Tragikomödie

"Britt-Marie war hier": Rebellion einer Hausfrau

Britt-Marie (Pernilla August) beginnt ein neues Leben als Betreuerin in einem Jugendzentrum.

Britt-Marie (Pernilla August) beginnt ein neues Leben als Betreuerin in einem Jugendzentrum.

10.06.2019 München. Eine Hausfrau beginnt ein neues Leben als Betreuerin in einem Jugendzentrum. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Fußballmannschaft zu trainieren. Von dem Sport hat sie jedoch keine Ahnung.

Jahrzehntelang derselbe Trott: Um 6 Uhr aufstehen, dann putzen, einkaufen, kochen, und schon ist der Tag wieder vorbei. Darauf hat Britt-Marie eines Tages keine Lust mehr.

Als sie eine erschütternde Entdeckung macht, verlässt sie ihren Mann und startet ein neues Leben - als Betreuerin in einem Jugendzentrum. Dort muss sie auch die Fußballmannschaft trainieren, dabei hat die 63-Jährige davon keine Ahnung. Deshalb aufgeben? Auf keinen Fall. "Britt-Marie war hier" von Tuva Novotny ist eine wunderbare Tragikomödie mit leiser Ironie und trockenem Humor nach dem gleichnamigen Roman von Fredrik Backman ("Ein Mann namens Ove"). Es geht um den Mut, sich in ein neues Leben zu stürzen und alte Gewohnheiten loszulassen.

Pernilla August ("Swoon") spielt diese Britt-Marie großartig und verleiht ihr mit feiner Mimik eine unaufdringliche Beharrlichkeit. Eine Hausfrau, die in ihrer Routine und der lieblos gewordenen Ehe mit Kent (Peter Haber) erstarrt ist. Als sie ihre alten Gewohnheiten hinter sich lässt, blüht sie auf und ertappt sich sogar bei einem Lächeln. Der Polizist Sven (Anders Mossling) ist fasziniert. Die anderen im Dorf schätzen die neue Jugendleiterin ebenfalls, doch es gibt auch Zweifel. Seit Wochen träumen die Kinder von einem wichtigen Fußballturnier. Aber dass ausgerechnet Britt-Marie sie dafür fit machen kann, ist mehr als fraglich.

Das Liebenswerte an dem Film ist, dass er keine Triumphe feiert. Die Siege, um die es hier geht, sind klein. Aber eben doch Siege, weil sich jemand überwindet, etwas zu tun. Weil ein anderer endlich mal offen seine Meinung sagt. Oder weil Britt-Marie zu ihrer großen Verwunderung erkennt: Hier werde ich tatsächlich wahrgenommen! (dpa)