Ehemaliger DAAD-Präsident

Hansgerd Schulte wird 80 Jahre alt

Bonn/Paris.  Das Beziehungsgeflecht zwischen Deutschland und Frankreich ist so dicht wie kaum eines zwischen zwei Nachbarländern. Der bevorstehende 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages bietet Anlass, sich an die Akteure zu erinnern, die die Beziehungen mit dem französischen Nachbarn mit Leben erfüllt haben.
Hansgerd Schulte (rechts) im Gespräch mit dem Publizisten Alfred Grosser. Foto: DAAD Paris

Einer von ihnen war der 1932 in Simmern geborene Romanist Hansgerd Schulte, dessen Begeisterung für Frankreich nicht zuletzt durch die Kriegserfahrung und damit vom Wunsch nach Aussöhnung ausgelöst wurde. Diese Triebfedern sollten ihn zu einem überzeugten "Deutsch-Franzosen" und profilierten Akteur auf dem Feld der deutsch-französischen Wissenschaftsbeziehungen werden lassen.

Ausgerüstet mit dem deutschen wie dem französischen Abitur studierte Schulte in Freiburg (bei Hugo Friedrich), Madrid und Paris. Ab 1961 wirkte Hansgerd Schulte im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) als Lektor für deutsche Sprache an verschiedenen französischen Universitäten.

1963, das Jahr des Elysée-Vertrages, hielt auch für Schulte eine entscheidende Wendung bereit: er wurde zum Gründungsdirektor der Pariser Außenstelle des DAAD berufen. "Der Erwartungsdruck war sehr hoch", erinnert sich Schulte. Nichts weniger als eine Art Auslandsvertretung - Schulte nennt sie scherzhaft "das Außenministerium" - der (damals noch westdeutschen) Hochschulen sollte diese Filiale bilden, um Kontakte auf akademischer und wissenschaftlicher Ebene herzustellen oder zu vertiefen.

Schulte füllte die Position mit Engagement und Ideenreichtum aus. Bald schon wurde die Nummer 15 in der Rue de Verneuil, Sitz der Außenstelle, zum Treffpunkt von Intellektuellen und Künstlern aus beiden Nationen. "Ich war eigentlich immer mehr an Menschen als an Institutionen interessiert", sagt Schulte.

Die Klaviatur des Wissenschaftsbetriebs beherrschte er gleichwohl virtuos. Schon bald nach Amtsantritt brachte er zum Beispiel in enger Abstimmung mit der Westdeutschen Rektorenkonferenz sogenannte "Äquivalenz-Vereinbarungen" auf den Weg, durch die Studienleistungen im anderen Land anerkannt werden konnten. Immer habe er seine Arbeit "auch als Modell für Europa" begriffen. Fast schon zwangsläufig mutet es daher an, dass Hansgerd Schulte 1971 - da war er bereits seit zwei Jahren Professor am "Institut d'Allemand" an der Sorbonne Nouvelle in Paris - zum Präsidenten des DAAD in Bonn gewählt wurde.

In Schultes insgesamt 16 Jahre währender Amtszeit erlebte der DAAD erheblichen Aufschwung. Das Netz der Außenstellen wurde erweitert und die Zahl der Stipendiaten erhöht. Handlungsmaxime für Schulte blieb immer, "den DAAD als unabhängige Selbstverwaltungsorganisation der deutschen Hochschulen zu erhalten". Heute wird Hansgerd Schulte, der in Paris lebt, 80 Jahre alt.

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