GA-Wandertag

Schloss Birlinghoven - die Liebeslaube des Kommerzienrats

SANKT AUGUSTIN.  Beim Stichwort "Schloss" denken wir unwillkürlich an Hochadel und barocke Prachtentfaltung, an Versailles und den Sonnenkönig, an Augustusburg und den Kölner Kurfürsten.
Der Grüne Saal: Eigens für die Teilnehmer des GA-Wandertages hat der Hausherr, das Fraunhofer-Institutszentrum, Schloss Birlinghoven zur Besichtigung freigegeben. Foto: Fraunhofer

Das idyllisch im Wald gelegene Schloss Birlinghoven, Heimat des gleichnamigen Fraunhofer-Institutszentrums sowie Start und Ziel des GA-Wandertages am Sonntag, 2. September, wurde jedoch erst 1901 bis 1903 gebaut - im Stil alter Schlösser, wenn auch zwei Nummern kleiner.

Die Kölner Unternehmerfamilie Rautenstrauch ließ es bauen, um ihren Wohlstand zu demonstrieren, den sie über Generationen mit dem Handel von Tierhäuten und Leder erworben hatte. Die markanten roten Steine wurden sogar eigens aus England herbeigeschafft.

Ein Spross der Rautenstrauch-Familie, der Naturwissenschaftler und Weltreisende Wilhelm Joest (1852-1897), legte mit seiner ethnologischen Sammlung den Grundstock für das spätere Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum.

Theodor Damian Rautenstrauch, vom letzten deutschen Kaiser in den Adelsstand erhoben, hatte nicht lange Freude an seinem Neubau oberhalb des Pleistals: Er starb 21. Mai 1907 im Alter von nur 34 Jahren.

Sein Bruder Eugen, der den Besitz erbte, nutzte Schloss Birlinghoven noch eine Weile und verkaufte es 1916 an den Kölner Bankier und Geheimen Kommerzienrat Dr. Louis Hagen, der es (erstmals in seiner Geschichte) auch ständig bewohnte. Der Geheime Kommerzienrat war ein politischer Querkopf, der nach Ende des Ersten Weltkriegs und des Kaiserreichs von einer autonomen Republik Rheinland mit eigener Währung träumte (wie zeitweise auch sein Freund, der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer), zum anderen war Louis Hagen ein Lebemann, der viel Geld in schöne Frauen und in sein unstetes Liebesleben investierte.

Nach seinem Tod 1932 erbte seine Tochter Elisabeth von Wrede das Schloss. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es von der Wehrmacht, anschließend von den Alliierten beschlagnahmt und diente als britischer Offiziersclub der in Porz-Wahn stationierten Royal Air Force. 1959 kaufte die Deutsche Shell AG das Anwesen und stellte einige Neubauten auf das weitläufige Grundstück. Seit 1968 sind Schloss, Neubauten und Grundstück im Besitz der Bundesrepublik Deutschland. Zunächst wurde dort die GMD (Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung) angesiedelt, die später in der Fraunhofer Gesellschaft aufging.

Das Fraunhofer-Institutszentrum Schloss Birlinghoven in Sankt Augustin ist einer der großen Forschungsstandorte für Informatik und Mathematik in Deutschland: Rund 500 Wissenschaftler (Informatiker, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, Psychologen und Ingenieure), verteilt auf drei Institute, erforschen und entwickeln auf dem Campus anwendungsnahe Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Entsprechend vielfältig sind die Themenschwerpunkte der drei Institute:

  • Das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) entwickelt Systeme zur Analyse, Erschließung und zielgerichteten Nutzung von großen Datenmengen, neue Medientechnologien sowie Lösungen für innovative Unternehmens- und Sicherheitsprozesse. Zum Beispiel analysiert eine Software die Tonspuren von Videoclips und macht die Inhalte von Fernsehsendungen online durchsuchbar.
     
  • Das Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI): Partner der Wirtschaft bei Computersimulation, Optimierung und Informationsextraktion aus großen Datenbeständen. SCAI modelliert und optimiert industrielle Anwendungen, entwickelt Software und Services für Produktentwurf, -entwicklung und Produktion. Die Ziele: kürzere Entwicklungszeiten, kostengünstigere Experimente und optimierte Verfahrensabläufe.
     
  • Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) entwickelt Informations- und Kooperationssysteme, die eine Zusammenarbeit auch über Organisationsgrenzen hinweg erleichtern. Weitere Forschungsthemen: die benutzerfreundliche Gestaltung von Diensten und Produkten sowie Lösungen im Bereich Life Science zur Wirkstoffforschung und Medikamentenentwicklung.

Startkarten

Startkarten für den 35. GA-Wandertag gibt es zum ermäßigten Vorverkaufspreis von drei Euro für Jugendliche und 3,50 Euro für Erwachsene in den Geschäftsstellen des General-Anzeigers. Die neue Familienkarte kostet neun Euro und gilt für maximal zwei Erwachsene und beliebig viele Kinder.

Vorverkaufsstellen:

  • Bonn, Bottlerplatz 7, Mo. bis Fr. 9 bis 18 Uhr, Sa. 10-14 Uhr.
  • Bad Godesberg, Koblenzer Str. 61, Mo. bis Fr. 9-17 Uhr, Sa. 9-13 Uhr.
  • Siegburg, Markt 45 a, Mo. bis Fr. 9-17 Uhr, Sa. 9-13 Uhr.
  • Bad Honnef, Hauptstraße 38 d, Mo. bis Fr. 9.30 - 13, 13.30 - 17 Uhr
  • Ahrweiler, Bossardstraße 1-3, Mo. bis Fr. 9.30 - 13 und 13.30 - 17 Uhr.
  • Beuel: GA-Agentur Struck, Friedrich-Breuer Straße 50, Mo. bis Fr. 8.30 -18.30 Uhr, Sa. 8.30-14 Uhr.
Abo-Bestellung

Bus-Shuttle-Service

  • Bonn, Bertha-von-Suttner-Platz (vor Bäckerei Kamps): 8 bis 10.15 Uhr
  • Bad Godesberg, Stadthalle: 8.00 Uhr (Achtung: Nur diese Fahrt mit mehreren Bussen)
  • Siegburg, Wilhelmstraße, Busbahnhof: 8.15 bis 10.30 Uhr
  • P&R-Parkplatz Rewe-Markt, Siegburg-Stallberg: 8.30 - 10.45 Uhr
  • Rückfahrt zu allen Ausgangsstellen ab 13.30 Uhr.
    Letzte Busse 18.00 Uhr

Wandertipps

  • Ausreichend Sonnen- und Mückenschutz
  • Gutes und bequemes Schuhwerk
  • Ausreichend trinken