Politischer Liebesfilm

Berührendes Drama: "My Days of Mercy"

Lucy (Ellen Page) protestiert vor Gefängnissen gegen die Todesstrafe.

Lucy (Ellen Page) protestiert vor Gefängnissen gegen die Todesstrafe.

08.07.2019 Berlin. Drei Geschwister kämpfen um das Leben ihres Vaters, der in den USA hinter Gittern sitzt. Ihm droht die Todesstrafe. Als Aktivisten fordern sie auf Demos deren Abschaffung. Dann verliebt sich Lucy - eine Liebe, die nicht sein darf.

Diese Liebesbeziehung folgt dem Prinzip: darf nicht sein und kommt doch zustande. So wie es zum Beispiel bei Romeo und Julia war - wenn verfeindete Familien im Spiel sind.

In "My Days of Mercy" entwickelt sich die Liebe zwischen zwei verhärteten Fronten auf den Vorplätzen von Gefängnissen. Gegner und Befürworter der Todesstrafe stehen sich verhasst gegenüber - und zwei Frauen aus dem jeweiligen Lager finden hier zueinander.

Es sind Lucy und Mercy, gespielt von Ellen Page ("The Umbrella Academy", "To Rome with love") und Kate Mara ("House of Cards"). Regisseurin Tali Shalom-Ezer gelingt eine berührende Kombination aus Drama und Liebesfilm.

Lucy ist eine junge Frau mit braunen, halblangen Haaren. Sie trägt ein graues T-Shirt, auf dem das Wort Todesstrafe rot durchgestrichen steht. Sie hat einen kleinen Bruder und eine große Schwester. Gemeinsam fahren sie mit einem alten Wohnmobil regelmäßig los, um vor Gefängnissen gegen die Todesstrafe zu protestieren. Sie sind aber nicht einfach nur Aktivisten. Das Ganze betrifft sie selbst: Ihr Vater sitzt im Gefängnis. Ihm droht die Todesstrafe, weil er seine eigene Frau umgebracht haben soll.

Dieses politische Thema wird immer wieder mit schneidender Sachlichkeit im Film gezeigt. Ein Plastiktablett mit Plastikbesteck - von oben gefilmt. Auf dem Teller: Spiegeleier mit Speck, Kaffee, Würstchen, Pancakes. Daneben erscheint eine Schrift: Ein Gefängnis in Kentucky, der Name eines Mannes und der Vorwurf gegen ihn, einen Polizisten getötet zu haben. Darunter: Giftspritze. Solche Einschübe kommen immer wieder. Einmal ist eine Pizza mit Cola zu sehen und wieder ein anderer Name. Die letzte Mahlzeit.

Die Demonstranten stehen sich vor den Gefängnissen gegenüber. Die einen fordern "Gerechtigkeit für die Opfer", die anderen sind gegen die Todesstrafe. Am Abend vor der Hinrichtung des Häftlings, der den Polizisten getötet haben soll, treffen Mercy und Lucy aus den jeweiligen Lagern zwischen den Wohnmobil-Camps aufeinander. Mercys Vater war 16 Jahre lang der Kollege des Getöteten. Schon hier beginnt die Sache schwierig zu werden - Schwarz und Weiß weichen auf. Lucy blickt auf den Boden und sagt: "Das tut mir leid für euch."

Die beiden Frauen sind unterschiedlich. Lucy ist sarkastisch und eher verschlossen. Mercy arbeitet in einer Anwaltskanzlei und strahlt etwas Positives aus. Trotz der Unterschiede kommen sie sich näher - was die ohnehin schon komplizierte Situation nicht vereinfacht. Ihre Leben scheinen unvereinbar miteinander zu sein. Gerade auf Lucy lastet immer ein enormer Druck. Denn der Zeitpunkt der drohenden Hinrichtung ihres Vaters rückt näher.

Dabei steht aber nicht die gesellschaftspolitische Debatte mit ihren Argumenten Pro und Contra im Vordergrund, sondern die Beziehung der beiden Frauen. So nähert sich der Film seinem Thema über die persönliche Betroffenheit von Mercy und Lucy: Jede von ihnen ist durch das eigene Schicksal mit der Todesstrafe konfrontiert worden und muss nun durch die Beziehung mit der Gegenseite auseinandersetzen.

My Days of Mercy, Großbritannien/USA 2017, 108 Min., FSK ab 12, von Tali Shalom-Ezer, mit Ellen Page, Kate Mara, Amy Seimetz, Elias Koteas (dpa)