„Dieses bescheuerte Herz“

Elyas M'Barek ist wieder auf der Kinoleinwand

Elyas M'Barek (als Lenny, unten) trägt Philip Noah Schwarz (als David) auf seinem Rücken in einer Szene des Films "Dieses bescheuerte Herz".

Elyas M'Barek (als Lenny, unten) trägt Philip Noah Schwarz (als David) auf seinem Rücken in einer Szene des Films "Dieses bescheuerte Herz".

Publikumsliebling Elyas M'Barek spielt in Marc Rothemunds Rührstück „Dieses bescheuerte Herz“ seine gewohnte Rolle. Als lässig-verwöhnter Ärztesohn Lenny soll er sich um den herzkranken Jungen David kümmern.

"Ich räum' das morgen auf, o. k.?“ sagt der Sohn zum Vater, nachdem er mit dem Audi Cabriolet durch die Garage hindurchgerast ist und den Wagen im Pool versenkt hat. Lenny Reinhard (Elyas M'Barek) ist ein verwöhntes Ärztesöhnchen: Studium abgebrochen, jeden Abend Party, Kreditkarte mit Zugang zu Papas prallem Konto. Aber damit ist nach dem Unterwasser-Parkmanöver Schluss.

Der Vater (Uwe Preuss) dreht den Geldhahn ab und verlangt, dass er sich um einen 15-jährigen Patienten kümmert, der seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler leidet. Wie Falschgeld steht Lenny in seiner schwarzen Designerlederjacke im Kinderhospiz, wo David (Philip Noah Schwarz) tagsüber betreut wird und Schulunterricht bekommt. „Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht?“, sagt er sichtlich empört. Warum soll man zur Schule, wenn man sowieso bald stirbt? Solche unsensiblen Sprüche gefallen David, der von seiner alleinerziehenden Mutter Betty (Nadine Frietz) Zeit seines Lebens überfürsorglich betreut wird.

Wie vom Vater aufgetragen, lässt Lenny seinen neuen Schützling eine Wunschliste schreiben. Neben materiellen Dingen stehen da auch Wünsche drauf wie „Einen Sportwagen fahren“, „eine Frau nackt anschauen“, „ein Mädchen küssen“ oder „Mutti glücklich machen“. Da Lenny sich ja dem Erwachsenwerden bisher erfolgreich entzogen hat, sind ihm die Wünsche des Jungen nicht fremd. Das Auto des nervigen Nachbarn für eine Spritztour klauen, Besichtigungstermine in der Peep-Show, eine Aufnahme im Tonstudio organisieren – so was hat der Münchner Lebemann drauf. Nur mit der Verantwortung hapert es noch ein bisschen, wenn David wieder einmal umkippt und die Sauerstoffflasche unauffindbar ist. Aber das wird schon.

Wenig Konflikte, wenig Überraschungen

Da kann man sich in einem Film wie diesem ganz sicher sein. Denn auch wenn Marc Rothemunds „Dieses bescheuerte Herz“ auf „wahren Begebenheiten“ beruht, die Daniel Meyer und Lars Amend in ihrem gleichnamigen Buch festgehalten haben, sind die Gleise einer rührseligen Läuterungsdramturgie hier gut sichtbar verlegt.

Natürlich bereichern sich geplagter Herzpatient und verwöhntes Wohlstandsopfer gegenseitig in unentwegter Weise und das Helfen hilft dem Helfer, endlich ein wenig Sinn in sein zielloses Lasterleben zu bringen. Wirkliche Konflikte kommen im Aufeinanderprallen der beiden Lebenswelten nicht auf, und dass Deutschlands Sympathieträger Nummer Eins Elyas M'Barek eigentlich ein ganz feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck ist, haben wir schon ein kleines bisschen geahnt. M'Barek spielt die Rolle mit seiner typischen Mischung aus Coolness und Grundwärme. Klar schaut man ihm dabei gerne zu. Aber durch seine enorme Popularität ist er auch schon zu einer Marke geworden, die keine Risiken eingeht, um die Kundschaft nicht zu vergraulen.

Das überschaubar strukturierte Drehbuch von Maggie Peren und Andi Rogenhagen scheint ohnehin an der Reifung des Ärztesohnes deutlich mehr interessiert zu sein als am Schicksal des herzkranken Jungen. Mit kunstvoller Offensichtlichkeit wird da noch eine schöne Assistenzärztin eingeflochten, die den Tunichtgut erst gar nicht und später umso besser leiden kann, gefolgt von einer kurzen Traumaaufarbeitung mit dem verwitweten Vater, gekrönt von der Immatrikulation des Geläuterten im Fachbereich Medizin. Dazu singt Jeff Buckley aus dann noch tatsächlich Leonard Cohens „Halleluja“ – und das in voller Länge!