"Geht dahin, wo die Männer sind": Gehaltstipps für Frauen

Berlin.  22 Prozent verdienen Frauen im Schnitt pro Stunde weniger als Männer. Viel erklären strukturelle Gründe: Frauen arbeiten etwa häufiger in Teilzeit. Trotzdem bleibt eine Lücke, das "Gender Pay Gap". Daran kann die Einzelne nicht viel machen - oder?
Offensiveres Auftreten: Ein Grund, warum Männer mehr verdienen, ist, dass sie in Gehaltsgesprächen besser verhandeln als Frauen. Foto: Andrea Warnecke
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Offensiveres Auftreten: Ein Grund, warum Männer mehr verdienen, ist, dass sie in Gehaltsgesprächen besser verhandeln als Frauen. Foto: Andrea Warnecke Foto: DPA

Bei der Gehaltsabrechnung gibt es keine Geschlechtergleichheit: Frauen verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als Männer. "Seit Jahren ändert sich daran nichts", sagt Prof. Sonja Bischoff. Die Betriebswirtschaftlerin aus Hamburg forscht seit den 80er Jahren zum Thema. Und manches kann die einzelne auch gar nicht ändern. Aber es gibt für Frauen dennoch einige Tipps, die helfen können, beim Gehalt mit den Männern gleichzuziehen.

Am 21. März ist in Deutschland zum sechsten Mal "Equal Pay Day". Den Aktionstag für Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen gibt es seit 2008. Am Dienstag (19. März) veröffentlichte das Bundesamt für Statistik neue Zahlen zur Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Sie liegt 2012 wie in den Vorjahren bei 22 Prozent. Etwa zwei Drittel der Lücke erklären die Statistiker mit strukturellen Gründen: Frauen arbeiten eher in schlechter bezahlten Berufen und im Schnitt auf niedrigeren Karrierestufen. Das letzte Drittel der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern lässt sich damit jedoch nicht erklären. Bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen im Schnitt immer noch 7 Prozent weniger als Männer. Hier einige Tipps, das zu ändern:

Gehen Sie dahin, wo die Männer sind: Um viel zu verdienen, sollten Frauen sich in eher männlich dominierten Berufen umsehen, rät Bischoff. Der Grund: Das Lohnniveau sei dort von vorneherein höher als in Berufen, in denen Frauen dominieren.

Einstiegsgehalt: "Frauen sollten bei ihrem ersten Job keine Kompromisse machen", sagt Prof. Bischoff. Denn wie viel sie in den kommenden Jahren verdienen, hänge immer auch von der Höhe des Einstiegsgehalts ab. "Was ich am Anfang nicht bekomme, gibt es später nie mehr." Statt den erstbesten Job zu nehmen, rät Bischoff, in Ruhe den Markt zu sondieren - und zur Not auch eine kurze Phase der Sucharbeitslosigkeit auszuhalten. Denn wer zu niedrig einsteigt, kann das in den Jahren darauf kaum wettmachen. "Große Gehaltssprünge sind später eher die Ausnahme", sagt die Expertin.

Alle zwei Jahre nachverhandeln: "Mindestens alle zwei Jahre sollten Frauen beim Gehalt nachverhandeln", empfiehlt Bischoff. Der richtige Zeitpunkt dafür seien die jährlichen Feedback-Gespräche.

Variable Gehaltsbestandteile vereinbaren: Frauen können ihr Gehalt steigern, wenn sie mit dem Arbeitgeber Leistungs- und Erfolgsprämien vereinbaren. "Unsere Studien zeigen, dass sie damit deutlich mehr verdienen als mit einem festen Gehalt", sagt Bischoff. Vielen Frauen fehle es in dieser Hinsicht jedoch an Risikofreude. Ihr Rat: Sich zu trauen, lohnt sich.

Dritthöchster Lohnunterschied in EU

Deutschland steht bei den Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen im EU-Vergleich an drittletzter Stelle. Nach einer Erhebung des EU-Statistikamtes Eurostat für 2011 waren die unbereinigten Lohnabweichungen nur in Estland (27,3 Prozent) und Österreich (23,7) höher als in der Bundesrepublik (22,2).

Hingegen lagen in Slowenien, Polen, Italien und Luxemburg die Einkommensunterschiede bei weniger als 10 Prozent. Laut Eurostat hat sich in Deutschland zwischen 2005 und 2011 die Differenz des durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienstes von Frauen gegenüber Männern um 0,5 Prozentpunkte verringert. Das EU-Mittel ging im gleichen Zeitraum um 1,5 Punkte auf 16,2 Prozent zurück.

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