Antrittsvorlesung des Historikers Florian Hartmann

Wie sich Neuigkeiten im Mittelalter verbreiteten

Bonn.  Im digitalen Zeitalter bekommen schon ungeborene königliche Babys einen Twitter-Account (@Royal_Fetus). Doch wie verbreiteten sich Neuigkeiten im Mittelalter, und welche Rolle spielte dabei das Hörensagen, ein früher Vorläufer des heutigen Internet-Gezwitschers?

Diesen und anderen Fragen ging der frisch habilitierte Historiker Florian Hartmann bei seiner Antrittsvorlesung nach. Treffender Titel: "Das Gerücht vom toten König".

Obwohl es weder Telefon noch E-Mail noch Postwesen gab, zirkulierten im Mittelalter Nachrichten schnell und in unkontrollierter Art und Weise - egal ob sie richtig oder falsch waren. Hartmann erläuterte, dass Neuigkeiten im frühen und hohen Mittelalter auf dem informellen Weg von Mund zu Ohr zu Mund sogar rasanter zirkulierten als durch Boten, die am Tag 50 Kilometer zurücklegten.

So habe es schon mal gut vier Wochen gebraucht, um per Bote eine Strecke wie von Rom nach Sachsen zurückzulegen und eine falsche Nachricht zu widerlegen. Unter den begrenzten kommunikativen Umständen überrasche es laut Hartmann wenig, dass in bestimmten Situationen bewusst falsche Informationen verbreitet wurden. Gegenspieler der aktuellen Herrscher suchten den Informationsvorsprung für sich zu nutzen, ganz gleich ob die Nachricht wahr oder falsch war: "Wichtiger ist die Relevanz des Berichteten."

Am Beispiel der häufigen Falschmeldung vom Tod des Königs lotete Hartmann die Grenzen frühmittelalterlicher Kommunikation aus und analysierte, wie das Potenzial von Gerüchten instrumentalisiert oder kontrolliert wurde. Eine Regel: "Hofangehörige wissen mehr."

Vor gut 150 Zuhörern zeigte der Privatdozent das berühmte Gemälde "Das Gerücht" von A. Paul Weber und zitierte Vergils Definition der "Fama", die sich rasant verbreitet. Das Gerücht vom toten König setzte laut Hartmann sogar Heere in Bewegung.

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