Komödie

"Frau Mutter Tier": Spielplatzhölle der Supermütter

Gitti (Annette Frier, r) und Tine (Kristin Suckow) im Mikrokosmos des Mutterdaseins.

Gitti (Annette Frier, r) und Tine (Kristin Suckow) im Mikrokosmos des Mutterdaseins.

18.03.2019 München. Wer wird die Supermutter? Um diesen Titel wetteifern unzählige Mütter. Ihre Waffen: Dinkelvollkornkekse, Apfelschnitze und fiese, kleine Seitenhiebe. Herrlicher Stoff für eine Komödie, wie "Frau Mutter Tier" mit Julia Jentsch beweist.

Willkommen auf dem Spielplatz, im Reich der Mütter. Eine behütete Welt aus Apfelschnitzen, Vollkorndinkelkeksen und Besserwisserinnen. Was nach außen wie eine Schicksalsgemeinschaft aussieht, ist aber oft die Hölle auf Erden.

Vollzeitmütter, Mütter mit Job und Supermamas prallen mit ihren Vorstellungen aufeinander. Dabei gibt es nur eine Maxime: Die anderen machen immer alles falsch. Einen unterhaltsamen Einblick in diesen Mikrokosmos gibt die Komödie "Frau Mutter Tier". Mit Julia Jentsch, Alexandra Helmig und Kristin Suckow wird das Mütterdasein zum Schlachtfeld, auf dem lächelnd und ganz subtil ziemlich schmerzhafte Seitenhiebe verteilt werden. Auch mit dabei: Annette Frier, Brigitte Hobmeier und Florian Karlheim.

Julia Jentsch ("Das Verschwinden") spielt Marie, die ihr Leben voll und ganz ihren beiden Kindern widmet. Mit einem kleinen Rechen harkt sie akribisch den Sandkasten nach Unrat durch, bevor ihre Kinder dort spielen dürfen. Danach fachsimpeln die Mütter. Welcher Kindergarten bietet die optimale Förderung für das hochbegabte Kind? Wer könnte welche Allergie haben? Und welches Essen ist richtig oder falsch?

Nela hat etwas andere Probleme. Sie will Karriere machen und glaubt, ihren Sohn verheimlichen zu müssen. Für permanent schlechtes Gewissen sorgt ihre Schwiegermutter, die fest überzeugt ist, dass Nela Mann und Kind vernachlässigt. Auch Tine hat zu kämpfen. Sie ist 22 und alleinerziehend, würde gerne ausgehen und Party machen. Stattdessen reibt sie sich auf zwischen Kind und Arbeit im Biosupermarkt.

Bissig und mit einem amüsanten Blick fürs Skurrile schildert Regisseurin Felicitas Darschin das Muttersein, das allzu oft bestimmt ist von übersteigerten Ansprüchen und dem Drang nach Perfektion. Oft ist es auch mehr Schein als Sein, etwa wenn Marie heimlich die eigentlich verpönten Baby-Gemüsegläschen kauft. Der Film spart auch die Schattenseiten nicht aus. So droht Marie an ihren eigenen Ansprüchen zu zerbrechen. Klar wird auch: Das perfekte Modell fürs Muttersein gibt es nicht. Doch zu dieser Erkenntnis haben viele Frauen noch einen weiten Weg vor sich und so bleibt der Spielplatz weiter ein Schlachtfeld der subtilen Kampfkunst. (dpa)