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Weihnachten ist ein Familienfest - im Iran wie in Deutschland
Von Mahtab Yazdansharif
BAD HONNEF. Wenn Mahtab Yazdansharif von der Hochschule in Bad Honnef nach Bonn zum Sprachunterricht fährt, genießt sie das Rheinpanorama - und die Stille in den Zügen.
Mahtab Yazdansharif auf dem Bonner Weihnachtsmarkt, Foto: privat
Ich heiße Mahtab Yazdansharif und komme aus dem Iran. Ich studiere Internationales Management an der Internationalen Hochschule Bad Honnef nahe Bonn. Bad Honnef ist so viel kleiner als meine Heimatstadt Teheran, aber für mich als alleinlebende junge Studentin ist es der ideale Ort für mein Studium. Ich fühle mich hier entspannt und sicher.
Mein Lieblingsplatz ist die Bibliothek mit ihren großen Fenstern, die den Blick auf das wunderschöne, bewaldete Siebengebirge freigeben. Ich lerne Deutsch am Goethe-Institut in Bonn, und ich muss sagen, dass ich jeden Moment der täglichen Zugfahrt von Bad Honnef nach Bonn sehr genieße. Im Iran reden die Reisenden miteinander, auch wenn sie sich nicht kennen. Hier schlafen sie oder lesen ein Buch.
In dieser Stunde Zugfahrt bin ich verzaubert von der herrlichen Szenerie des Rheins, den großen Schiffen und der Architektur der Villen, die das Ufer säumen. Ich erfreue mich am Sonnenaufgang beim Überqueren der Südbrücke und sogar an den Graffitis an einigen Stationen, die es in meinem Land nur sehr selten gibt.
Teherans U-Bahn wurde für 14 Millionen Einwohner geplant, fährt nur unter der Erde und ist sehr modern. Die Einwohnerschaft Teherans ist 40-mal größer als die Bonns, und obwohl wir ein sehr gutes U-Bahnnetz haben, gibt es immer Stau.
Iranische Weihnachtsbräuche
Ein weiterer Unterschied ist, dass unser neues Jahr am ersten Frühlingstag beginnt. Wir nennen es "Norouz", das bedeutet "neuer Tag". Iranischer Christen sind im Iran in der Minderheit, sie kommen ursprünglich aus Armenien und sind vor vielen Jahren in den Iran eingewandert. Sie feiern Weihnachten zuhause, auf privaten Partys mit ihren Familien und Freunden und manchmal in ihrem eigenen Club namens „Ararat“.
Es gibt auch Weihnachtsbäume und Geschenke, aber keinen großen Weihnachtsmarkt oder Glühwein. Es ist gut, dass in Deutschland jeder, unabhängig von seiner Herkunft und Religion, an Weihnachten teilhaben kann.
Iranische Christen feiern zweimal Neujahr - einmal das religiöse Fest, einmal das ihrer iranischen Nationalität. Norouz ist eines der ältesten Feste im Iran, es hat eine über 2.500 Jahre alte Tradition, und wir feiern es jedes Jahr. Wir nennen es auch “Norouzeh Pirouz”, was so viel bedeutet wie „das ewig Gültige und Unsterbliche“.
Dazu gehören Traditionen wie das Decken einen speziellen Tisches, das Backen besonderer Plätzchen, das Schenken und Beschenkt werden, Fisch und Reis essen am ersten Tag und am wichtigsten: der Besuch von Freunden und Familie, mit denen man eine schöne Zeit verbringt.
Weil ich am Weihnachtstag hier bin, weit weg von meiner Familie, werde ich zum ersten Mal in meinem Leben Weihnachten mit meinen deutschen Freunden und meinen Cousinen und deren Familien feiern. Für Weihnachten wünsche ich mir ganz besonders Gesundheit und Frieden für die Menschen aller Nationen und Religionen für das Jahr 2012.
Artikel vom 24.12.2011
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