Pützchens Markt 2016

Eine Kirmes wie im Bilderbuch

Spaß auf dem Kettenkarussell.

Spaß auf dem Kettenkarussell.

Pützchen. Sonne, Sommer, Spaß: Pützchens Markt zeigt sich in diesem Jahr von seiner besten Seite. Die Besucher schlendern entspannt und kirmessüchtig durch die bunte Lichterstadt.

Die Atmosphäre zwischen Riesenrad und Bayernzelt besitzt etwas Magisches – besonders in den Abendstunden. Aber was zieht die Menschen in den Bann des Jahrmarktflairs? Sind es die rasanten Fahrgeschäfte, der Duft von gebrannten Mandeln oder der zweisame Bummel durch die Budengassen? Alles davon stimmt, aber hinzu kommt sicherlich die durch das Kirmestreiben vermittelte Unbeschwertheit. Einfach mal ein paar Stunden abschalten, nette Menschen treffen und ein lockeres Gespräch bei dem ein oder anderen kühlen Kölsch führen. Das macht Pützchens Markt aus.

Es kommt nicht von ungefähr, dass seit Tagen ein Filmteam des Landschaftsverbands Rheinland auf dem Marktgelände unterwegs ist, um das Besondere des Jahrmarkts aufzugreifen. Der Film soll eine Hommage an Pützchens Markt werden und zu dessen Jubiläum im nächsten Jahr öffentlich präsentiert werden.

Zum 650-jährigen Bestehen wird auch ein Buch der Autoren Karl-Heinz Erdmann und Michael Faber erscheinen. Historisches Material sammeln die beiden Schriftsteller schon seit weit über einem Jahr. Was noch fehlt, sind Fotos aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Für die Menschen aus Bonn und der Region stehen einige Schlagworte symbolisch für Pützchens Markt: Zum Beispiel Tradition, Autoscooter, Lebkuchenherz. Aber auch Schaustellerfamilien stiften für Kirmesfreunde Identität. Namen wie Barth, Kipp und Markmann verkörpern das umtriebige Gewerbe, das Nomadenhafte dieses Berufs.

Auch die Festmesse steht für etwas Außergewöhnliches. Viele der mehr als 2000 Besucher sind treue Stammgäste. Wer am Sonntagvormittag im Bayernzelt war, hat davon einen nachhaltigen Eindruck erhalten. Wenn die Kapelle nach dem Schlusssegen das Lied „Stammbaum“ von den Bläck Fööss spielt, dann rücken Große wie Kleine, Einheimische wie Fremde zusammen und singen diese rheinische Hymne lauthals mit. Kaum ein anderes Lied trifft das aktuelle Lebensgefühl und den Umgang miteinander passender. Als wenn der Text gestern geschrieben worden wäre: „De janze Welt, su süht et us, es bei uns he zo Besök. Minsche us alle Länder ston bei uns hück an de Thek.“

Apropos Theke: Die Straußenwirtschaften, Cocktailbars und Bierkneipen sind die Treffpunkte der Pützchens Markt-Fans schlecht hin. Oftmals ist der Ausschank nur einige wenige Quadratmeter groß, aber dafür sind die „Kirmes-Köbesse“ lokale Größen. Zum Beispiel im „Kölsch-Käärche“ an der Kreuzung Marktstraße/Friedenstraße zapft und bedient seit über 30 Jahren die Familie Braun aus Niederholtorf. Wer den Clan noch nicht kennt, hat in der kommenden Karnevalssession Gelegenheit, das nachzuholen. Aus dem Drei-Mädels-Haushalt stammt Beuels designierte Wäscherprinzessin Luisa I. Und überhaupt: Kirmes und Karneval haben auf Pützchens Markt ganz viele Schnittmengen. Gleich drei Traditionscorps buhlen freundschaftlich um die Gunst der Kirmesbesucher. Die Bierstände von Beueler sowie Bonner Stadtsoldaten als auch von der Ehrengarde der Stadt Bonn sind beliebte Szene-Treffpunkte.

Und wer was Ausgefallenes sucht, findet das schräg gegenüber vom „Kölsch-Käärche“. Am dortigen Bierpilz schenkt Arno Schatz seinen „Rharbarber-Schnaps“ aus. Der Aufgesetzte wird besonders gern von Frauen getrunken. Aber vielleicht liegt das auch am Namen des Getränks: Arnos Rharbarber-Schätzchen.

Auch bei Pützchens Markt sind die heimlichen Helden die unzähligen ehrenamtlichen Helfer. Eine Gruppe feiert beim 649. Pützchens Markt die 30. Teilnahme. Die evangelische Nommensenkirche ist zum festen Bestandteil des Rummels geworden. Das Team um Pfarrerin Bettina Gummel ist über die Jahre auf rund 200 Helfer angewachsen. Jeder hat seinen festen Platz: In der Küche, am Spülbecken, an der Theke oder im Imbisswagen. Alle arbeiten unentgeltlich für den guten Zweck. Und davon gibt es viele. „Den Erlös teilen wir auf mehrere Hilfsprojekte auf. Die Vorschläge dazu kommen aus der Gemeinde“, sagt die 57-jährige Pfarrerin, deren Mann, Sohn und Tochter natürlich mit helfen. Küchen-Chefin Petra Clemens gilt als Waffel-Spezialistin. 4000 Eier schlägt sie an den fünf Kirmestagen auf und macht daraus – natürlich mit den anderen üblichen Zutaten – Teig für ungefähr 12 000 Waffeln.

Wer auf die Kirmes will, der muss sich Gedanken machen, wie er am besten nach Pützchen auf die Marktwiesen kommt. Die Zahl der Autoparkplätze hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Von ehemals 6000 gibt es heute nur noch 4000, weil die Flächen anderweitig genutzt werden. Busse und Bahnen sind für viele das Transportmittel der Wahl. Aber die Zahl der Radfahrer nimmt jährlich zu. Mittlerweile bietet die Stadt als Veranstalter an mehreren Stellen Fahrradabstellanlagen an.

Das haben aber auch die Langfinger schon mitbekommen. Die Polizei registriert seit 2015 zunehmende Fahrraddiebstähle. Laut Polizei wird die Abstellanlage an der Gesamtschule besonders oft heimgesucht. Erst recht bei Dunkelheit, wenn die Diebe unerkannt entkommen können. Jetzt will die Stadt Bonn mit Hilfe des THW eine Lichtanlage an der Gesamtschule aufstellen. Prominentestes Opfer der Diebe ist Bonns Erster Bürgermeister Reinhard Limbach. Sein Fahrrad hatte er am Samstag direkt neben dem Adelheidisbrünnchen abgestellt und abgeschlossen. „Da hat wohl jemand einen professionellen Bolzenschneider gehabt. Anders kann man meine Sicherheitskette nicht durchtrennen“, sagte Limbach tief enttäuscht.