650 Jahre Jahrmarkt in Beuel Histörchen um Pützchens Markt

Inke Kuster 2. von links

Pützchen. Zum Jubiläumsjahr bieten Volkshochschule und StattReisen besondere Führungen an. Und dabei erfährt man so allerlei Erstaunliches.

Zum Jubiläumsjahr von Pützchens Markt hat sich die Volkshochschule Bonn etwas ganz Besonderes ausgedacht. In Zusammenarbeit mit StattReisen Bonn bietet sie mit „Pützchens Markt – Ein Phänomen“ einen spannenden Rundgang über das Marktgelände an, der natürlich am Brünnchen startet. „Erst geht man zum Brünnchen und dann auf Pützchen“, lautet nämlich ein alter Spruch rund um den Ortsteil Pützchen.

Schon am Startpunkt, dem Brünnchen, können Teilnehmer Neues entdecken: Eine Gedenkplatte der Pützchener Jungschützen macht auf das Jubiläum aufmerksam. Inke Kuster und Petra Clemens, die Stadtführerinnen, sind beide im Heimat- und Geschichtsverein Beuel aktiv und bestens vertraut mit dem Ortsteil.

Kuster stellt gleich zu Beginn der Führung die These auf, dass es mit den 650 Jahren so genau nicht stimmen muss. Zwar werde in einer Urkunde aus dem Jahr 1367 erstmals erwähnt, dass zum Brünnchen nicht nur Wallfahrten stattfänden, sondern drum herum ein „gewisser Markt“ veranstaltet werde. Aber ob es der erste war, das sei nicht bekannt. Nachdem es jedoch im Rheinland heißt „et es, wie et es“, wagt es sowieso niemand, den 650. Geburtstag des Jahrmarkts infrage zu stellen.

Secondhandmarkt vor zweihundert Jahren

Erst 1770 kam auf dem heutigen Gelände ein Viehmarkt hinzu. Die Menschen kamen hierher, um sich zu amüsieren und einzukaufen. Auf dem Plutenmarkt konnte man alte Kleider kaufen (Pluute = Plunder), ein Secondhandmarkt vor zweihundert Jahren. Früher, als es noch kein Radio gab, da kamen Bänkelsänger und verbreiteten die neuesten Nachrichten. Die großen Themen zu jener Zeit: Liebe und Räubergeschichten.

Erich Becker war in den 1960er Jahren der letzte reisende Bänkelsänger, der nach Pützchen kam. Früher trat in Pützchen auch das Kölner Hänneschen Theater auf oder Bärenführer mit Tanzbär. Der letzte soll 1927 in den Ennert entschwunden sein. Sogar Menschen wurden hier ausgestellt: Schwarzafrikaner, Südseeinsulaner, Indianer, Kleinwüchsige.

Wie sieht es heute mit Sicherheit und Versorgung aus? Kommandozentrale ist die Marktschule, die während der Markttage geschlossen bleibt. Aus ihr heraus haben Marktmeister, Markbüro, Polizei, Fundbüro, Feuerwehr und Rotes Kreuz den Markt genau im Blick. Die Videoüberwachung mit acht Kameras wird hier von einem privaten Sicherheitsdienst ausgewertet.

Die Zahl der Randalen nimmt zu

„Das Randalieren, besonders durch alkoholisierte Jugendliche, nimmt zu“, berichtet Kuster. Hundert Polizeieinsätze habe es im vergangenen Jahr gegeben sowie 190 Sanitätseinsätze. Für 2017 seien bereits 54 Betretungsverbote ausgesprochen worden.

Die Versorgung des Markts und seiner mehr als eine Million Besucher mit Strom und Wasser stelle jedes Jahr aufs Neue eine logistische Herausforderung dar, erklärten die Führerinnen. Erst durch ihren Hinweis fallen den Teilnehmern die elf über das Marktgelände verteilten Trafo-Häuschen auf, über die der Markt mit Strom versorgt wird. Zusätzlich gibt es 15 Lichtmasten für eine eventuelle Notversorgung. Der 2016 verbrauchte Strom könnte 161 Singlehaushalte ein Jahr lang versorgen. Und mit dem 2016 verbrauchten Wasser würde ein Singlehaushalt 98 Jahre lang auskommen.

Gleich nach der Durchsage „der Markt ist geschlossen“, klemmen die Mitarbeiter der Stadtwerke den Strom ab – und es wird kassiert. Die Marktbeschicker holen die Geldbündel aus der Tasche und zahlen bar. „Das geht in die Tausende, was einige zu zahlen haben.“

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