Bus und Bahn sind keine Alternative

Seit fünf Jahren pendelt Jörg Tiemann mit dem Auto zwischen Siegburg und Lengsdorf
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Foto: Klaus Elsen

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Siegburg. "Manchmal geht es ganz einfach und manchmal ist es eine Qual." Jörg Tiemann spricht von der täglichen Fahrt zur Arbeit. Die führt den 45-Jährigen fünf mal die Woche von Siegburg nach Bonn-Lengsdorf und zurück. Wenn er die 23 Kilometer in 20 Minuten schafft, was selten genug vorkommt, beginnt der Tag gut. Viel häufiger dauert die Fahrt eine Stunde, im Extremfall sogar 90 Minuten.

Tiemann ist natürlich kein Einzelfall. Der Geschäftsführer eines IT-Systemhauses ist einer von 74 290 Arbeitnehmer, die täglich aus dem Rhein-Sieg-Kreis nach Bonn pendeln. Umgekehrt sind es übrigens nur 19 000.

Der öffentliche Nahverkehr ist für den Geschäftsmann keine wirkliche Alternative. Das hat er schon ausprobiert. Von Haustür zu Haustür muss er für Fußweg, Bahn und Bus von Siegburg nach Lengsdorf fast anderthalb Stunden einkalkulieren." Da geht einfach zuviel Zeit verloren, vor allem durch das Umsteigen an Bonner Hauptbahnhof von der Linie 66 in den Bus."

Der neuralgische Abschnitt auf der Autobahn beim Weg zur Arbeit ist für den 45-jährigen Siegburger die Strecke vom Dreieck Bonn-Beuel-Ost bis zur Nordbrücke. "Wenn hier auch nur die kleinste Kleinigkeit hakt, dann gibt es einen Stau." Eine Gesetzmäßigkeit, warum der Verkehr plötzlich zum Erliegen kommt, hat Tiemann auch nach fünf Jahren als Berufspendler nicht erkennen können.

Anders sei das bei den vielen Baustellen auf den Autobahnen, wenn eine oder zwei Fahrspuren wegfallen. Solche Nadelöhre seien dem hohen Verkehrsaufkommen nicht gewachsen. Dafür erstaunen Tiemann manchmal andere Phänomene: "Ich wundere mich darüber, wie es manchmal ein halbes Jahr dauern kann, bis hundert Meter Straßenbelag erneuert sind."

Weitgehend zufrieden ist Jörg Tiemann dagegen mit der Verkehrslage in Siegburg. Vor allem die diversen Kreisverkehre, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, gefallen dem gebürtigen Bonner sehr gut. "Ich finde es sehr schön, dass sich die Kreisel etabliert haben und wir immer häufiger von den Ampeln wegkommen."

Die Kreisverkehre seien sehr praktisch, der Verkehr fließe besser und dadurch spare man eindeutig Zeit, sagt Tiemann. Zudem seien viele Kreisel schön und ansprechend gestaltet, wie etwa der "Piratenkreisel" an der Wilhelmstraße oder der noch recht neue Kreisverkehr auf dem Stallberg.

Auch finanziell rechnen sich in Tiemanns Augen die Kreisel. "Ampeln sind oft jahrzehntelang in Betrieb. Rechnet man die Unterhaltungskosten und den Strom, wird das ganz schön teuer auf die Dauer", sagt er.

Die umstrittene Umbenennung der Autobahn-Anschlussstellen Siegburg und Sankt Augustin an der A 560 stört Jörg Tiemann hingegen nicht. "Die Einheimischen und Ortskundigen wissen doch sowieso, wie sie fahren müssen. Und die meisten anderen Autofahrer haben heutzutage doch ein Navigationsgerät."

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