Plus dazubuchen, der die Leistungen auf die EU sowie die Schweiz und Norwegen erweitert. Auch werden so die Kosten für Leihfahrräder, die Weiter- oder Rückfahrt, Notfallübernachtungen oder den Krankenrücktransport erstattet. Alternativ bietet der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ohne Mitgliedschaft einen Fahrradschutzbrief an. Auch können bei verschiedenen Versicherungen Fahrradschutzbriefe als Teil einer Hausratversicherung oder separat erworben werden.