Treffpunkt rund um die Nommensen-Kirche

Der kleine Markt auf Pützchens Markt ist ein Geheimtipp

PÜTZCHEN. Sie stehen in den Startlöchern, die Vorfreude strahlt aus ihren Augen. Die „Häuptlinge“ beim kleinen Markt rund um die Nommensen-Kirche auf Pützchens Markt können das Mega-Ereignis kaum erwarten.

Die Vorbereitungen für die 651. Auflage von Pützchens Markt laufen auf Hochtouren. Eine Delegation ist bereits nach Belgien gereist, um die unverkennbaren Soßen für diverse Leckereien zu kaufen. Seit mehr als 30 Jahren arbeiten rund 200 Ehrenamtliche an fünf Tagen in drei Schichten an Kaffeebud, Waffelstand, Eine-Welt-Stand und mehr. „Allein im Imbisswagen müssen rund 50 Ehrenamtler koordiniert werden. Das ist eine enorme Arbeit und deshalb sind die Häuptlinge so wichtig“, sagt Pfarrerin Bettina Gummel.

Das ist eine Aufgabe der Häuptlinge. Sie versuchen zudem, Menschen als Ehrenamtliche zu gewinnen, sind Ansprechpartner für die Helfer, planen die Schichten, unterstützen und motivieren die Mitarbeiter und sorgen für gute Laune im Team. „Ich habe Freude am gemeinschaftlichen Arbeiten, und wir haben ein großes Ziel, auf das wir hinarbeiten“, sagt Petra Clemens, gemeinsam mit Heidi Nieder ist sie verantwortlich für den Waffelstand. „Die Gemeinschaft ist einfach großartig und die Stimmung ist immer positiv und stimmt uns trotz der wachsenden Aufgaben heiter“, ergänzt Nieder. „Wir haben viel Spaß miteinander, und jeder, der Schichten übernimmt, trägt dazu bei, Erlöse für den guten Zweck zu erzielen. Immerhin kommen jedes Jahr rund 15 000 Euro zusammen, die wir an soziale Projekte in aller Welt und bei uns in Bonn spenden“, erklärt Schatzmeister Uli Hamacher.

Treffpunkt für Familien und Nachtschwärmer

Der kleine Markt ziehe große und kleine Besucher gleichermaßen an. „Unser kleiner Markt ist ein Ruhepol in dem Gewimmel der Kirmes. Hierher kommt die Oma mit dem Enkel, um eine Waffel zu essen. Das ist eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt Hamacher. „Toll finde ich es auch immer, wenn die jungen Leute zu uns kommen, um noch einen Absacker zu trinken und dann um 22.30 Uhr auch noch gerne eine Waffel essen. Das ist herrlich“, sagt Petra Clemens, die seit zwölf Jahren dabei ist. „Aus einer Schicht am Anfang sind heute mehr als drei geworden. „Meine Kollegen wissen inzwischen, dass ich für Pützchens Markt immer Urlaub nehme. Da kommt nichts dazwischen“, sagt sie.

„Es ist einfach toll zu sehen, wie unser kleiner Markt in den Jahren immer größer geworden ist. Am Anfang brauchte ich das Geld nur einmal in fünf Tagen zu zählen, heute ginge das gar nicht mehr“, erinnert sich Gummel. „Wir identifizieren heute, welcher Stand an welchem Tag wie viel umsetzt. Das Wetter spielt dabei nicht die entscheidende Rolle, da wir sehr viel Stammpublikum haben. Man kann sagen, wenn die Schausteller insgesamt 20 Prozent Minus haben, haben wir 10 Prozent“, erklärt Schatzmeister Hamacher. „Wir haben viele Stammkunden, die unseren kleinen Markt als Start-und Endpunkt für den Rundgang nutzen. Hier trifft man sich gerne mit Freunden“, sagt Küsterin Claudia Curtius.

Zehnerkarten für die Toilette

Seit 30 Jahren wimmelt es an den zahlreichen Ständen Am Weidenbach von Menschen, die sich kulinarisch verwöhnen lassen möchten. Am 7. September 1986, gerade einmal fünf Tage vor dem Start des damaligen Pützchens Markt, wurde die Nommensen-Kirche eingeweiht, und das Presbyterium beschloss umgehend, sich an der Kirmes zu beteiligen. Seither ist der Markt rund um das Gemeindezentrum Stück für Stück gewachsen. „Es gab aber auch manche scharfe Diskussionen. So ging es anfangs zwischen der Öko-Fraktion und der Umsatz-Fraktion heiß her, ob der Schwerpunkt eher auf der Nachhaltigkeit oder dem Erlös für die Spenden liegen sollte“, berichtet Gummel.

Ein zentraler Moment für die Zuwendung zu einem größeren Publikum sei die Öffnung der Toiletten gewesen. Die barrierefreie Anlage erleichtert vielen Besuchern den Zugang. Heute werden Zehnerkarten verkauft, die beim Publikum sehr großen Zuspruch finden. Pfarrerin Bettina Gummel ist stolz und voller Respekt für die Leistung der Häuptlinge und ihrer vielen Helfer des kleinen Pützchens Marktes: „Sie alle sind ein großes Geschenk für die Gemeinde und für die Projekte, die wir dank ihrer Leistung unterstützen können. Ich freue mich über das große Engagement seit so vielen Jahren.“