Thriller von Luc Besson

"Anna" sorgt für ein Déjà-vu im Kino

Sasha Luss spielt die russische Auftragsmörderin Anna, die zur Tarnung als Supermodel arbeitet.

Sasha Luss spielt die russische Auftragsmörderin Anna, die zur Tarnung als Supermodel arbeitet.

15.07.2019 London. Sie ist jung, bildschön und tödlich. Der neue Actionthriller des französischen Regisseurs Luc Besson handelt von einer russischen Auftragsmörderin, die zur Tarnung als Supermodel arbeitet. Vieles in dem Film erinnert an frühere Werke von Besson.

Auftragsmörder liegen Luc Besson. Zwei der größten Filmerfolge des französischen Regisseurs drehen sich um tragische Helden, die dem tödlichen Beruf nachgehen. Erst versuchte "Nikita" zwischen Mordaufträgen ein normales Leben mit ihrem ahnungslosen Freund zu führen.

Ein paar Jahre später kümmerte sich der warmherzige "Léon - Der Profi" rührend um das Waisenmädchen Mathilda. Anfang der 90er Jahre schuf Besson mit den beiden Filmen echte Kinomagie. Nun schickt er in seinem neuen Thriller "Anna" eine junge, russische Auftragsmörderin zwischen die Fronten des Kalten Krieges.

Moskau in den späten 80er Jahren: Die bildhübsche Russin Anna (Sasha Luss) wird von ihrem gewalttätigen und drogenabhängigen Freund ungewollt in einen Raubüberfall und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei verwickelt, die für sie zwar glimpflich ausgeht. Kurz darauf bekommt die junge Frau jedoch Besuch von einem Agenten des russischen Geheimdienstes KGB (Luke Evans). Agent Alex stellt Anna vor die Wahl: Entweder sie arbeitet als Killer für den KGB, oder sie stirbt.

Die Idee erinnert stark an "Nikita". In Bessons Drama von 1990 erschießt eine junge Frau im Drogenrausch einen Polizisten und wird danach vor die Wahl gestellt: die Todesstrafe oder ein neues Leben als Berufsmörderin. Genau wie Nikita wählt auch Anna widerwillig den neuen Job. Unter der Anleitung von Alex und der eiskalten KGB-Agentin Olga (Helen Mirren) tötet sie unzählige Menschen, während sie offiziell als Supermodel für eine französische Agentur arbeitet.

US-Agent Leonard Miller (super: Cillian Murphy) und die amerikanische CIA sind ihr bald auf den Fersen. Was Annas ungewolltes Agentenleben noch komplizierter macht: Sie unterhält gleichzeitig eine Romanze mit ihrem KGB-Kollegen Alex und eine lesbische Liebesbeziehung zu ihrer Mitbewohnerin Maud (Lera Abova), die vom Doppelleben ihrer Geliebten keine Ahnung hat. Anna will den deprimierenden Job am liebsten hinter sich lassen. Doch der KGB akzeptiert keine Kündigungen.

Besson inszeniert Annas tödliche Einsätze als gewalttätiges, perfekt choreographiertes Ballett - im Wechsel mit kurzen Sexszenen. Bessons langjähriger Kameramann Thierry Arbogast liefert starke Bilder, sein Haus- und Hofkomponist Eric Serra einen tollen Soundtrack. Das ist nett anzusehen, wenn auch in einigen Szenen (Stichwort: Gabel) sehr brutal und dank der flotten Musik fast schon gewaltverherrlichend.

Sasha Luss in der Hauptrolle ist die Entdeckung des Films. Die im Kino noch ziemlich unbekannte, gebürtige Russin war zuvor tatsächlich Supermodel. In der Tradition tougher Frauen früherer Besson-Filme, darunter Anne Parillaud ("Nikita"), Milla Jovovich ("Das fünfte Element") oder Scarlett Johansson ("Lucy"), zeigt sie als unglücklicher Todesengel Anna eine starke Vorstellung. Oscar-Gewinnerin Helen Mirren ("Die Queen") erscheint als Olga eher comic-haft, was durchaus unterhaltsam ist.

Der Film "Anna" wirkt nicht so stylish wie "Nikita" oder "Léon". Das ist wohl auch der Nostalgie geschuldet, die Bessons Klassiker der 90er Jahre inzwischen umgibt. Auch in Sachen Handlung und Dramaturgie reicht der neue Thriller keinesfalls an die alten Kultfilme heran. Dafür ist er trotz vieler Wendungen und Zeitsprünge zu vorhersehbar und birgt zu viele Hollywood-Klischees.

Und vieles kommt einem eben auch bekannt vor - nicht nur aus Bessons eigenen Werken, sondern auch aus dem thematisch ähnlichen "Red Sparrow" mit Jennifer Lawrence. Der US-Thriller aus dem vergangenen Jahr war realistischer und überzeugender als "Anna". Sieht man von solchen Vergleichen und dem Déjà-vu-Erlebnis ab, bietet Luc Bessons neuer Film immerhin zwei Stunden kurzweilige Kinounterhaltung. (dpa)