Pützchens Markt

Die Sicherheit steht an erster Stelle

Beliebtes Fahrgeschäft: der Voodoo Jumper.

Beliebtes Fahrgeschäft: der Voodoo Jumper.

Pützchen. „Die ersten drei Tage des 649. Pützchens Markts sind friedlich, fröhlich und fantastisch verlaufen.“ Diese Zwischenbilanz zog am Sonntag Marktmeister Harald Borchert, der für die Stadt Bonn den Jahrmarkt organisiert und überwacht.

Fast 900.000 Menschen sind bislang bei hochsommerlichen Temperaturen durch die Budenstadt geschlendert und haben die Kassen der Schausteller gefüllt. Aufgrund der hohen Zufriedenheit von Schaustellern und Besuchern ließ sich Borchert zu dem Satz hinreißen: „Es ist der beste Pützchens Markt aller Zeiten.“

Auch Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus war voll des Lobes: „Dass die Kirmesbesucher mit so einem deutlich erkennbaren Sicherheitsgefühl über den Jahrmarkt bummeln können, haben wir den Anstrengungen der Polizei und des Ordnungsamts zu verdanken.“ Die terroristischen Anschläge der vergangenen Wochen und Monate in Deutschland und in den Nachbarländern haben dazu geführt, dass Polizei und Ordnungskräfte das Sicherheitskonzept für Pützchens Markt der aktuellen Lage angepasst haben. Einige Beispiele, die vor allem für die Kirmesbesucher deutlich sichtbar sind:

Polizei und Ordnungsamt gehen in mehreren Gruppen mit jeweils vier Personen Streife über den Markt und nehmen stichprobenartige Kontrollen von Taschen und Rucksäcken vor.

Eine Hundestaffel hat am Sonntag das Bayernzelt auf Sprengstoff abgesucht. Erst nach der Durchsuchung durften die Gäste der Festmesse das Zelt betreten.

Ein 16 Tonnen schwerer Lastwagen des Technischen Hilfswerks (THW) sperrt in Höhe der Pützchens Chaussee den Eingang zum Kirmesgelände ab. Dadurch soll verhindert werden, dass wie in Nizza ein Lastwagen in die Menschenmenge rasen kann.

„Wir haben sehr viele Szenarien durchgespielt und uns auf mögliche Einsätze dieser Art bestmöglich vorbereitet“, sagte Beuels Polizeichef und Einsatzleiter Gerd Mainzer. Dabei ist der Polizei wichtig, sichtbar, aber diskret aufzutreten, keine Schnellfeuerwaffen und keine Sturmhelme zu tragen.

„Die Menschen sollen uns erkennen, aber unser Auftreten soll Sicherheit und keine Sorge verbreiten“, sagte Mainzer. Der General-Anzeiger konnte sich am Wochenende bei einem gemeinsamen Rundgang mit Polizei und Ordnungsamt davon überzeugen, wie diese Strategie auf die Kirmesbesucher wirkt. Die Beamten wurden während des Kontrollgangs mehrfach von Besuchern angesprochen und nach vielen Dingen gefragt. Dabei ging es aber vornehmlich nicht um Sicherheitsfragen, sondern um Öffnungszeiten der Kirmes, Parkprobleme und Ähnliches.

Ein Schausteller ging auf Iris Kyrion und Marco Vida zu und gab den beiden Polizisten eine Geldbörse: „Die hat ein Fahrgast bei uns verloren.“ Ausweise und Kreditkarte waren noch vorhanden, so dass die Beamten den Eigentümer informieren konnten. An einem Messerstand kontrollierte die Streife die Auslage und die Länge der Klingen. Gerd Mainzer riet der Verkäuferin, die Messer besser abzusichern – zum Beispiel durch eine Plastikscheibe: „So wie die Messer hier liegen, kann sie jeder im Vorbeigehen stehlen. Das gefällt mir nicht.“ Die Frau sagte zu, die Verkaufsauslage im nächsten Jahr abzusichern.

Vor den Ordnungskräften querte ein junger Mann mit einer großen Plastiktasche den Weg. Die Beamten hielten ihn an und baten darum, einen Blick in die Tüte werfen zu dürfen. Der Inhalt war ungefährlich und bestand aus einer Jacke und einem Stofftier. „Die Besucher zeigen Verständnis für unsere Kontrolle“, so die Polizistin.