650. Pützchens Markt

26. Januar 1367: Ein besonderer Tag für Pützchen

In dieser Urkunde vom 26. Januar 1367 wird der Adelheidisbrunnen im Ortsteil Pützchen zum ersten Mal schriftlich erwähnt.

In dieser Urkunde vom 26. Januar 1367 wird der Adelheidisbrunnen im Ortsteil Pützchen zum ersten Mal schriftlich erwähnt.

Beuel. Auf den Tag genau: Vor 650 Jahren wurde der Adelheidisbrunnen erstmals urkundlich erwähnt. Das Original wird im Landesarchiv aufbewahrt. Ein besonderer Tag für Pützchen.

Fahrgeschäfte, Festzelte, Bratwurst, Bier und Reibekuchen: Allein im vergangenen Jahr kamen rund 1,2 Millionen Besucher zu Pützchens Markt. Seinen Ursprung hat der Jahrmarkt in der Wallfahrt zu Ehren der Heiligen Adelheid rund um den Brunnen in Pützchen. In einer Urkunde vom 26. Januar 1367 wird dieser Brunnen zum ersten Mal erwähnt.

Es ist die einzige mittelalterliche Quelle, in der das Adelheid-Pützchen – abgeleitet vom lateinischen puteus für Grube oder Brunnen – genannt wird. Inhaltlich geht die Urkunde nicht auf die Verehrung der Adelheid ein. Der „Adelheidisborn“ genannte Brunnen dient hier lediglich als Ortsbeschreibung für ein Verkaufsgeschäft, das den Schöffen des Untergerichts Küdinghoven mit diesem Dokument angezeigt wird.

Der Legende nach stieß Adelheid um die Mitte des 11. Jahrhunderts während einer Dürre ihren Äbtissinnen-Stab in die Erde und entfachte damit eine Quelle. Ob der Brunnen bereits im 14. Jahrhundert eine Rolle bei der Wallfahrt zum Grab der Heiligen in Vilich spielte, ist anhand der Quellen nicht nachweisbar.

Markt zur Versorgung der Wallfahrer

Nachdem die Vilicher Kirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde und die Gebeine der Heiligen verschwanden, verlagerte sich das Wallfahrtsgeschehen nach Pützchen. Im späten 17. Jahrhundert errichteten die Karmeliter hier ein Kloster und eine Wallfahrtskirche. Um die vielen Wallfahrer zu versorgen, wurden Buden und Zelte aufgebaut. Es kamen Wirte, Krämer, Viehhändler hinzu – und eben auch Kirmesleute, die für die Unterhaltung der Pilger sorgten. An die ursprüngliche Bedeutung als Verkaufs- und Handelsplatz erinnert der Pluutenmarkt (Kleidermarkt), der auch heute noch Bestandteil der Kirmes ist.

Das Original der Urkunde wird im NRW-Landesarchiv in Duisburg aufbewahrt. Das Bonner Stadtarchiv verfügt über eine digitale Kopie des Dokuments. Einen Ausdruck davon können Interessierte bei der geplanten Ausstellung zur Geschichte des Traditionsjahrmarktes auf dem Münsterplatz im Juli in Augenschein nehmen. In der Stadthistorischen Bibliothek des Stadtarchivs gibt es zudem Literatur zur Geschichte und zu den Anfängen von Pützchens Markt.

Ausführliche Informationen zum Jubiläumsjahr „650 Jahre Pützchens Markt“ gibt es hier. (ga)