Pützchens Markt

Helga Adolphs: Von Kindesbeinen an im Kirmesfieber

Beuel. Helga Adolphs wuchs mit der Traditionskirmes auf. Mit Ehemann Günter betrieb sie 25 Jahre lang eine Bierbude. Nun freut sie sich aufs Jubiläumsjahr.

Pützchens Markt zieht sich wie ein Leitfaden durch das Leben von Helga Adolphs. Sie wurde in dem Wallfahrtsort geboren, das Elternhaus grenzt noch heute an die Marktwiesen. Der elterliche Betrieb, die Firma Elektro Hönighausen, versorgte schon damals die Schausteller mit Stromanschlüssen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert – außer: Neffe Dino Gebertz leitet jetzt das Unternehmen. „Ich kann eigentlich gar nicht ohne Pützchens Markt leben“, erklärte die 66-Jährige. Und ergänzte: „Dieses Jahr werde ich die Kirmes nicht besuchen, weil ich kurz vorher in Urlaub fahre. Wahrscheinlich verpasse ich zum ersten Mal den Jahrmarkt.“

So lange sich Helga Adolphs zurück erinnern kann, war sie in der bunten Budenstadt unterwegs: „Als Kinder haben wir dort gespielt und sind Karussell gefahren.“ In den 1940er und 1950er Jahren haben ihre Eltern das Elektrogeschäft komplett leer geräumt und für die Dauer der Kirmes dort ein Café eingerichtet. „Damit konnte man damals mehr Geld verdienen“, weiß die rüstige Rentnerin. Von den Eltern bekam sie viele Freikarten für die Fahrgeschäfte geschenkt: „Ich bin dann mit meinen Freundinnen zur Kirmes hin und habe sie eingeladen.“

Mit Ehemann Günter hat sie später 25 Jahre lang eine Bierbude auf Pützchens Markt betrieben und zwar vor der ehemaligen Bäckerei Schmitz. Die gehörte ihrem Vater. „Die Einnahmen konnten wir damals gut gebrauchen, weil wir frisch verheiratet waren“, erinnert sie sich. 2001, im Jahr des Anschlags auf das World Trade Center, standen sie zum letzten Mal in ihrer Bierbude. „Diese Bilder aus New York und das Erlebnis, als damals die Kirmes aus Sicherheitsgründen innerhalb von wenigen Minuten geschlossen wurde, haben uns auf Jahre hin nicht los gelassen. Wir haben den Ausschank nie mehr eröffnet“, erklärte Helga Adolphs.

Günter Adolphs, der 2007 gestorben ist, hatte ein aus heutiger Sicht seltenes Hobby. Er sammelte alte Ansichtskarten. Die Sammelleidenschaft hatte ihn nach dem Mauerfall auf einem Flohmarkt in Dresden gepackt. „In seiner Hochphase hatte er mehr als 15000 Karten katalogisiert“, sagte seine Ehefrau. Sie hat bis auf die Bonner Motive alle Ansichtskarten an zwei junge Sammler aus dem Saarland verkauft - insgesamt 48 Kartons. „Die älteste Karte von Pützchens Markt stammt von 1890“, sagte Helga Adolphs, die heute in Vilich-Müldorf wohnt. Für sie steht fest: 2017, im Jubiläumsjahr von Pützchens Markt, wird sie wieder zwischen den Fahrgeschäften stehen. „Die Feierlichkeiten zum 650-jährigen Bestehen werde ich mir nicht entgehen lassen. Da freue ich mich drauf.“