Verkehrsbehinderungen und Trubel

Das denken die Anwohner über Pützchens Markt

Pützchen. Die Anwohner von Pützchens Markt können mit den Verkehrsbehinderungen und dem Kirmestrubel gut leben. Für sie gehört der Trubel sogar fest zum Jahreslauf.

Im Minutentakt brettern schwere Zugmaschinen am Haus vorbei. Aus der Ruhe bringen lässt sich Wolfgang Siebertz davon jedoch nicht. Im Gegenteil. „Wir freuen uns, wenn’s endlich wieder losgeht“, strahlt der Anwohner der Friedenstraße. Bereits seit Tagen beobachtet er den Aufbau der großen Fahrgeschäfte. In diesem Jahr hat er sich dafür extra Urlaub genommen. „Ich bin fasziniert von der Organisation.“

Gestört oder belästigt fühlt er sich weder von dem zusätzlichen Verkehr, noch von den Verkehrseinschränkungen. „Nein, wir leben mit Pützchens Markt. Gemotzt wird hier nicht“, sagt er. „Wer’s nicht ertragen kann, der soll in den ersten zwei Septemberwochen verreisen.“

Privileg: Die Anwohner trinken die Bierleitungen sauber

Nachbar Walter Hacks ist mit seiner Frau Martha allerdings rechtzeitig aus dem Mallorca-Urlaub zurückgekehrt. „Wir wären schon beunruhigt, wenn wir jetzt nicht hier wären“, gesteht Martha Hacks. Sie vermisst allerdings die vielen kleinen Hauswirtschaften, die es vor Jahren rund um den Festplatz gab. „Bei einem Bekannten gab es Sauerbraten, beim anderen Pflaumenkuchen. Jetzt gibt es nur noch wenige dieser privaten Lokale“, erzählt sie. Ehemann Walter Hacks wird mit Beginn der Großkirmes regelmäßig überprüfen, ob das Gartentor gut verschlossen ist. „Damit niemand auf die Idee kommt, unsere Blumenbeete als Toilette zu benutzen.“ Dennoch freut sich das Ehepaar auf die Kirmes.

„Natürlich sind wird jeden Tag dort. Man trifft immer viele Bekannte. Für uns ist Pützchens Markt ein großes Dorffest“, berichtet Martha Hacks. Los geht es für sie bereits am Donnerstag. „Dann werden wir Anwohner eingeladen, um die Bierleitungen sauber zu trinken.“

Mit einem Lappen und viel Lösungsmittel versucht Thomas Königshausen von den Bonner Stadtsoldaten die Zeltplane von Kleberesten zu befreien. Seit dem Wochenende sind die Stadtsoldaten täglich vor Ort, um ihr Zelt auf einem Privatgrundstück an der Marktstraße aufzubauen. „Hier herrscht immer eine tolle Stimmung. Es gibt Bier, Musik und natürlich Ähzezupp“, freut er sich auf die nächsten Tage. „Kommen Sie doch mal vorbei!“ „Ob wir genervt sind von dem Trubel?“, fragt Sigrid Marten ungläubig. „Natürlich nicht“, antwortet sie. „Mit den Einschränkungen können wir sehr gut leben.“ Natürlich unternimmt auch Familie Marten täglich einen Rummelbesuch. „Selbstverständlich fahren wir auch Karussell“, ruft sie und geht ins Haus.

Zwei zusätzliche freie Tage beschert die Kirmes Christina Fürtmeier von der Firma „Elektro Hönighausen-Gebertz“. „Montag und Samstag öffnen wir nicht“, erzählt sie. Auch sie kann mit den Beeinträchtigungen gut leben. „Der Trubel gehört doch einfach dazu. Ich parke mein Auto einfach in der Einfahrt einer Freundin in der Nähe und komme dann zu Fuß ins Geschäft.“

Am Donnerstag ziehen die Einsatzkräfte in die Marktschule

Schon seit Tagen verfolgen die Kinder der Marktschule den Aufbau. „Wir kennen das nicht anders“, sagt Schulleiterin Sabine Brögger. Schließlich sei Pützchens Markt eng mit der Grundschule verbunden. Donnerstagmittag müssen die Kinder allerdings ihre Klassen verlassen. Dann ziehen Einsatzkräfte ein. Freitag werden die Klassen zwei bis vier das Junge Theater besuchen, Montag und Dienstag ist die Schule zu, Mittwoch steht eine Konferenz an. „An diesen Ablauf sind wir gewohnt“, fügt die Pädagogin hinzu.

Allerdings sei es für die Eltern nicht immer einfach so kurz nach den Sommerferien erneut eine Betreuung für ihre Kinder an den freien Tagen zu organisieren. Lust oder Frust? „Für uns sind diese Tage ganz bestimmt nicht frustrierend“, sagt Adolf Brodesser vom Trägerverein Pfarrzentrum St. Adelheid. „Nein, alles läuft optimal“, ergänzt er. Während der Kirmestage werden im Pfarrzentrum St. Adelheid Gäste bewirtet. „Das übernimmt ein Gastwirt. Alles kein Problem.“

Wie laufen die Geschäfte, wenn der Betrieb kaum erreichbar ist? „Alles hält sich im Rahmen und ist akzeptabel“, erwidert Susanne Haunz von der Firma „Aqua Bonn“ am Holzlarer Weg. „Entweder verschieben unsere Kunden ihren Besuch bei uns oder wir erklären ihnen genau, wie sie uns dennoch erreichen können“, ergänzt sie. „Wir können mit den Beeinträchtigungen leben.“