649. Pützchens Markt

Verzicht auf Rucksackverbot

Marktleiter Harald Borchert (l.) und Gerd Mainzer, Leiter Polizeiwache Ramersdorf, präsentieren das Plakat zum 649. Pützchens Markt.

Marktleiter Harald Borchert (l.) und Gerd Mainzer, Leiter Polizeiwache Ramersdorf, präsentieren das Plakat zum 649. Pützchens Markt.

Pützchen. Für Pützchens Markt hat die Polizei keine konkreten Hinweise auf Terroranschläge. Dennoch sollen Besucher "anlassbezogen" verschärft kontrolliert werden.

Trotz der Erfahrungen aus den Anschlägen von Nizza, Würzburg und Ansbach soll es zu Pützchens Markt keine sichtbaren Zugangsbeschränkungen geben. Bei seiner 649. Auflage solle das Volksfest seinen Charakter eines offenen Stadtteilfestes behalten,sagte der neue Marktmeister Harald Borchert am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz im Stadthaus.

Auch weil es zu dem Areal mitten im Ort viele Zugänge gibt, verzichten Polizei und Ordnungsdienst auf martialische Verkehrssperren und Zugangskontrollen. „Wir würden uns damit nur die Rettungs- und Fluchtwege versperren“, erklärte der zuständige Leiter der Polizeiwache Ramersdorf, Gerd Mainzer.

Trotzdem stehen die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden der Besucher bei Veranstalter und Sicherheitsbehörden in diesem Jahr besonders im Fokus. Schließlich werden vom 9. bis 13. September rund eine Million Püma-Besucher erwartet. Die Zahl der Polizeibeamten - 2015 etwa 90 bis 100 am Tag - werde allerdings deutlich über 100 liegen, erklärte Mainzer, ohne genauere Angaben machen zu wollen. Die Beamten würden mit Mitarbeitern des städtischen Ordnungsdienstes Streife gehen und bereits auf den Zuwegen zum Gelände mit Streifenwagen präsent sein.

Maschinenpistolen wird man bei Pützchens Markt – anders als bei anderen Großveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen – aber nicht sehen. In diesem Zusammenhang bitten Stadt und Polizei trotzdem alle Besucher, große Taschen und Rucksäcke zu Hause zu lassen. Da Gepäckstücke potenziell als Transportmittel für Waffen oder Sprengstoff dienen könnten, müsse jeder mit „anlassbezogenen“ Durchsuchungen rechnen. Zugangskontrollen und ein förmliches Rucksackverbot sind indessen nicht geplant.

Um das Geschehen auf dem Gelände im Auge zu behalten und bei Überfüllung oder in Notsituationen schnell eingreifen zu können, werden wieder acht Videokameras das Geschehen verfolgen. In der Einsatzzentrale in der Marktschule werten Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma die Aufnahmen aus. Die Zentrale steht in direktem Kontakt auch zum Staatsschutz und zur Bundespolizei.

Es gebe aber keine Hinweise auf einen terroristischen Akt, sagte Mainzer. In diesem Jahr werde er aber bereits im Vorfeld deutlich mehr Platzverweise für potenzielle Störer und Gewalttäter verhängen. 2015 war 40 Personen ein Betreten des Festgeländes untersagt worden. Wer bei einer Straftat auffällt, müsse zudem mit Strafgeldern von 250 bis 500 Euro rechnen.

Auch für einen Notfall sehen sich die Einsatzkräfte noch besser vorbereitet als in Vorjahren. Erstmals werden 15 bis zu neun Meter hohe Lichtmasten aufgestellt, die bei einem Stromausfall automatisch im Akkubetrieb die Fluchtwege mit Flutlicht ausleuchten sollen. Zudem würden die Betreiber der 500 Geschäfte auf das Verhalten in einer Notsituation vorbereitet.

Auch der Freundeskreis Pützchens Markt hatte eine gute Idee. Helfer werden bunte Armbänder an Kinder verteilen. Darauf können Eltern ihre Handynummer notieren. Werden Familien getrennt, kann jeder Püma-Besucher schnell per Telefon ein Wiedersehen vermitteln.

In seinem Angebot kann Pützchens Markt für alle Freunde spektakulärer Fahrgeschäfte wieder mit einigen Neuheiten punkten. Vor allem das Looping–Karussell „infinity“ dürfte da manches Herz im wahrsten Sinne schneller schlagen lassen. Die frei schwingenden Gondeln sollen mit 125 Stundenkilometern und bis zu fünffacher Erdanziehungskraft durch die Luft rasen. Mit einer Höhe von 65 Metern ist „Infinity“ das höchste Fahrgeschäft seiner Klasse weltweit.

Auch in der Achterbahn „Drifting Coaster“ kann man sich durchschütteln lassen. Die Gondeln fahren mit bis zu vier Fahrgästen zwar auf Schienen, schwingen aber frei zur Seite aus.

Wem im Magen danach noch immer nicht flau ist, der kann am Freifallturm „The Tower“ aus 90 Metern Höhe in die Tiefe rauschen. Das traditionsreiche Europa-Riesenrad ist im Vergleich dazu gerade einmal 55 Meter hoch. „Aber es hat gerade eine neue Beleuchtung aus 60 000 LED-Lampen bekommen“, weiß Marktmeister Borchert.

Auch von den weiteren Platzneuheiten hat er sich bereits auf anderen Volksfesten begeistern lassen. „In jüngeren Jahren wäre ich vielleicht auch mitgefahren“, gab er schmunzelnd zu. Auch andere, die sich nicht so hoch hinauswagen, können die zahlreichen Fahrgeschäfte für Familien wie die Platzneuheiten „Wellenflieger“ und „Chaos Airport“ testen – oder den traditionellen Mäusezirkus besuchen.