Ausflugstipp

Diese idyllischen Wanderwege führen durch die westliche Pfalz

Wandern vertikal: Auf dem "Pfälzer Waldpfad" bei Waldfischbach.

Wandern vertikal: Auf dem "Pfälzer Waldpfad" bei Waldfischbach.

Waldfischbach. Nur zweieinhalb Stunden von Bonn entfernt gibt es in der westlichen Pfalz zahlreiche Wanderwege. Einer davon führt über die Weinstraße und bietet eine malerische Aussicht.

Mit einem Kurztrip in die Pfalz ist es ja immer so eine Sache. Fährt man erst einmal "nuffzus", also hinauf in Richtung Pfälzer Wald, um sich in einer der vielfachen Varianten den Schoppen redlich zu verdienen? Oder biegt man gleich hinter Rheinhessen "nunnerzus" an die Weinstraße ab, und lässt den lieben Gott sofort einen guten Mann sein? Ideal ist es natürlich, wenn es den goldenen Mittelweg gibt.

In diesem Falle heißt der Mittelweg Erik Heidenreich. Langsam bricht sich - nach zweieinhalb Autostunden von Bonn - auf der Terrasse die Abendsonne von Pirmasens im beschlagenen Rieslingglas, da laufen sich der Küchenchef im Hotel Kunz und sein Team gerade warm. Und vor ihrem Rehrücken sind wahrlich alle Menschen gleich - ob sie nun in der schnittigen Limousine aus dem Dunst des Rhein-Main-Gebietes oder zu Fuß den Weg in die Westpfalz gefunden haben.

Staubige Stiefel auf dem Wanderweg

Schon am Mittag waren die Stiefel staubig, was jedoch weniger an unserer Wanderleistung lag als am Besuch bei Martin Picard. Dessen Vorfahren hatten vor mehr als 100 Jahren in Remscheid damit begonnen, Schleifsteine zu fertigen. Als einer ihrer Steinbrüche diente schon damals der Steinborn bei Schweinstal. Der Steinbruch, mit dem Auto eine Viertelstunde vom Kaiserslauterner Betzenberg entfernt, produziert dort in vierter Generation ganz andere "rote Teufel": Der charakteristische rote Sandstein, der hier vor unseren Augen (und Ohren) in klobigen Quadern aus dem Boden gesprengt wird, prägt den Teint mancher rheinland-pfälzischen Stadt. Die Dome von Mainz und Speyer oder der Landtag sind da nur einige prominente Beispiele. Auch lässt das warme Rot all die verwinkelten Bilderbuchdörfer der Weinregion noch eine Spur heimeliger erscheinen, als sie ohnehin schon sind. Oder sie geraten in die Hände von Bildhauern wie Gerhard Vogt, der in Wachenheim aus Sandstein beispielsweise das "Fenster der Weinstraße" schuf.

Doch vor den Schoppen haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Allzu beschwerlich sind die Routen nicht, und mögen sie mit noch so lautmalerischen Namen wie "Mönchspfad" oder "Graf-Heinrich-Pfad" daherkommen. Eine der wohl spektakulärsten Strecken ist der "Altschloßpfad" nahe Eppenbrunn. Gästeführerin Anke Vogel entschuldigt sich vorsorglich: "Bitte erwarten Sie keine Führung auf Hochdeutsch, ich bin einfach zu sehr hier verwurzelt", sagt sie. Letzteres soll sich noch auszahlen entlang des eineinhalb Kilometer langen Felsenriffs, das schon Römern und Kelten zur Orientierung diente. Bis zu 30 Meter ragen die bizarren Formationen in die Höhe, formieren sich zu Höhlen, Quergängen, Überhängen und Türmen, was man sich im Mittelalter zunutze machte - indem man die Naturburgen zu Trutzanlagen ausbaute. Noch heute ist Klettern hier ausdrücklich erlaubt.

Eine anmutige Weinstraße

Lebendig geblieben sind viele Sagen - etwa die des kranken Herzogs Gottfried, der von einem Schäfer kuriert wurde und diesem zum Dank sein Herz vererbte. Der soll das Herz aus Furcht vor Dieben in einer Felsritze versteckt haben. Da liegt es wohl noch heute, und wer es findet, wird ein glückliches und langes Leben haben.

Wer nicht aufpasst in dem dichten Wald zwischen Felsen und Sagen nahe Eppenbrunn, der stolpert nach Frankreich - wäre da nicht der uralte Grenzstein an einer Gabelung. So sehr er zum Weiterlaufen verlockt, wir müssen zurück: also nunnerzus, zur Weinstraße, eine der wohl anmutigsten Regionen Europas.

Ein Beispiel ist Freinsheim mit seinen malerischen Torbögen und Innenhöfen. In einem solchen lassen wir den Tag ausklingen und genießen am nächsten Morgen zum Abschied noch den Blick von der mächtigen Burg Wachenheim ins Rheintal und in Richtung Schwarzwald. Unten im Ort, in der Metzgerei Hambel, hat Helmut Kohl immer seinen Saumagen gekauft. Aber das ist ein anderes Thema.

Weitere Informationen gibt es unter: gastlandschaften.de und picard-natursteinwerk.de