Regiedebüt

"Wenn Fliegen träumen": Roadtrip aus der Einsamkeit

Die ungleichen Schwestern Nadja (Thelma Buabeng, l) und Hannah (Nina Weniger) kommen nach langer Zeit wieder zusammen.

Die ungleichen Schwestern Nadja (Thelma Buabeng, l) und Hannah (Nina Weniger) kommen nach langer Zeit wieder zusammen.

22.06.2019 Berlin. Märchen, Komödie, Familiendrama: Für ihr Regiedebüt bricht Katharina Wackernagel mit Genre- und Sehgewohnheiten - und inszeniert ein skurriles Roadmovie.

Katharina Wackernagel hat im doppelten Sinne einen Familienfilm gedreht. An ihrem Regiedebüt "Wenn Fliegen träumen" wirkten gleich mehrere Verwandte mit.

Ihr Halbbruder Jonas Grosch, mit dem sie bereits zum vierten Mal zusammenarbeitet, zeichnet für das Drehbuch und die komplett unabhängige Produktion verantwortlich. Ihre Mutter, die Schauspielerin Sabine Wackernagel, übernahm in dem Film eine Nebenrolle. Auch inhaltlich inszeniert Wackernagel, bislang bekannt als Schauspielerin ("Das Wunder von Bern", "Aenne Burda"), eine Familiengeschichte: Das Drama "Wenn Fliegent träumen" dreht sich um einen Roadtrip zweier ziemlich ungleicher Halbschwestern, die beide auf ihre eigene Art einsam sind.

Es ist der Tod des gemeinsamen Vaters, der die Psychotherapeutin Naja (Thelma Buabeng) und ihre suizidgefährdete Halbschwester Hannah (Nina Weniger) nach langer Zeit wieder zusammenführt. Zwei Dinge hat der Vater den beiden hinterlassen: einen alten Feuerwehrwagen und ein Haus in Norwegen. Gemeinsam brechen die Frauen mit dem knallroten Bus aus Berlin in Richtung Skandinavien auf, um dort ihr Erbe anzutreten. Als sie einen Anhalter aufgabeln, entwickelt sich die Reise - und damit auch ihr Verhältnis zueinander - anders, als die beiden erwartet hätten. Und dann folgen auch noch die Teilnehmer aus Najas Therapiegruppe ihrer Spur nach Norden, weil sie glauben, Naja wäre entführt worden. So nimmt das Abenteuer eine erstaunliche Wendung.

Die Regisseurin Katharina Wackernagel, die in ihrem Film eine Nebenrolle als Anästhesistin spielt, verzichtete für ihr Erstlingswerk nicht nur auf Filmförderung. Es lässt sich auch nicht eindeutig einem Genre zuschreiben. In ihrem Debüt zeigt Wackernagel vielmehr ein versponnenes Märchen, das - mal Drama, mal Komödie - mit Sehgewohnheiten bricht - und stattdessen die exzentrischen Figuren und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Doch so sehr man es dem Roadmovie wünschen würde, in Fahrt zu kommen, so wenig vermag es der Film, einen mitzureißen. Das dürfte auch daran liegen, dass sich dieses filmische Experiment den offenbar erwünschten skurrilen Humor eher zwanghaft erkämpfen muss.

Wenn Fliegen träumen, Deutschland 2018, 82 Min., FSK ab 0, von Katharina Wackernagel, mit Thelma Buabeng, Nina Weniger (dpa)