GA-Bürgerdialog zu Pützchens Markt

Als es noch die Boxbude gab

Heinz Roth mit seinem Fotoalbum beim Bürgerdialog zu Pützchens Markt.

Heinz Roth mit seinem Fotoalbum beim Bürgerdialog zu Pützchens Markt.

Pützchen. Es war ein Abend der Erinnerungen an den historischen Pützchens Markt. Beim Bürgerdialog unter der Überschrift "Zwischen Gottesdienst und Geisterbahn" brachten die Besucher viele alte Fotos mit.

Wenn Pützchens Markt angesagt ist, dann strömen die Massen. Groß ist die Anziehung schon dann, wenn über Pützchens Markt nur gesprochen wird, so wie am Dienstag beim GA-Bürgerdialog.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hatte unter der Überschrift „Zwischen Gottesdienst und Geisterbahn“ zu einem Gedankenaustausch über Pützchens Markt ins Pfarrheim St. Adelheid eingeladen, und gut 150 Besucher bewiesen ihr großes Interesse an diesem Thema.

Das Programm an diesem Abend war dreigeteilt. Zur Einstimmung zeigte der LVR aus der Reihe „Filmschätzchen“ Ausschnitte aus drei Filmdokumentationen über Pützchens Markt aus den 1970er-Jahren. Im Anschluss daran fand, um mit möglichst vielen Kirmesfreunden ins Gespräch zu kommen, eine Talkrunde zum Thema „Faszination und Facettenreichtum von Pützchens Markt“ statt, die von GA-Redakteur Holger Willcke moderiert wurde.

Und den ganzen Abend hindurch brachten Besucher ihre Schätzchen mit, die sie in ihren Fotoalben und Andenkenkisten rund um den Markt gefunden hatten.

Altes Bildmaterial wird abfotografiert und katalogisiert

Heinz Roth zum Beispiel hatte so einiges an Bildmaterial dabei: Ein Farbbild von 1971, das die Schützen auf ihrem montäglichen Köttzoch, dem Spendensammeln, zeigte, oder ein Bild aus der Vorkriegszeit, auf dem seine Großeltern vor ihrem Haus an der Marktstraße zu sehen waren, wie sie an ihrer Hauswirtschaft Leckeres aus der Küche anboten.

Regina Müller hatte Bilder dabei, die sie in den 70er Jahren vor der Raupe in enger Lederjacke und weiter Schlaghose zeigten. Wieder andere Besucher zeigten Bilder aus der Boxbude, die es nicht mehr gibt.

So kam über den ganzen Abend verteilt einiges an altem Bildmaterial zusammen, das abfotografiert wurde, damit es katalogisiert dem LVR übergeben werden kann beziehungsweise beim GA online zu sehen sein wird.

Der einleitende Film war, so die LVR-Mitarbeiterin Katrin Bauer, ein Zusammenschnitt von drei älteren Filmen, die zur Wallfahrt und zum Jahrmarkt entstanden sind. Neben vielen alten Erinnerungen zeigte der Film auch, dass am Sonntag im Festzelt bei der Messe geheiratet und getauft wurde. Und er zeigte das „Ständeln“ der Schausteller, wie sie am Montag als Blaskapelle über den Kirmesplatz zogen.

LVR dreht Film über Pützchener Jahrmarkt

Der LVR wird in diesem Jahr rund um den Markt einen Film drehen, der 2017 vorgeführt werden soll, wenn das 650-jährige Bestehen gefeiert wird. Willcke gelang es, Gabriele Dafft vom LVR das Versprechen zu entlocken, dass man sich im kommenden Sommer zur Premiere wieder treffen werde.

Im Rahmen der Talkrunde stellte sich heraus, dass Professor Karl-Heinz Erdmann von der Uni Bonn mit Michael Faber vom LVR ein Buch über den Jahrmarkt produzieren wird. „Es gibt ein Buch über 200 Jahre Münchner Oktoberfest. Wir wollen Pützchens Markt auf Augenhöhe präsentieren“, sagte er.

Die Besucher wussten einige Anekdoten von langjährigen Marktbesuchen zu erzählen: wie man sich beispielsweise mit fünf Groschen einen schönen Nachmittag machen konnte oder wie die Boxbude faszinierte. Dieser Kirmesbude, das war rauszuhören, trauerten einige Besucher nach. Müllers Aap, der bekannte Boxer aus Köln, soll nach seiner Boxkarriere mit einem Würstchenstand in Pützchen gewesen sein mit dem Slogan: „Wollt ihr euch mit Müller messen, müsst ihr seine Würstchen essen.“

Hubert Markmann von der bekannten Schaustellerfamilie brachte das Besondere von Pützchens Markt auf den Punkt: „Wir sind hier in Pützchen unterwegs, man geht von Stand zu Stand.“ Das sei ein Alleinstellungsmerkmal unter den großen Volksfesten. Wenn er es sagt, dann muss es so sein, denn er kann Vergleiche ziehen. Der „Huppemann“ hatte zum Schluss noch eine Bitte an die Stadt: „Sorgt dafür, dass es so bleibt, wie es ist, und dass es friedlich bleibt.“

Sie haben auch noch alte Erinnerungsstücke von Pützchens Markt? Schicken Sie uns Ihre Fotos per E-Mail online@ga-bonn.de.