Kritiken zu Filmen und Serien

Das waren die Highlights vom Film Festival Cologne

Sean Bean spielt den Priester Michael Kerrigan in der BBC-Serie "Broken".

Sean Bean spielt den Priester Michael Kerrigan in der BBC-Serie "Broken".

Köln. Von „Broken“ über „Nothingwood“ bis „Call me by your name“: Das Film Festival Cologne stand wieder ganz im Zeichen aktueller und kommender Film- und Serienhighlights. Welche Produktionen konnten überzeugen?

Eine Woche lang wurden in Köln wieder aktuelle und kommende Film- und Serienhighlights gezeigt. Das "27. Film Festival Cologne" bot eine Reihe von unbekannten, verheißungsvollen und lange erwarteten Produktionen. Dazu gehörten das große Serienspecial zur deutschen Großproduktion "Babylon Berlin" (eine Langkritik inklusive Stimmen der Macher über den Zeitgeist der Serie und die Produktion an sich gibt es hier) oder auch dem Screening des atemlosen und audiovisuell packenden Thrillers „Good Time“ mit Hollywood-Star Robert Pattinson. Pattinson  war jedoch nicht der einzige Star, der für Aufsehen sorgte. So stellte unter anderem auch Sean Bean seine neue Serie "Broken" vor.

Der größte Ansturm herrschte jedoch, als sich Fotografen an den roten Teppich und dutzende Fans vor das Kino versammelt hatten, um Tokio Hotel zu sehen. Mit „Hinter der Welt“ feierte der Dokumentarfilm über die Band seine Weltpremiere in Köln. Über die Qualität des Films kann jedoch nichts gesagt werden, da diese Doku und die neue BBC-Dramaserie "Broken" mit "Herr der Ringe"- und "Game of Thrones"-Star Sean Bean parallel gezeigt wurden und die Wahl schließlich auf die Serie fiel.

Zehn TV-Serien wurden insgesamt in der Reihe „Top Ten“ präsentiert, dazu liefen in der Reihe „Kino“ zehn internationale und internationale Kinoproduktionen und ebenso viele Filme im Rahmen der Reihe „Look“, die sich visuell außergewöhnliche und formell grenzüberschreitende Beiträge auf die Fahne geschrieben hat. Weitere Produktionen wurden beispielsweise in den Reihen „Made in NRW“, der Retrospektive oder auch in Specials vorgeführt, dazu gab es Werkstattgespräche und Lectures. Für die Programmzusammenstellung greift das Festival häufig Filme auf, die bereits auf anderen Festivals in diesem Jahr für Aufsehen und Furore gesorgt haben.

1 Call me by your name

Call me by your name“ ist so ein Film. Seit der Premiere im Januar auf dem Sundance Film Festival tourt das Drama über die Festivals und durch die Kinos weltweit und begeistert Kritiker und Zuschauer gleichermaßen. Regisseur Luca Guadagnino erzählt darin von einer Liebesgeschichte, die sich im Sommer 1983 auf einer Landvilla irgendwo im Norden Italiens entwickelt, wo der 17-jährige Elio mit seiner Familie meist gelangweilt seine Tage verbringt. Sein Vater beschäftigt sich in dieser Zeit von Berufswegen her mit Heraklit und nutzt die Zeit für seine Arbeiten. Als Unterstützung und Assistenz stellt er den 24-jährigen Oliver ein. Der Student aus den USA und Elio werden zu Freunden und kommen sich immer näher.

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von André Aciman gelingt Guadagnino ein wunderbarer Film. Die anbahnende Romanze fühlt sich aufrichtig und echt an, nur selten bewegt sich die Inszenierung an der Grenze zum Kitschigen. Viel wird über Blicke und Gesten vermittelt, näher kommen sich Elio und Oliver nur, wenn sie unentdeckt bleiben können. Die Liebe entwickelt sich vorsichtig und langsam, öffentlich ausgesprochen werden sollte sie zu der Zeit nicht, findet Oliver. Und so flirten die beiden auch weiter mit Frauen.

Armie Hammer und Timothée Chalamet brillieren in den Hauptrollen als vordergründig selbstbewusster Student, hinter dem sich noch viel mehr verbirgt und als Jugendlicher, der seine Gefühle zu erforschen versucht. Vor allem mit der letzten, unglaublich starken Einstellung bleibt Chalamet lange im Gedächtnis. Mit Bergamo und der lombardischen Stadt Crema entführt der Film seine Zuschauer zudem in eine traumhafte und wunderschöne Kulisse.

Der Film startet am Donnerstag, 1. März 2018, in den deutschen Kinos.

 

2 Broken

Das Filmfestival ist nicht nur für seine Spielfilme bekannt, in der Kategorie „Top Ten“ werden auch TV-Produktionen vorgestellt. Zu den Highlights gehört in diesem Jahr die sechsteilige von der BBC produzierte Serie „Broken“. Im Zentrum steht der katholische Priester Michael Kerrigan, der in einer ärmeren Gemeinde im Norden Englands den Menschen ein Ohr gibt, Messen leitet und ihnen die Beichte abnimmt. Er leistet seine Arbeit in einer Gegend, in der Armut, Gewalt und soziale Ungerechtigkeit herrschen. Bei vielen macht sich eine Hoffnungslosigkeit breit.

Sean Bean spielt den Geistlichen, der selbst mit traumatischen Erlebnissen aus seiner Kindheit zu kämpfen hat. Er versucht sich davon freizumachen, um anderen zu helfen. Mit sehr viel Ruhe entwickelt sich die Erzählung in den ersten beiden Episoden, doch die knapp zwei Stunden entfalten bereits eine unglaubliche Kraft und Emotionalität. Sehr genau beschreibt das Drehbuch die Situation der Figuren, beleuchtet ihre Hintergründe und ihre Ängste, spricht sozialpolitische und aktuelle, universelle Themen an. Die Serie zeigt, wie die Menschen in dieser Zeit und in dieser Gegend Halt in der Kirche suchen – oder eben auch nicht.

Wann die Serie in Deutschland ausgestrahlt wird, ist noch unklar.