"Twilight"-Saga

Am Ende einer langen Nacht

bonn.  Es ist geschafft: Der letzte Teil der weltweit erfolgreichen "Twilight"-Saga kommt ins Kino. Ein Jahr lang haben wir Zeit gehabt, um uns vom Schock der vorletzten Folge der "Twilight"-Saga zu erholen. In "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht, Teil 1" machte Kristen Stewart als Bella 2011 eine Turbo-Schwangerschaft durch und drohte bei der Geburt ihrer Tochter Renesmee zu sterben, ohne als Untote wieder erwachen zu können.

"Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht, Teil 2" macht da weiter, wo Teil 1 aufgehört hat. Die Dinge haben sich geklärt, Renesmee, eines der goldigsten (vermutlich computeranimierten) Babys der Kinogeschichte, ist auf der Welt. Mutter und Vater sind wohlauf und ziehen bald in ein schnuckeliges Familienhaus.

Bella ist noch schöner geworden, ihre neue Augenfarbe steht ihr gut. Ihre Sinne sind neuerdings geschärft, als Jägerin ist sie ein Ass, und ihre Umarmungen nehmen selbst Edward (Robert Pattinson) die Luft. Bella, die immer schon von einer Karriere als Vampir geträumt hat, ist angekommen im neuen, perfekt anmutenden Leben - ein Leben mit dem Bonus der Unsterblichkeit.

Doch Drama bedeutet Konflikt, und so geht ausgerechnet von der schnell wachsenden Renesmee (Mackenzie Foy) eine Gefahr für den Cullen-Clan aus. Die Volturi, die Über-Vampire der Saga, betrachten das Kind - halb Mensch, halb Vampir - als Bedrohung. Die Folge: der Kristen-Stewart-Blick, ihre Frau gewordene schmollende Melancholie.

Aus den Bedenken der Volturi resultieren in Bill Condons (Regie) und Melissa Rosenbergs (Drehbuch) Adaption des Romans von Stephenie Meyer genretypische Konfrontationen. Es herrscht Krieg, und Guillermo Navarros Kamera nimmt von Vampiren und Wölfen wimmelnde Schlachtszenen auf. Die Kombattanten stammen aus allen Winkeln der Erde, "Breaking Dawn" gibt sich international und multikulturell.

Die Effekte sind das eine. Aber es gilt vor allem, von Figuren Abschied zu nehmen, die der "Twilight"-Saga zum weltweiten Erfolg verholfen haben. Sie sagen Adieu mit blendendem Lächeln, trockenem Humor und jäh aufflackernder emotionaler Glut: Taylor Lautner als Jacob. Billy Burke erdet als Bellas zerknautscht-charmanter Vater Charlie wieder einmal den Film, in seinen Venen fließt echtes Blut.

Andere wie Ashley Greene als Alice oder Jackson Rathbone als Jasper müssen vor allem übermenschlich schön erscheinen, was ihnen auf vollkommene Weise gelingt. Kellan Lutz als Emmett Cullen spielt wieder den Untoten mit den dicken Muckis; er findet seine Meisterin. Das Frauenbild dieses Films ist progressiv.

Michael Sheen triumphiert wieder als Aro, Herr der Volturi. Sheen, der auch schon den englischen Premierminister Tony Blair verkörpert hat, ist als Aro ein begnadeter Rhetoriker des Krieges. Und ein Pragmatiker, der einsieht, dass Politik die Kunst darstellt, Kompromisse zu ertragen. Vampire können sehr schlau sein.

Kristen Stewart und Robert Pattinson, das Traumpaar des Kinos und der Hochglanz-Zeitschriften und Prominenten-Magazine, erkämpfen sich als Bella und Edward das Happy End; sie haben es sich verdient. Kein Zuschauer wird das "Twilight"-Finale erleben, ohne Parallelen zum wirklichen Leben zu entdecken. Für immer ("forever") wollen sie zusammen bleiben, doch das ist im Film leichter zu haben als in der Welt außerhalb des Kinos.

Beruflich müssen Stewart und Pattinson sich nicht sorgen, sie haben bereits bewiesen, dass sie Potenzial für eine Karriere nach "Twilight" besitzen. Nach fünf Filmen ist nun Schluss. Das ist gut so, denn die Vampir-Romanze ist auserzählt. Das Finale wird noch einmal viele Fans ins Kino locken. Allein in Deutschland wollten bisher rund 14 Millionen Menschen die Geschichte von Bella und Edward sehen. Rund 2,5 Milliarden Dollar hat die Serie bisher weltweit eingespielt.

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