Neue Lokale in der Innenstadt

So steht es um die Bar- und Kneipenkultur in Bonn

Laut einer Umfrage hält jeder Zehnte in Deutschland Zechprellerei für ein Kavaliersdelikt.

Auch wenn einige Traditionskneien weichen mussten, gibt es in Bonn spannende Alternativen.

Bonn. Immer wieder beklagen junge Bonner das Bar- und Kneipensterben in der Stadt. Dabei ist mit einigen neuen Lokalen in den letzten beiden Jahren ein Stück Großstadt-Flair eingezogen. Ein Überblick über neue Läden und alte Hürden für Gastronomen.

Schon wieder schließt eine Kneipe in Bonn - diese Nachricht hat die Bonner in den letzten Jahren nicht selten erschüttert. Dann blutet das Herz eines jeden leidenschaftlichen Kneipengängers, der sich jeden Freitag zum Feierabendbier mit Kollegen und Freunden in der Stammkneipe getroffen hat. Die Trennung fällt schwer und für's Erste lässt sich der Lieblingsladen wohl kaum ersetzen. Aber es gibt Alternativen. Gerade für Jüngere, die sich neben den gemütlichen Traditionskneipen auch ein bisschen Großstadtflair in der Bundesstadt wünschen, haben sich in den letzten Jahren einige spannende Lokale in die Bonner Gastro-Szene eingereiht.

Da wäre zum Beispiel das 2016 eröffnete The Old Jacob. Wie der Name schon verrät, geht es hier "very british" zu. Das Konzept spiegelt sich nicht nur in der stilvollen Einrichtung, sondern auch in der hohen Qualität der Getränke und der entsprechenden Preisklasse wider.

Als klassische Studentenkneipe wollten die Betreiber Sue und Sembo Amirpour ihr Lokal bewusst nicht durchgehen lassen. Bei ihnen gilt das Credo: "Quality first", also: "Qualität steht an erster Stelle". Statt Billigfusel mischen die jungen Bartender in ihre Getränke daher nur Alkoholika von hochwertigen Marken. Die Preise für Cocktails bewegen sich entsprechend zwischen neun und 14 Euro. Davon ließen sich vor allem junge Leute mit einem gefüllten Geldbeutel anziehen, meint Holger Böckmann, der den Blog "We love Pubs" betreibt. Hier gibt er einen Überblick über die Bonner Bar- und Kneipenkultur und zeigt, was sich in der Szene tut.

Im gleichen Jahr haben Sue und Sembo Amirpour auch ihre Bar The Oxford mit einem ähnlichen Konzept wie The Old Jacob eröffnet. The Oxford hat seit dem 27. Januar geschlossen. Derzeit stecken die Inhaber noch im Umbau, am 16. März soll es dann unter dem Namen "Jacob's Playground" mit neuem Anstrich und Konzept weitergehen.

Bar mit Ausblick im UN-Viertel

Noch etwas gehobener - und das im wahrsten Sinne des Wortes - geht es in Konrad's Skybar auf der 17. Etage des 2016 eröffneten Bonn Marriott World Conference Hotel im UN-Viertel zu. Die Cocktailpreise von 14 bis 15 Euro liegen für das studentische Portemonnaie in schwindelerregenden Höhen. Allerdings sollen diese auch hier mit der hohen Qualität der exotischen Getränke zusammenhängen. Ein frisches Bier aus altbekannten Brauereien oder ein guter Wein finden sich hier aber auch auf der Getränkekarte.

In einem Punkt steht Konrad's Skybar wohl nur dem Posttower und dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen in Bonn nach: der Aussicht. Eine umlaufende Fensterfront bietet einen beeindruckenden Ausblick auf den Rhein, das Stadtgebiet und das Siebengebirge. Bei klarer Sicht soll man sogar den Kölner Dom sehen können. Das Besucherspektrum setzt sich daher nicht nur aus den internationalen Gästen des UN-Viertels zusammen, auch Bonner kommen gern hierher.

Bonner Barkultur ist ausbaufähig

Man könnte meinen, dass das Gästespektrum der 2017 eröffneten Siegfried Bar im Bonner Musikerviertel doch noch eine Spur exklusiver ausfällt. Das liegt nicht nur am Konzept, sondern auch an den Öffnungszeiten. Offiziell nennt sich das Ganze "Rheinland Distillers Büro & Bar". Richtig gelesen: Hier findet man Bar und Büro in einem. Ihre Pforten öffnen die Geschäftsführer Raphael Vollmar und Gerald Koenen allerdings nur donnerstags von 18 bis 24 Uhr.

Wie Raphael Vollmar auf Anfrage erklärt, gibt es bei ihnen aber keine "Door Policy", es wird also niemand aufgrund seines Alters oder Aussehens abgewiesen. Vielmehr ergebe sich "eine erstaunliche Zusammensetzung beim Publikum", so Vollmar, das sich aus wenigen Stammgästen und vielen, wöchentlich wechselnden Neuankömmlingen speist. Von 18 bis 80 Jahren sei alles dabei.

Mit dem Namen Siegfried sind Vollmar und Koenen weniger durch ihre Bar, sondern hauptsächlich durch die Entwicklung des ersten Bonner Gins bekannt geworden, dem Siegfried Rheinland Dry Gin. Mit dem Bedarf an Büroräumen wuchs gleichzeitig die Idee, den Kunden noch anders als über die üblichen Vertriebswege an die eigene Marke zu binden. Eine Bar sei da natürlich naheliegend gewesen, meint Vollmar. Dementsprechend gestaltet sich auch die Getränkekarte: Hauptsächlich werden verschiedene Variationen des Gin & Tonic angeboten, daneben ein paar Cocktails, Wein und Craft Beer. Die Preise liegen zwischen neun und 14 Euro.

Eine Bar sei "ein Ort der Kommunikation und Begegnung", was sich auch für geschäftliche Besprechungen anbiete, erklärt Vollmar. Ihre Bar sehen Vollmar und Koenen eher als "hobby-gastronomische Tätigkeit". Sie wollten damit nicht in Konkurrenz zu den Bonner Vollgastronomen treten. Von Anfang an kooperierten sie mit Sembo Amirpour, dem Betreiber von The Old Jacob. Er steht jeden Donnerstag in der Siegfried Bar hinter der Theke.

Vollmar ist überzeugt: "Der Bonner verträgt locker noch drei Bars, die jeden Tag geöffnet haben." Für inhabergeführte Bars wie die der Amirpours oder die Siegfried Bar gebe es in der hiesigen Gastro-Szene reichlich Potenzial. "Die Barkultur ist in Bonn nicht angekommen", meint Vollmar. Besonders in den vielen "young professionals", den Mitarbeitern der UN und anderer internationaler Organisationen, die nach Bonn kommen, sieht Vollmar potenzielle Bar- und Kneipengänger. Ähnlich beurteilt das auch Holger Böckmann von "We love Pubs". Bars, die auf Qualität und stilvolles Innendesign setzen und zudem regionale Produkte anbieten, würden in Bonn gut angenommen, ist er überzeugt. "Für die Größe der Stadt steht Bonns Barszene aber gut da", meint Böckmann.

Neue Lokale in der Altstadt

Für Studenten mit einem kleineren Budget sei das Angebot indes dünner geworden. Vor allem in der Südstadt seien die Studentenkneipen verdrängt worden, hat Böckmann in den vergangenen Jahren beobachtet. In der Altstadt tut sich hingegen noch etwas. Im ehemaligen Billa-Bonn in der Breite Straße ist Ende Oktober 2017 das Steinbeck eingezogen. Die Mischung aus Bar und Kneipe im individuellen Industrie-Look spricht mit seinem breiten Getränkeangebot junge, studentische Gäste an. Ganze 14 Gin-Sorten sowie eine umfangreiche Whisky- und Bierauswahl sollen dazu beitragen. Fußball-Fans können hier auch Spiele über Sky verfolgen.

Im Dezember 2017 hat in Altstadtnähe zudem das Café Frida seine ersten Gäste begrüßt. Der Name verschleiert, dass es sich hierbei auch um eine Bar handelt. Immerhin hat das nach der Künstlerin Frida Kahlo benannte und dekorierte Café bis 24 Uhr geöffnet. Es will vor allem mit regionalen Produkten punkten, weshalb sich unter den Bieren zum Beispiel das Craft Beer der Bonner Marke Ale Mania findet.

Viele der übrigen Getränke und Speisen laufen unter Bio-Marken oder sind entsprechend zubereitet. Mit ihrer Produktauswahl richten sich die Betreiber nach dem wachsenden Interesse an veganen und vegetarischen Produkten. Viel Mühe wurde zudem in die kreative und bunte Inneneinrichtung gesteckt, die eine "Mischung aus klassischem Café und cooler Bar" unterstützt, schreibt Holger Böckmann auf seinem Blog.

Große Hürden für Gastronomen in Bonn

Und was tut sich sonst in der Szene? Das Billa-Bonn öffnet bald erneut in der Altstadt seine Pforten. An Ostern soll es in der Wolfstraße im ehemaligen Chimära soweit sein, erklärt Böckmann. Die Filiale in der Rheingasse schließe demnach in Kürze. Ansonsten seien die Hürden für Gastronomen, ein neues Lokal in Bonn zu eröffnen, sehr hoch, urteilt Böckmann. Die Umwidmung von Flächen, auf denen sich zuvor kein gastronomischer Betrieb befand, sei kostspielig und bürokratisch aufwändig. Gerade Gründer von kleinen Bars hätten es daher schwierig.

Auch der Nichtraucherschutz stelle ein bislang ungelöstes Problem dar, weil die Gäste zum Rauchen nach draußen gingen und es zu Lärmbeschwerden von Anwohnern komme. Böckmann sieht in diesen Punkten Nachholbedarf bei der Stadt. Es müssten Abmachungen zwischen Anwohnern und den Lokalen getroffen werden, denn die Bestimmungen der üblichen Sperrstunde von 22 Uhr seien in Innenstädten, in denen sich Ausgehviertel und Wohngebiete überschneiden, schwierig einzuhalten.

Kennen Sie noch weitere Kneipen, die in den vergangenen Monaten in Bonn eröffnet haben? Schicken Sie uns eine E-Mail an online@ga-bonn.de.