Im Dienst bis zum Morgengrauen

Eine Nacht mit der Polizei auf Pützchens Markt

Pützchen. Am Abend steigen Alkoholpegel und Konfliktbereitschaft auf Pützchens Markt, auch für die Polizei gibt es dann mehr zu tun. GA-Redakteurin Sabrina Bauer hat die Beamten begleitet.

Bei Nacht zeigt sich vieles in einem anderen Licht – auch auf Pützchens Markt: Der Geruch wird intensiver, die Lichter bunter und die Musik lauter. Die Nacht von Samstag auf Sonntag könnte nicht abwechslungsreicher sein – wenn die Familien nach Hause gehen, kommen die Feierwütigen. Die Chronik einer Nacht mit der Polizei.

21 Uhr: Während sich ein Besucherstrom in Richtung Ausgang durch die Marktstraße schiebt, drängen andere erst auf das Marktgelände. An der Weggabelung zum Holzlarer Weg, in der sich vornehmlich Imbissstände und Bierbuden aneinanderreihen, kommt es kurzzeitig zu dichterem Gedränge, bis sich die kreuzenden Besucherströme ihren Weg gebahnt haben.

Nach ein paar Metern ist der Weg wieder frei zum Schlendern. Auf genau solche Stellen haben Gerd Peter und sein Einsatzteam ein besonderes Augenmerk. Der Erste Polizeihauptkommissar leitet zum ersten Mal den Einsatz auf Pützchens Markt. An diesem Abend sind mit ihm mehr als 50 Beamte im Einsatz – von der Wache Ramersdorf, der Bereitschaftspolizei und ein halbes Dutzend Beamte in Zivil. Streifen aus Ordnungsdienst und Polizei gehen das Marktgelände ab.

 

Koordinierungszentrum in der Marktschule

21.30 Uhr: Peter steht in der Einsatzzentrale. Für die Zeit der Großkirmes haben Polizei und Stadt in der Marktschule ihr Koordinierungszentrum eingerichtet. An einem Tisch sitzen hier Polizei, Feuerwehr und Ordnungsdienst zusammen, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Vor einer Stunde hat hier die Nachtschicht begonnen. Auf zwei Bildschirmen flimmern die Bilder von Videokameras. Sie zeigen markante Punkte des Geländes. „Wir haben im Bereich des Riesenrads eine kritische Personendichte“, erklärt Peter. Das will er sich vor Ort ansehen.

Er ist an diesem Abend mit Polizeirat Daniel Mohr unterwegs. Nach nur wenigen Metern bekommt Peter von einer Besucherin ein rotes Plüschherz überreicht. „Sie machen wirklich einen guten Job“, sagt eine andere Besucherin im Vorbeigehen zu Mohr. Die Reaktionen auf die Beamten variieren an diesem Abend – je nach Alkoholpegel der Besucher. Einige betrunkene Jugendliche salutieren vor den Beamten. „Chill mal“ ist der Spruch, den Peter am häufigsten hört.

22 Uhr: Anlaufpunkt vieler feierfreudiger Besucher ist das Bayernzelt und damit auch ein Stopp für Peter und Mohr auf ihrem Rundgang. Vor dem Eingang haben sich Menschengruppen versammelt, von drinnen dröhnen die Bässe der Schlagermusik. Die Eingänge überwacht ein externer Securitydienst. Die Lage ist ruhig.

 

Zur Polizeikette formiert

22.30 Uhr: Polizei und Ordnungsamt entscheiden sich, die Straße am Bayernzelt zu sperren. Am Ende formieren sich Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsdienstes zu einer „Polizeikette“. „Wir haben jetzt eine künstliche Einbahnstraße geschaffen“, erklärt Peter. Jeder, der die Straße verlassen will, kann passieren. Wer in Richtung Bayernzelt möchte, muss den Umweg außen herum nehmen. Viele Besucher reagieren verständnisvoll, andere versuchen mit den Beamten zu diskutieren, um doch passieren zu dürfen. Nach einer Viertelstunde kommt das Okay, die Straße wieder freizugeben. Nur wenige Minuten später wird eine ebensolche Straßensperre auch vor dem Riesenrad errichtet.

23 Uhr: Die Familien mit kleineren Kindern und Kinderwagen sind mittlerweile verschwunden. Ein Besucher trägt seine Tochter auf den Schultern, während er Peter einen blauen Zettel mit einer Parkplatznummer hinhält: „Wissen Sie, wo dieser Parkplatz ist?“ Fragen nach Parkplätzen, Ausgängen oder Bushaltestellen müssen die Beamten an diesem Abend Dutzende Male beantworten. „Selbst Ortskundige finden sich nicht zurecht“, sagt Peter. Er bleibt dabei stets gut gelaunt, hat immer mal einen witzigen Spruch parat.

Funkspruch "Auseinandersetzung am Bayernzelt"

Ein paar Meter weiter deutet er auf einen weiteren „Brennpunkt“ – den Bereich zwischen Autoscooter und „Break Dance“. Hier versammeln sich vornehmlich jüngere Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahre. Rund um das Bayernzelt seien die Besucher älter, eher so Mitte bis Ende Zwanzig, schätzt Peter. Um Präsenz zu zeigen, haben sich hier zwölf Beamte der Hundertschaft postiert. Sie stehen auf dem Podest des Autoscooters, ihre Blicke scannen die Menge unter ihnen ab. „Wie lange braucht man für so viele Sterne?“, fragt ein junger Besucher den Hauptkommissar und schlendert ein paar Meter mit ihm mit. Die Stände des Pluutemarkts haben längst geschlossen, wer hier langgeht, tritt bereits den Heimweg an.

 

23.30 Uhr: Funkspruch „Auseinandersetzung am Bayernzelt“. Peter und Mohr bahnen sich im Lauftempo den Weg durch die Straßen. Drei Meter vor dem Eingang des Festzeltes bremsen sie ab und gehen ruhig zu ihren Kollegen. Die Beamten der Hundertschaft haben bereits einen Kreis um das Geschehen herum gebildet, nach außen hin schirmt eine Reihe die agierenden Beamten ab. Den Gästen entgeht der Polizeieinsatz nicht: Von der Empore rufen einige, es fliegen Glasscherben. Andere bleiben stehen und schauen zu. Ein Mann wird schließlich von zwei Beamten abgeführt, er wird später auf der Wache vernommen. „Wenn Kollegen um Unterstützung bitten, muss man schnell reagieren“, so Peter. Im Vergleich zu früheren Jahren könne es heute schneller zu Sympathisierungsbewegungen kommen und Beamte angegriffen werden. Sollte die Lage brenzlig werden, kann Peter zwei Hundeführer einsetzen.

Kontrolle der Fahrgeschäfte

0 Uhr: Pause im Klassenraum: In der Marktschule sitzen Mitarbeiter des Ordnungsamtes zusammen, es gibt Obst und Wasser. Draußen schließen die ersten Buden und Fahrgeschäfte. Zwei junge Männer halten Peter einen gefundenen Personalausweis hin. „Ich glaube, damit können Sie mehr anfangen als ich“, sagt einer der beiden.

1 Uhr: Peter und Mohr beenden ihren Dienst für heute. Ihre Kollegen sind mindestens bis zur Sperrstunde auf Pützchen. Sie kontrollieren, dass die letzten Fahrgeschäfte schließen und kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird.

Bonnorange rückt an

2 Uhr: Auch für René Bergmann endet langsam der Tag. Mit einem Schlauch reinigt der Betreiber der Eurorutsche die Metallflächen im Eingangsbereich. Normalerweise werde immer erst am nächsten Morgen gereinigt. „Wir machen jetzt schon sauber“, sagt er. Am Sonntag geht der Markt mit der Messe früher als an den anderen Tagen los. Die blinkenden Lichter am Riesenrad sind erloschen. „Wir richten uns immer nach dem Riesenrad. Wenn das zumacht, dann geht es meistens reihum“, heißt es an der Wilden Maus.

Einige Straßen sind ohne die Beleuchtung der Buden stockdunkel. Vor der Losbude kehrt ein Mitarbeiter einen Berg aus gelben Papierschnipseln zusammen. An den Imbissbuden putzen die Mitarbeiter eifrig die Glasscheiben an den Theken. Aus Boxen dröhnt Brings: „Kumm lommer heimjon, bring mich noh Huus“. Ans Nachhausegehen denken viele aber noch nicht. Bis zur Sperrstunde um 3 Uhr wird an den Bierbuden noch ausgeschenkt, auch die Hauptattraktionen locken noch die jungen Gäste an.

3.30 Uhr: Viele Schausteller haben den Bereich vor ihrer Bude gereinigt und ihren Müll in Säcken verstaut. Ein Team mit 26 Mitarbeitern von Bonnorange rückt nach Marktende an, damit am nächsten Morgen nichts mehr von den Spuren der Nacht zu sehen ist.