Aufbau der Kirmes

Bonner veröffentlicht Bildband über Pützchens Markt

Beuel. Johannes Göbel hat einen kunstvollen Bildband über den Aufbau von Pützchens Markt veröffentlicht. An 13 Tagen hat er den Aufbau der Jubiläumskirmes 650 Jahre Pützchens Markt verfolgt und akribisch mit der Kamera festgehalten.

Über Pützchens Markt (7. bis 11. September) ist im Laufe der Jahre nahezu alles berichtet und beleuchtet worden. Autoren und Fotografen haben den Jahrmarkt auf den Kopf gestellt, um auch über Details und Hintergründiges zu informieren. Und dennoch ist es jetzt einem Bonner gelungen, Pützchens Markt in einem Fotoband aus einer neuen und somit überraschenden Perspektive darzustellen. Johannes Göbel erzählt eine andere Geschichte – und zwar die des Aufbaus.

An 13 Tagen – vom 25. August bis 8. September 2017 – hat er den Aufbau der Jubiläumskirmes 650 Jahre Pützchens Markt verfolgt und akribisch mit der Kamera festgehalten. Daraus entstanden ist ein 400 Seiten starkes Buch mit 484 Farbfotografien. Seine Reportage wirkt wie ein Zeitraffer, der Aufbau ist in seine verschiedenen Phasen zerlegt. „Der Reiz und Ansporn für mich war, künstlerisch darzustellen, wie sich temporäre Architektur in Form der Fahrgeschäfte vor die stationäre Architektur der Wohnbebauung schiebt“, erklärte Göbel ein Jahr später bei einem Treffen in der Aufbauphase des jetzigen Jahrmarkts.

Augenmerk auf der Architektur

Dabei hat Göbel sein Augenmerk tatsächlich ausschließlich auf die Architektur gelegt. Der Betrachter sieht menschenleere Fotos. Der Spannungsbogen beim Betrachten reißt trotzdem nicht ab, weil der Wiedererkennungswert vor allem für Pützchens-Markt-Kenner enorm hoch ist. An Details und lokalen Hintergründen kann man die Bilder räumlich zuordnen.

Orientierungspunkte sind die Pfarrkirche Sankt Adelheid und die Stromstationen auf den Marktwiesen. „Meine Bilder zeigen, wie sich der Hauptplatz und alle auf ihn zulaufenden Straßen in eine andere Welt verwandeln: Sägespänelinien und umgeklebte Straßenmarkierungen geben einen neuen Rhythmus vor. Wasserzapfstellen und oberirdische Stromkabel prägen für viele Tage die eigene Ordnung der Kirmes“, sagte Göbel. In seiner zweiwöchigen Detailarbeit nehmen Achterbahn und Riesenrad Gestalt an, eine Leuchtturmattrappe wird als vorübergehendes Wahrzeichen aufgestellt.

Johannes Göbel lebt seit 1976 in Bonn. Seit zwölf Jahren zieht der Jurist als Beobachter mit seiner Kamera durch Deutschland und veröffentlicht Reportagen zu verschiedenen Themen. Sein Werk über Pützchens Markt ist Teil einer Kirmesserie, die er vor rund zehn Jahren begonnen hat. Er hat sich schon mehreren bekannten deutschen Jahrmärkten intensiv gewidmet – zum Beispiel der Allerheiligenkirmes in Soest. Seine Fotos zeigen immer öffentliche Räume und Gebäude, nie Menschen. 2900 Motive hat er mit der Kamera 2017 in Pützchen aufgenommen.

Pützchens Markt als "Wimmelbuch"

„Nach dem Ablichten begann die eigentliche Arbeit: das Sichten und Aussuchen der Bilder für das Buch“, berichtet Göbel, der seine Fotos niemals am Computer nachbearbeitet. Was sofort auffällt: Es gibt keinen erklärenden Text zu den Bildern. Warum? Göbel: „Die Bilder sind selbsterklärend. Wer das Vorwort im Buch gelesen hat und sich auf die spannende Bilderreise im Buch begibt, wird sehr schnell meine Absichten erkennen.“ Göbel hat seine Veröffentlichung als eine Art „Wimmelbuch“ herausgegeben. Will heißen: Ein Buch ohne Text mit großen Bildern, die voller Details „wimmeln“. „Dadurch kann der Betrachter seine eigene Kirmesgeschichte erleben“, so Göbel. Das Werk mit dem Titel „Eine Jahrhundertkirmes wird aufgebaut – Pützchens 650.“ ist genau ein Jahr später kurz vor der Eröffnung der 2018er-Kirmes auf den Markt gekommen.

Erschienen ist es im Bernstein-Verlag (ISBN 978-3-945426-37-1) und kostet im Schuber 45 Euro. Dazu gibt es für zehn Euro ein gleichnamiges Postkartenset mit zehn Aufbaumotiven. Es ist auch eine Vorzugsausgabe zum Preis von 250 Euro erhältlich.