Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis

Diese Orte öffnen am Tag des offenen Denkmals

BONN. Außergewöhnliche Orte öffnen zum Tag des Denkmals am 8. September ihre Türen für Besucher. Bei zahlreichen Führungen gibt es denkmalgeschützte Bauten und ihre Geschichte zu entdecken.

Erleben, was verbindet: Was Bonn eint, welche Besonderheiten aber auch jedes Viertel für sich hat, steht am 8. September beim Tag des offenen Denkmals im Mittelpunkt. 50 besondere Orte öffneten im vergangenen Jahr in Bonn und der Region ihre Türen. Das Motto in diesem Jahr: "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur".

Wie die Veranstalter auf ihrer Homepage bekannt geben, laden sie anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses ein in die bauliche Zukunft zu blicken und offen für neues zu sein. Außerdem gehe es darum, Umbrüche in der Baukunst zu entdecken. Zwischen Februar und Mai konnten sich alle Veranstalter anmelden.

Die bundesweite Eröffnung findet am 8. September in Ulm statt. Eine interaktive Karte mit allen teilnehmenden Zielen in Deutschland findet sich hier.

Diese Ziele gibt es in Bonn

Es ist eins der am besten erhaltenen römischen Marschlager im Rheinland: die Grabungsstätte am Heiderhof. Die antiken Erdwälle sind noch gut erhalten und Ziel der Führung am Tag des offenen Denkmals. Sie sei ein herausragendes Zeugnis antiker Vermessungs- und Ingenieurskunst und könne so viele Einblicke in die berühmte Disziplin des römischen Heers liefern.

Info: Führung 14 bis 15 Uhr, maximal 20 Teilnehmende, wetterfeste Kleidung und festes Schuhwerk empfohlen, Wanderwege nicht für Menschen mit Behinderungen geeignet. Kontakt: Steve Bödecker, 0228 9834184, steve.boedecker@lvr.de.

Zufälle gibt es: Der Tag des offenen Denkmals fällt kurioserweise nämlich auf den 60. Geburtstag der seit 2016 geschlossenen Beethovenhalle. Sie werde anlässlich des Jubiläums "begrenzt zugänglich sein" und Mitglieder des Planungsteam wollen sich für Fragen zur Verfügung stellen. Festes Schuhwerk wird empfohlen.

Info: von 11 bis 15 Uhr geöffnet, Wachsbleiche 16, 53111 Bonn.

Sanierungsarbeiten an der Beethovenhalle.

Zum 60. Geburtstag der Beethovenhalle stellen sich Planungsverantwortliche den Fragen von Bürgern.

Die Wassermühle in Holzlar steht dort schon seit mindestens 500 Jahren und ist eine Zeitzeugin der frühen Industrie. Sie war im Besitz verschiedener Adelsfamilien und wurde erst in den Fünfziger Jahren vom letzten Müller stillgelegt. Seit 1988 steht sie unter Denkmalschutz und wird als letzte funktionsfähige historische Mühle in Bonn von einem gemeinnützigen Verein gepflegt.

Info: von 11 bis 16.30 Uhr geöffnet, Führungen nach Bedarf, Mühlenweg 3a, 53229 Bonn-Holzlar. Kontakt: Gaby Zimmermann, info@holzlarer-muehle.de.

Was technisch notwendig ist, um Getreide zu Mehl zu mahlen, erfahren die Besucher in der Holzlarer Wassermühle.

Was technisch notwendig ist, um Getreide zu Mehl zu mahlen, erfahren die Besucher in der Holzlarer Wassermühle.

Als die neue Sparkassen-Filiale am Bonner Friedensplatz 2010 gebaut wurde, stießen Arbeiter auf das Fundament der Heinrich-Bastion, die zur früheren Stadtbefestigung gehörte. Historisch wertvolle Teile der Mauern seien erhalten worden und dienen so als bestes Beispiel, um die Unterschiede zwischen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Festungsbautechnik zu zeigen. Im Rahmen der Führungen wartet auf Teilnehmende auch eine Filmvorführung mit einer virtuellen Rekonstruktion der Bonner Festungsanlagen.

Info: Führungen 11 Uhr (Treffpunkt Bronzemodell auf dem Münsterplatz) und 16 Uhr (Treffpunkt Budapester Straße 5, 53111 Bonn), maximal 25 Teilnehmende. Kontakt: Richard Hedrich-Winter, 0221 22654251, richard.hedrich-winter@sparkasse-koelnbonn.de.

In der Tiefgarage des Sparkassen-Neubaus finden sich Reste der Heinrich-Bastion, die früher zur städtischen Festungsanlage gehörte.

Gelegenheit zum Durchatmen und Anstoßen gibt es am Tag des offenen Denkmals in der "Rheinlust", die als letzter historischer Biergarten in Beuel gilt. Die Gaststätte mit Wasserblick steht dort schon mindestens seit 1902 und wurde über die Jahrzehnte nur teilweise erneuert. Gewölbekeller, der historische Brunnen im Innenraum und der Biergarten blieben größtenteils unberührt.

Info: "Die Rheinlust im Wandel der Zeit", Führungen 10.30 und 15 Uhr, ganztägig Fotoausstellung der Rheinlust und ihrer Umgebung in Beuel. Kontakt: Katharina Schulte, 02234 75997, schulte@netcologne.de.

Überflutungen in den 1990er Jahren: Das große Weihnachts-Hochwasser. Wasserstand an der Rheinlust in Beuel (95 Zentimeter).

Ging auch in den Neunzigern nicht unter: Die "Rheinlust" trotzte dem großen Weihnachts-Hochwasser.

Burgen in Bonn und in der Region erkunden

1285 wurde die Burg Limperich im jetzigen Beueler Stadtteil das erste Mal als Besitz eines Adelsgeschlechts erwähnt, 1688 an Frank Nesselrode und dessen Familie verkauft - und nun haben sich hier seit Jahren Amateurfunker niedergelassen, die zum Denkmaltag Neugierigen ihre Türen öffnen.

Info: von 11 bis 16 Uhr geöffnet, Führungen nach Bedarf, Weinbergweg 34, 53227 Bonn-Limperich.

Nur noch ein kleines Mauerstück verrät, dass sich die Funker in einer alten Burg eingenistet haben.

Ebenfalls auf das 13. Jahrhundert zurück geht die ehemalige Wasserburg Lede. Bis heute erhalten sind Teile des ehemaligen romantischen Wohnturms mit Kuppelfenstern. Auch Ritter Johann Schilling von Vilich hauste hier, der das Anwesen in eine Anlage mit drei Flügeln umbauen ließ - die wiederum im 16. Jahrhundert im Konflikt zwischen Kurköln und Bayern zerstört wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts baute der Industrielle Otto Weinlig die Immobilie wieder auf. Seit 2018 ist es der Wohnsitz der Familie von Birgit Kulmer und Sandro Parotta.

Info: von 11 bis 16 Uhr geöffnet, Führungen 13.30 und 15 Uhr und Vortrag von Dr. Ros Sachsse-Schadt zu "Wilhelm Franz - Zwischen Historismus und Moderne", An der Burg Lede 1, 53225 Bonn-Vilich. Kontakt: Förderverein Burg Lede, 0228 71012265, info@burg-lede-foerdern.de.

Die neuen Besitzer Burg Lede.

Weil es den alten Burgherrn nach Bayern zurück zog, haben 2018 Birgit Kulmer und Sandro Parotta die historische Immobilie erworben.

Auf dem gleichnamigen Berg im Siebengebirge thront die Löwenburg - oder zumindest das, was die Jahrhunderte noch von ihr übrig gelassen haben. Als beliebtes Ausflugsziel darf auch sie im Programm des Tag des offenen Denkmals nicht fehlen. Errichtet als Grenzfeste gegen die Burg auf dem Drachenfels und die Wolkenburg diente sie bis ins 16. Jahrhundert als Verwaltungssitz und verfiel danach. Mit Christoph Keller vom Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland geht es auf eine Wanderung auf historischen Pfaden.

Info: "Bergauf und -ab im Mittelalter – Wanderung auf historischen Pfaden: Löwenburg, Bergmotte Merkenshöhe und Hohlweg Trenkeberg", Treffpunkt Löwenburger Hof, Löwenburger Str. 30, 53639 Königswinter, 14 Uhr, maximal 20 Teilnehmende, Anmeldung erforderlich, festes Schuhwerk empfohlen. Kontakt: Christoph Keller, 0228 9834152, c.keller@lvr.de.

Die Löwenburg ist eine Station bei der Wanderung des Bürgermeisters.

Von der Löwenburg bietet sich bei gutem Wetter ein fantastischer Blick auf das umliegende Land.

Viele Türme, große Bedeutung: Das ist das romantisch-neugotische Schloss Arenfels im Kreis Neuwied. Die mittelalterliche Burg wurde im 16. Jahrhundert zum dreiflügeligen Schloss ausgebaut und ist seit 1855 durch den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner geprägt. Mit der langen Geschichte des Hauses passt das Schloss Arenfels zudem bestens zum diesjährigen Motto des Aktionstages.

Info: von 11 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen stündlich, Schlossweg, 53557 Bad Hönningen. Kontakt: Christian Runkel, 02635 9253810, christian.runkel@schloss-arenfels.de.

Für jeden Tag des Jahres ein Fenster: Schloss Arenfels in Bad Hönningen prangt auf der Titelseite des Jahrbuchs.

Stündliche Führungen informieren über die jahrhundertelange Geschichte des Schloss Arenfels.

Mitten im Vulkanpark Brohltal und mit einem weithin sichtbaren Bergfried bietet sich die Burg Olbrück als Ausflugsziel für die ganze Familie an. Drei Jahre lang wurde sie über die letzte Jahrtausendwende restauriert und für Besucher gesichert. Zwar stehen die Gemäuer aus dem Mittelalter Gästen regelmäßig offen, zum Aktionstag lädt Krimi-Autorin Regine Brühl jedoch zu einer Lesung.

Info: von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Burgstraße, 56651 Niederdürenbach-Hain, Lesung von Regine Brühl aus "Fachwerkmord" um 17 Uhr. Führungen um 14 und 15.30 Uhr. Kontakt: Tourist-Info Vulkanregion Laacher See, 02636 19433, info@vulkanregion-laacher-see.de.

Luftbild der Burg Olbrück

Wie aus einem Bilderbuch ragt die Burg Olbrück über das Umland heraus.

Jüdische Geschichte in Bonn erleben

Zum Tag des offenen Denkmals lädt die Autorin Leah Rauhut-Brungs zu gleich zwei Führungen an unterschiedlichen Orten ein. Sie spaziert mit Interessenten über die Jüdischen Friedhöfe in Bonn-Castell und Endenich, wobei letzterer üblicherweise nicht geöffnet ist. Dementsprechend ergibt sich eine hervorragende Möglichkeit, sich von Rauhut-Brungs über das Leben und Beerdigtwerden rheinischer Landjuden informieren zu lassen. Der Friedhof in Castell ist noch immer in Benutzung, gilt als klassisches Beispiel für eine Ruhestätte seiner Art und beheimatet eine 1902 errichtete Zeremonienhalle.

Info: "Friedhofskultur und Leben rheinischer Landjuden", Hainstraße, 53121 Bonn-Endenich, Führung ab 11 Uhr, festes Schuhwerk empfohlen; "Friedhofsführung zur Bonner jüdischen Stadtgeschichte", Römerstraße 123, 53111 Bonn-Castell, Führung ab 15 Uhr, Eingang Friedhofstor Römerstraße. Kontakt: Leah Rauhut-Brungs, 0228 676890.

Der Jüdische Friedhof in Endenich steht Besuchern normalerweise nicht offen.

Der Friedhof in Schwarzrheindorf ist der älteste jüdische im Bonner Stadtgebiet und erzählt auf 400 Grabsteinen eine jahrhundertealte Geschichte. Der älteste Stein wird auf 1623 datiert. Der professionelle Spaziergänger Rainer Selmann weiß Wissenswertes zu erzählen und verrät unter anderem, wie es dazu gekommen ist, dass auch eine Christin auf dem Friedhof bestattet wurde.

Info: Führung über den Jüdischen Friedhof Schwarzrheindorf, 16 Uhr, Treffpunkt Eingang, Nähe Nordbrücke.

Auch interessant in der Region

Was so mancher vielleicht nicht über den "King of Rock'n'Roll" weiß: Er war zwischen 1958 und 1960 im hessischen Friedberg stationiert. Da er sich natürlich irgendwo seine Tolle ordnungsgemäß frisieren lassen musste, hat Elvis' Berühmtheit auf dessen damaligen Barbershop abgefärbt. Jetzt stehen sein "Original Waschplatz inklusive technischer Geräte und Frisierstuhl" aus Friedberg im Westerwald. Teppichboden aus seinem alten Haus, Konzerttickets und Plattenschätzchen, die Sammlerherzen höher schlagen lassen, machen den Besuch der "Rock'n'Roll-Begegnungsstätte" zu einer Zeitreise in die Sixties und Seventies.

Info: Elvis Museum, Röttgenstraße 6, 57635 Kircheib-Neuenhof. Kontakt: Irma Stanton, 02683 6562.

Die "Aranka" ist ein sogenannter Aalschokker und wurde 1917 in den Niederlanden zusammengezimmert. Das 16 Meter lange und 30 Tonnen schwere Schiff ohne Motor oder Segel liegt unterhalb der alten Brücke zur Insel Grafenwerth vor Anker und ist seit 1991 sogar als staatliches Denkmal anerkannt.

Info: "Die Geschichte des letzten Aalschokkers", geöffnet von 12 bis 17 Uhr, Rheinpromenade/Altrheinarm nahe Brücke Grafenwerth, 53604 Bad Honnef. Kontakt: Günther Raths: 02224 9892090, aranka@raths.de.

Der Aalschokker Aranka liegt auf Grund.

Die "Aranka" liegt vor der alten Brücke zur Insel Grafenwerth und seit bald 30 Jahren ein staatliches Denkmal.

Der 383 Meter lange Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley wurde zwischen 1916 und 1918 für die französische Front im Ersten Weltkrieg erbaut, diente jedoch wie die zeitgleich errichtete Ludendorffbrücke später nur dem Rückzug. Während des Zweiten Weltkriegs versteckten sich im Tunnel Zivilisten vor Angriffen auf die Brücke, bis die Amerikaner ihn am 7. März 1945 eroberten. Ab 15.30 Uhr interpretiert "neues schauspiel koeln" hier Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür".

Info: Theaterstück "Draußen vor der Tür", 15.30 Uhr, Tickets: ticket@ad-erpelle.de. Führungen: 11 und 17 Uhr, Historische Hintergründe des Tunnelbaus und die Umgestaltung zum Theater. Bergstraße 25, 53579 Erpel. Kontakt: Edgar Neustein, 02644 4643, neustein@gmx.net.

1918 fertiggestellt, präsentiert sich der einstige Eisenbahntunnel an der Brücke von Remagen noch heute in seinem Ausbauzustand. Für die Teilnehmer der "Tunnel-Tour" ist es eine exklusive und beeindruckende Wanderung durch Zeitgeschichte.

1918 fertiggestellt, präsentiert sich der einstige Eisenbahntunnel an der Brücke von Remagen noch heute in seinem Ausbauzustand.