Held im neuen Look

"Robin Hood" mit Taron Egerton und Jamie Foxx

Robin Hood (Taron Egerton) ist nach fünf Jahren Krieg desillusioniert und legt sich mit dem Sheriff von Nottingham an.

Robin Hood (Taron Egerton) ist nach fünf Jahren Krieg desillusioniert und legt sich mit dem Sheriff von Nottingham an.

07.01.2019 London. Im neuen "Robin Hood"-Film wandelt Taron Egerton auf den Spuren von Kevin Costner. Mit Pfeil und Bogen bewaffnet, legt er sich mit dem Sheriff von Nottingham an. Für die neue Verfilmung der altbekannten Geschichte wählten die Macher eine ungewöhnliche Optik.

Der Erzähler warnt schon zu Beginn des Films: "Vergessen Sie die Geschichte. Vergessen Sie alles, was Sie wussten." Und tatsächlich wird schnell klar, dass dieser "Robin Hood" ein wenig anders ist als frühere Leinwand-Abenteuer mit Errol Flynn (1938), Kevin Costner (1991) oder Russell Crowe (2010).

Der neue Actionfilm des britischen Regisseurs Otto Bathurst ("Peaky Blinders") unterscheidet sich vor allem optisch von seinen prominenten Vorgängern. "Robin Hood" beginnt mit einem Diebstahl. Eine junge Frau versucht, ein Pferd aus einem Stall zu stehlen, wird aber von dessen Besitzer ertappt, dem smarten Robin von Loxley (Taron Egerton). Die Diebin heißt - man ahnt es schon - Marian. Die beiden verlieben sich und heiraten. Das Paar genießt in seinem Luxusanwesen das Leben, bis Robin auf Anweisung des Sheriffs von Nottingham (Ben Mendelsohn) einberufen wird, um an den Kreuzzügen teilzunehmen.

Ist das ein Kreuzzug oder der Irakkrieg? In hektischen Actionszenen, die manchmal aussehen wie das Kriegsdrama "American Sniper", dann eher wie die Videospielverfilmung "Assassin's Creed", kämpft Robin gegen den vermeintlichen Feind und dessen absurd moderne Waffen. Doch nach fünf Jahren Krieg ist er desillusioniert. Als er vergeblich zu verhindern versucht, dass sein Kommandeur den Sohn des Gefangenen Yahya (Jamie Foxx) tötet, wird er zurück nach England geschickt. Dort ist nichts mehr wie vorher.

Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn ein Regisseur mit seinem eigenen Film unzufrieden ist. Wer Otto Bathurst zuhört, merkt aber bald, dass bei seinem "Robin Hood" genau das der Fall ist. "Wir haben versucht, viel in diesen Film zu quetschen", verriet er der Deutschen Presse-Agentur, "es gab Momente, wo es geknarzt hat und es aus dem Ruder gelaufen ist. Dann mussten wir einiges wieder rausnehmen, und diese Löcher merkt man dem Film vielleicht auch an." Das ist noch milde ausgedrückt.

Man muss es den Machern natürlich zugute halten, dass sie es nach unzähligen Verfilmungen der berühmten Geschichte mit einem neuen Ansatz versucht haben. Allerdings ist dieser Versuch mit der gewollt ungewöhnlichen Optik und den fast anachronistischen Kulissen völlig missglückt - es sieht billig aus und ist außerdem nicht schlüssig. Nottingham ist im Film eine seltsam künstliche Industriestadt. Wichtigster Wirtschaftsträger sind die Minen, die es in Nottingham niemals gab. Was darin produziert wird, weiß niemand.

Und dann diese Kleidung, bei denen sich die Designer nicht zwischen Modenschau, H&M und "Game Of Thrones" entscheiden konnten. Robin trägt weiße Sweatshirts und eine modische Lederjacke mit maschinell gestepptem Muster. Fast könnte man meinen, Taron Egerton - der einzige Lichtblick in diesem Film - hätte sein Kostüm vergessen und vor der Kamera ein privates Outfit getragen. Auch seine Frisur sitzt so perfekt, als wäre er auf dem Weg zu einer Premiere.

Nach seiner Rückkehr findet Robin sein Anwesen zerstört vor. Der rücksichtslose Sheriff, der die Bürger von Nottingham ausnimmt, hat ihn für tot erklärt und seinen Besitz konfisziert. Noch schlimmer: Marian hat ihm über die Jahre nicht die Treue gehalten. Robin beobachtet, wie sie Will ("50 Shades Of Grey"-Star Jamie Dornan) küsst, den Anführer des Widerstands gegen den Sheriff und den korrupten Kardinal. Ob er seine große Liebe zurückgewinnen kann?

Weil alles in diesem Film schnell geht, fackelt Robin nicht lang. Er verbündet sich mit Yahya, der sich nun natürlich John nennt und ihn das Bogenschießen lehrt. Gemeinsam geht das Duo auf gewagte Raubzüge, um die Bank von England ärmer zu machen. Wegen seiner Kapuze (englisch: Hood) bekommt Robin, der unerkannt bleibt, vom Volk den Namen The Hood. Finanziell nun obenauf, mischt er sich unter die feine Gesellschaft und erschleicht sich die Gunst des Sheriffs, während er als Hood dessen bösartige Machenschaften sabotiert.

Korrupte Politiker, Fremdenfeindlichkeit, der selbstlose Kampf für Gerechtigkeit - mit diesen Themen sollte der Film wohl modern und relevant sein, doch er behandelt sie nur oberflächlich. Falls die Macher eine Botschaft rüberbringen wollten, hat sie hier die Qualität eines Facebookspruchs auf einem Sonnenuntergangsfoto. Viel schlimmer aber sind die unsägliche Optik und Kostüme, die sinnlosen wie langweiligen Actionszenen und die plattitüdenhaften Dialoge.

Die Macher hatten alles anders machen wollen als bei den vorherigen Filmen über den berühmten Dieb. Die Ironie ist, dass ihr "Robin Hood" nicht annähernd an die Vorgänger herankommt. Diesen glücklosen Murks können selbst die Stars Taron Egerton, der 2019 in einem Biopic als Elton John zu sehen sein wird, und Oscar-Gewinner Jamie Foxx nicht retten. Wer es dennoch bis zum Ende des Films schafft, stellt fest, dass er auf eine Fortsetzung ausgelegt ist. Ob es dazu kommt, ließ BAFTA-Gewinner Bathurst offen, der mit den TV-Serien "Peaky Blinders" und "Black Mirror" mehr Glück hatte. Aber sein "Robin Hood" klaut nicht nur Geld, er stiehlt zwei Stunden wertvolle Lebenszeit. (dpa)