Aufführungen in der Brotfabrik

BUSC spielt "The Life and Death of King John"

Machtmenschen: Der Bastard (Lisa Pohlers) und King John (Lukas Erner)

Machtmenschen: Der Bastard (Lisa Pohlers) und King John (Lukas Erner)

Bonn. Die Bonn University Shakespeare Company (BUSC) tritt mit "The Life and Death of King John" in der Brotfabrik auf. Die Kaltblütigkeit der Figuren ist das Herzstück der Inszenierung.

Der Bastard ist an allem schuld. Chaos herrscht in England und Frankreich, während die beiden Könige John und Philip in einen Erbfolgekrieg um den britischen Thron verstrickt sind. Und die diabolische Puppenspielerin im Hintergrund, die illegitime Tochter von Richard Löwenherz, hetzt die beiden Parteien genüsslich gegeneinander auf.

Sie ist die eigentliche Hauptfigur der Inszenierung des Historiendramas "The Life and Death of King John", das die Bonn University Shakespeare Company (BUSC) Anfang Dezember auf die Bühne der Brotfabrik bringen will. Eine simple und kreative Erweiterung des Ursprungsstoffes, und doch eine, die dem einstigen Propagandastück eine interessante Wendung verleiht.

"Die Idee war von Anfang an, eine Geschichte über Macht zu erzählen und wie sie Menschen beeinflusst und korrumpiert", erklärt Regisseur Marc Erlhöfer seine Konzeption. "Mich hat die Figur des Bastards ganz besonders fasziniert, und so habe ich mich entscheiden, die Inszenierung um ihn herum aufzubauen." Was gleichzeitig dazu führt, dass die Figur weitaus düsterer wird als bei Shakespeare und beinahe schon an Othellos Widersacher Jago erinnert.

Eigentlich hätten eher "Game of Thrones" und "House of Cards" als Inspirationsquellen gedient, gesteht Erlhöfer. Die längeren Monologe des Bastards hat er alle selbst geschrieben, in modernem Englisch, um auch dem Publikum eine kleine Handreichung für ein sonst doch sehr komplexes politisches Stück zu geben. Ansonsten wurde aber der Rotstift angesetzt. Zwei Stunden soll die Aufführung letztlich dauern. "Daher haben wir zum Beispiel den ausführlichen Kirchenkonflikt deutlich gestrafft."

Bei den Proben, die derzeit im Studio der Brotfabrik laufen, erweist sich dies als gute Entscheidung. Ohnehin ist es nicht gerade einfach, der Handlung zu folgen, wenn man sich nicht gerade gut mit mittelalterlicher englischer Geschichte auskennt. Der Streit darüber, ob nun King John rechtmäßiger König von England ist oder doch eher sein von Frankreich unterstützter Neffe Arthur, die ständig wechselnden Loyalitäten und die Bestrebungen der verschiedenen Fraktionen lassen sich nun einmal nicht ohne weiteres auf die Bühne bringen - der Bastard macht all dies jedoch greifbarer.

Zumal Schauspielerin Lisa Pohler der Rolle einiges an Tiefe und Vielschichtigkeit zu geben versucht und sich auch in einigen Szenen einbringt, in denen Shakespeare sie eigentlich gar nicht gesehen hat. Am Ende werden mehrere Tode auf ihr Konto gehen. Kollateralschäden, wie sie in einer Szene betont.

Diese Kaltblütigkeit ist der Herzschlag der Inszenierung. "Das hier ist mein Stück", sagt der Bastard gleich zu Beginn. Und das ist auch gut so.

Info: BUSC, "King John", Bonn, Brotfabrik, 7. bis 9. sowie 11. bis 14. Dezember, jeweils 20 Uhr; www.bonnticket.de