Maria Stuart

Kinofilm erzählt Geschichte der schottischen Königin

„Maria Stuart, Königin von Schottland“ mit Saoirse Ronan in der Titelrolle erzählt die Geschichte eines Duells zweier starker Frauen. Margot Robbie spielt Elizabeth I.

Die irische Schauspielerin Saoirse Ronan hat einen einfachen Geschmack. Sie will immer nur das Beste – zumindest wenn es um Filmrollen geht. „I’ve always wanted to play the best character in any script. And that’s because we all do“, hat sie der Zeitung „The Times“ anvertraut. In der Ewan-McEwan-Verfilmung „Atonement“ („Abbitte“) 2007 war sie eine Sensation und wurde folgerichtig für einen Oscar nominiert. Da war Saoirse Ronan – die Engländer sprechen den Vornamen „Sair-sha“ aus – gerade einmal 13. Fünf Jahre später erhielt sie das Angebot, die Titelrolle in dem Film „Mary Queen of Scots“ zu spielen.

Es hat sechs Jahre gedauert, so läuft es manchmal im Filmgeschäft, aber jetzt kommt „Mary Queen of Scots“ (deutscher Titel: Maria Stuart, Königin von Schottland“) ins Kino. Es ist die im 16. Jahrhundert spielende Geschichte zweier starker Frauen, die beide den englischen Thron für sich beanspruchen. Elizabeth I. hält ihn besetzt, die nach dem Tod ihres Mannes François II. 1561 aus Frankreich zurückgekehrte Mary hält sich für die gottgewollte Besetzung der englischen Nummer eins. Es endet nicht gut für sie, wie die erste Szene im Jahr 1587 nahelegt. Mary auf dem Schafott bedeutet kein Happy End für die ehrgeizige junge Frau.

John Mathiesons Kamera nimmt erhabene schottische Landschaften auf, vor denen die Konflikte und wortreichen Auseinandersetzungen der Figuren fast schon trivial erscheinen könnten. Aber die handelnden Personen nehmen sich nun einmal ungeheuer wichtig, hier messen sich Egos in XXL. Das Fernduell der beiden Frauen entfaltet in Josie Rourkes Regie die Kraft eines intensiven Kammerspiels. Rourke, scheidende Chefin der Theaterbühne Donmar Warehouse in London, verwandelt das Drehbuch von Beau Willimon in Bilder, die gelegentlich aussehen wie von Rembrandt oder Vermeer gemalt. Die Dialoge hingegen spiegeln einen anderen, gegenwärtig anmutenden Einfluss. Hier wird Macht wie im Ton der amerikanischen Fernsehserie „House of Cards“ verhandelt. Kein Wunder, Willimon war der kreative Motor.

Ihn interessiert, wie Macht funktioniert, wie und warum Menschen sie begehren, gewinnen, festhalten – oder verlieren. Und wie sie von ihr verändert werden. Sie fühle sich mehr als Mann denn als Frau, gesteht die vom Thron gezeichnete Elizabeth I. (Margot Robbie) ihrer Rivalin bei einem – historisch nicht verbürgten – Treffen. Sie hat ähnlich wie Mary die Erfahrung gemacht, von einem Netzwerk missgünstiger, intriganter und grausamer Männer umgeben zu sein – „men lesser than ourselves“, wie Mary feststellt. Sie fühlt sich ihnen überlegen.

Regisseurin Rourke konstruiert wirkungsvolle Kontraste: England hier, Schottland dort. Hoch entwickeltes höfisches Leben auf der einen, rustikales aristokratisches Milieu auf der anderen Seite. Elizabeth I. erscheint vor allem als politischer Kopf, kühl und rational mit einer Spur berechtigter royaler Paranoia. Ihrer Position ordnet sie das Privatleben unter. Mary besitzt Verstand und mehr Sinnlichkeit als die kinderlose Elizabeth. Sie beschließt: „I shall be the woman she is not.“ Mutter will sie werden, und diesen Prozess begleitet die Kamera von der nicht unkomplizierten Zeugung bis zur Geburt. Ränke und kriegerische Auseinandersetzungen spielen eine Rolle, dafür empfiehlt sich ein Männerensemble, das alle Tonlagen beherrscht: verweichlicht, weibisch, verschlagen, herzlos, brutal und martialisch. David Tennant verkörpert den eifernden calvinistischen Reformer John Knox, der die seiner Ansicht nach unkeusche Katholikin Mary wie ein Irrer verfolgt: „Death to the whore!“

Die Essenz des Films jedoch liegt in inneren Vorgängen. Immer wieder konzentriert er sich auf die beiden, von Ronan und Robbie meisterhaft dargestellten Frauen, ihre Eigenheiten und ihre Gegensätze. Dazu gehört natürlich die Eifersucht. Elizabeth neidet der Konkurrentin ihre Schönheit, Tapferkeit – und Mutterschaft. Beim fiktiven, spannend inszenierten Treffen in einem Waschhaus kommen sich die Protagonistinnen nahe, ohne die Geschichte aufhalten zu können. Deine Gaben werden dich zugrunde richten, gibt Elizabeth Mary zu verstehen: „Your gifts are your downfall.“ Aber die virtuose Strategin Mary ist nicht fähig (oder willens), ihre Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Sie nimmt eher den eigenen Tod in Kauf, als den Kampf aufzugeben. Wenn du mich umbringst, teilt sie Elizabeth nonchalant mit, tötest du deine Schwester – „und du tötest deine Königin!“. Am Ende siegt Elizabeth. Ein Trost für Saoirse Ronan: Sie hat die beste Rolle des Films.