Eltern fordern neues Konzept

Pützchens Markt: Einsatzzentrale soll ins Zelt ziehen

Pützchen. Die Eltern der Marktschüler fordern ein neues Konzept für Pützchens Markt und mehr Sicherheit für ihre Kinder. Sie sprechen sich dagegen aus, das die Marktschule jedes Jahr als Einsatzzentrale für Polizei und Rettungskräfte genutzt wird.

Überall lagen Glasscherben herum, es stank nach Urin, die Toiletten waren total verdreckt, eine Reinigung der Mensa oder gar eine Desinfizierung fand überhaupt nicht statt. „Der katastrophale Zustand, in dem die Schule dieses Jahr hinterlassen wurde, hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, ereifern sich jetzt die Eltern der Marktschüler.

„Wir sind nicht gegen Pützchens Markt. Aber so kann es nicht weitergehen“, erklärt Agnieszka Erlenbusch von der Schulpflegschaft. Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da: Mehr als 300 Eltern haben sich an einer entsprechenden Unterschriftenaktion beteiligt, damit in Zukunft mehr Rücksicht „auf das Wohl und die Sicherheit der Kinder“ gelegt wird. Am Mittwoch werden sich die Eltern mit Vertretern der Stadt und der Schule treffen, um gemeinsam Lösungen für die kommenden Jahre zu finden.

„Die Situation vor, während und nach Pützchens Markt ist jedes Jahr eine Herausforderung. Die Schule wird mehrere Tage außerplanmäßig geschlossen, sie muss geräumt und nach dem Markt wieder eingerichtet werden“, so die betroffenen Eltern. In diesem Jahr fiel die Nachmittagsbetreuung aufgrund von hygienischen Mängeln sogar noch einen zusätzlichen Tag aus. „Ein sicherer Schulweg ist zudem über Tage nicht gewährleistet“, argumentiert die Schulpflegschaft. „Wir müssen jetzt etwas ändern, und nicht erst dann, wenn etwas passiert ist“, appelliert Erlenbusch.

Stadt soll Alternativen schaffen

Die Sprecherin der Schulpflegschaft bemängelt vor allem, dass die Eltern keinen direkten Ansprechpartner haben. „Wir fordern ein verbindliches Nutzungskonzept, aus dem ersichtlich ist, an wen wir uns bei Problemen direkt wenden können“, sagt sie. Ihrer Meinung nach muss die Einsatzzentrale für Polizei und Rettungskräfte sowieso nicht unbedingt in der Schule untergebracht werden. „Bei großen Festivals wird dafür ein Zelt aufgebaut. Wieso nicht für Pützchens Markt?“, fragt sie. „Wir fordern, dass die Stadt als Veranstalter einen alternativen Standort für die Zentrale findet.“

Ein weiteres großes Problem ist nach Meinung der Eltern die Verkehrssituation rund um die Marktschule. Denn schon Tage vor der Eröffnung gebe es Absperrungen und Behinderungen auf den Gehwegen. „Unsere Kinder verdienen im Vorfeld des Markts ein ebenso akribisch umgesetztes Sicherheitskonzept wie die Kirmesbesucher während der Veranstaltung selbst. Tatsächlich aber wird ihre Unversehrtheit mehr oder weniger dem Schicksal überlassen“, beklagen sie.

Schulpflegschaft mit diesem Jahr unzufrieden

„Die Kritik der Eltern ist nachvollziehbar“, heißt es aus dem Lehrerkollegium – „auch wenn Polizei und Ordnungsamt während des Aufbaus vor Ort sind“. Dass die Schulgemeinschaft zwei Wochen lang mit Einschränkungen lebt, das ist der Verwaltung ebenfalls bewusst. „Die Stadt ist Kindern, Eltern und dem Lehrerkollegium sehr dankbar für ihr Entgegenkommen und die Bereitschaft, ihre Schule als Leitstelle für Sicherheits- und Rettungskräfte sowie für die Veranstaltungsleitung zur Verfügung zu stellen“, äußert sich Markus Schmitz vom Presseamt.

Auch wenn es in diesem Jahr Probleme mit der Reinigung des Schulgebäudes gab, „hat die Stadt Bonn allergrößtes Interesse daran, gemeinsam mit der Schule und allen Beteiligten Lösungen für die aufgetretenen Probleme zu finden“, ergänzt er. „Wir als Elternschaft sind jedenfalls nicht mehr bereit, Pützchens Markt in dieser Art weiter mitzutragen. Wir sind nicht länger damit einverstanden, dass die Schule in dieser Form genutzt wird“, so die Schulpflegschaft.