Gourmet Festivals

Appetit auf Entdeckungen

Bonn. Mit dem neuen Jahr beginnt auch wieder die Saison der Gourmet Festivals. Köche und Winzer aus Deutschland und dem Rest der Welt bewirten Gäste im Rheingau, in der Eifel oder auf Sylt.

Die Gourmets zu gewinnen ist die eine Sache, den passenden Zeitraum dafür zu finden die andere. Oliver Röder, Chef de cuisine in Bembergs Häuschen auf der Burg Flamersheim, hat seinen Kalender umgestellt. Zusammen mit Hausherr Johannes von Bemberg präsentierte Röder als Veranstalter des Eifel Gourmet Festivals sein Programm in den Vorjahren vor Ostern; mit der vierten Ausgabe ist er jetzt in die Aprilmitte umgezogen. „Zum alten Termin waren viele unserer potenziellen Gäste noch im Skiurlaub oder in der Fastenzeit“, erklärt Röder den notwendigen Schritt. „Das Festival ist jedes Jahr gewachsen, es gibt sehr viele kulinarisch interessierte Menschen.“

Das fünftägige Programm vom 12. bis zum 16. April 2018 auf Burg Flamersheim bietet anregende Entdeckungsreisen vor wildromantischer Kulisse. Los geht es am Eröffnungstag mit dem „Chef’s Table“, ein auf 16 Teilnehmer beschränktes, besonderes Leckerli. Die Gäste sind direkt um einen kleinen, feinen Küchenblock positioniert: „Man ist mittendrin statt nur dabei“, kündigt Oliver Röder an. „Die Gäste gucken mir hautnah beim Kochen zu.“

„Der perfekte Sonntag“ (Programmtitel) fährt vier Köche auf, die sich auf einem Genussmarkt unter die Gäste mischen. Das Publikum bewegt sich locker durch die Stände und Küchenstationen, Live-Bands unterhalten mit ihrer Musik. „Die Gäste werden durch die Landlust flanieren“, so der Veranstalter.

Am Finaltag schließlich geben sich gleich sechs Köche aus der Region den Kochlöffel in die Hand, darunter Julia Komp vom Schloss Loersfeld in Kerpen, die 2016 im Alter von 27 Jahren zu Deutschlands jüngster Sterneköchin gekürt worden ist. Hinzu kommen sieben Winzer sowie ein Brenner. „Die Köche, die zu uns kommen, sind allesamt Freunde – wir begegnen uns in lockerer Atmosphäre“, erklärt Röder den Spirit der Veranstaltung. „Die Eifel gewinnt immer mehr an Bedeutung, und das Gourmet Festival gehört dazu.“

Im Hotel Kronenschlösschen in Eltville-Hattenheim hat man die 22. Ausgabe des Rheingau Gourmet Festivals (22. Februar bis 11. März 2018) schon fest im Blick. Geschäftsführer Hans B. Ullrich, der das Festival vor mehr als zwei Jahrzehnten aus der Taufe hob, skizziert den Leitfaden: „Absolute Top-Köche, absolute Top-Winzer und Top-Châteaus.“ Wichtig ist ihm, den Anteil der jungen Zwei-Sterne-Köche in den Vordergrund zu stellen – etwa Thomas Martin (Louis C. Jacob, Hamburg) oder Tristan Brandt (Opus V, Mannheim).

Was das Rheingau Gourmet Festival seit langem auszeichnet, ist das sichere Gespür für Entwicklungen. „Wir nehmen nicht nur Trends auf, sondern wir setzen Trends“, formuliert der Programmleiter selbstbewusst. Als ein Beispiel nennt er die skandinavische Küche: „Wir haben bereits sehr früh damit begonnen, skandinavische Köche einzuladen. Heute schwärmt die ganze Welt davon und ist begeistert.“

Ullrich verweist außerdem auf den kalifornischen Starkoch Thomas Keller, der in den frühen 1980er Jahren nach Frankreich kam und später auf Platz eins der Koch-Weltrangliste landete. „Thomas Keller war bei unserem allerersten Festival dabei und kam insgesamt fünf Mal zu uns“, erzählt Hans B. Ullrich. „Mich haben seine Ideen fasziniert. Ein außergewöhnlicher Typ, ein Autodidakt.“

Eine weitere Zutat im Erfolgsrezept des Rheingau Gourmet Festivals in Eltville ist neben der Entdeckung herausragender Talente die Internationalität. „Wir hatten und haben immer viele exotische Chefs in unserem Programm, weil es für unsere Kunden spannend ist, raffinierte Küchentechniken aus aller Welt kennen zu lernen“, beschreibt Ullrich. Persönlichkeiten aus Spitzenhäusern weltweit sind bei der bevorstehenden Ausgabe des Festivals etwa Marc Fosh (Simply Fosh, Palma de Mallorca), Reuben Riffel (Reuben’s Franschhoek, Kapstadt), Vineet Bhatia (Vineet Bhatia, London) oder Anuraag Ramkalawon (Hotel Essque Zalu, Sansibar).

Zu den namhaften Winzern, die während des Festivals persönlich ihre Weingüter präsentieren, gehören zum Beispiel Barbara Banke (Jackson Family Wines), der 47 Weingüter auf vier Kontinenten gehören, Eline Aloy und Thomas de Decker (Avignonesi), Michael Gross (Südsteiermark) und Maria Anibarro Mazariegos (Losada).

Dass sich das Festival zu einem Dauerbrenner seit mehr als 20 Jahren entwickelt hat, ist nach Ansicht von Geschäftsführer und Gründer Hans B. Ullrich vor allem zwei Gründen zuzuschreiben. „Da ist zum einen die Treue der Gäste, aber auch der Köche. Nehmen Sie etwa Harald Wohlfahrt, der 20 Mal dabei war, und dessen Abende immer als erstes vom ganzen Programm ausverkauft waren. Zum anderen gibt es geradezu eine Gier danach, etwas Neues, Spektakuläres zu erleben.“

Nicht zuletzt komme eine professionelle, umfassende Logistik hinzu. „Was viele unserer Gastköche oftmals unterschätzen, sind unsere Einkaufsmöglichkeiten in Deutschland“, erläutert Ullrich. Wenn ein Koch nicht nur zehn verschiedene Kräuter benötige, sondern 40, „dann bekommt er sie“.

Ein chilenischer Starkoch habe einmal einen ganz speziellen Stein geordert, allerdings nicht bloß einen, sondern gleich 100 Stück. Kein allzu großes Problem für Ullrich und sein Team: Der Maître bekam seine 100 Steine.