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"Blinkende Weihnachtsbäume wirken bei 30 Grad im Schatten nicht sehr authentisch"
Von Jessika Pochopien
SYDNEY. Die 19-jährige Jessika kam mit vielen exotischen Vorstellungen nach Australien, um dort als Au-Pair zu arbeiten. Statt dessen hat sie festgestellt: "Sydney könnte auch eine Großstadt in Europa sein."
Jessika Pochopien vor dem Opernhaus von Sydney. Foto: privat
Ich heiße Jessika, bin 19 Jahre alt, und ich habe mich dazu entschlossen, nach dem Abitur einige Monate als Au-Pair in Australien zu verbringen. Seit Mitte Juni lebe ich bei meiner Gastfamilie in Sydney, und passe vier Tage die Woche auf ihre kleine Tochter Luella (2 Jahre alt) auf.
Als ich vor ca. fünf Monaten hier ankam, war der Kulturschock wesentlich geringer, als gedacht. Denn Australier reiten nicht auf einem Känguru zur Arbeit, nicht auf jedem Baum sitzt ein Koala, und nicht jeder beherrscht die Kunst, das Didgeridoo zu spielen. Was ich durch diese bewusst überaus übertriebene Darstellung sagen möchte ist, dass Sydney gar nicht so anders ist, wie man vielleicht denkt – denn Sydney könnte meiner Meinung nach auch eine Großstadt in Europa sein.
Trotz alle dem sind es natürlich die feinen Unterschiede, durch welche einem bewusst wird, dass man eben nicht in Deutschland ist. Wie zum Beispiel das Geräusch, wenn die Fußgängerampel auf grün springt, welches doch sehr an „Raumschiff Enterprise“ erinnert. Oder dass man beim Überqueren der Straße zuerst nach rechts schauen sollte, woran man sich ehrlich gesagt erst mal gewöhnen muss. Auch dass man am Sonntag shoppen gehen kann, war am Anfang ungewohnt, doch mittlerweile weiß dies wahrscheinlich jedes weibliche Au-Pair sehr zu schätzen.
Huntsman-Spinnen und offene Arme
Ebenso wird man hier nicht von harmlosen Weberknechten erschreckt, sondern von der handgroßen und ziemlich dicken Huntsman Spinne. Hierbei sollte bedacht werden, dass ich nicht auf einer Farm im Outback wohne, sondern in der City von Sydney.
Ein Klischee, welches allerdings vollkommen auf Australien zutrifft, ist, dass die Menschen hier sehr freundlich und offen sind. Als Tourist wird man in Australien mit offenen Armen empfangen.
Einer der wahrscheinlich größten Unterschiede zwischen Deutschland und Australien ist sicherlich, dass es hier zu Weihnachten und Neujahr heiß ist! Die Innenstadt und sämtliche Straßen sind zwar feierlich geschmückt, doch die blinkenden Weihnachtsbäume wirken bei Außentemperaturen um die 30°C nicht sehr authentisch. Netter Versuch, Sydney, aber mit Bonn/Meckenheim kannst du zur Weihnachtszeit nun wirklich nicht mithalten.
Weihnachten werde ich persönlich mit der Familie meiner Gastfamilie verbringen. Heiligabend gibt es hier nicht, da Weihnachten erst am 25. Dezember durch das morgendliche Auspacken der Geschenke und mit dem darauf folgendem Weihnachts-Lunch gefeiert wird. Meeresfrüchte sind als Weihnachtsessen in Australien sehr beliebt. Den Rest des Tages verbringt man dann zusammen mit der Familie ganz klischeehaft am Strand.
Ich finde, dass es eine ganz besondere Erfahrung ist, einige Monate im Ausland zu verbringen und hier Weihnachten auf eine ganz andere Art und Weise zu erleben. Natürlich ist es seltsam, nicht mit seiner eigenen Familie zusammen zu sein, aber als kleinen Trost kann man seinen Lieben Weihnachtsgrüße über Skype mitteilen.
So schön wie es hier auch ist, durch meinen Auslandsaufenthalt ist mir bewusst geworden, wie sehr ich doch meine Heimat, Meckenheim, zu schätzen weiß.
Somit grüße ich hiermit mein schönes Meckenheim und wünsche allen frohe und gesegnete Weihnachten sowie einen guten Rutsch in das neue Jahr 2012.
Artikel vom 24.12.2011
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