Soziale Netzwerke

Beziehungen bestimmen oft die Professur

Bonn.  Jeder krabbelt in ihnen herum. Der eine spinnt sie etwas großflächiger, beim anderen reichen sie kaum bis zum Nachbarn. Doch vor allem helfen sie beim Klettern: Soziale Netzwerke.

Der Bonner Professor für Finanzwirtschaft Rainer Haselmann hat untersucht, welche Rolle Beziehungen bei der Berufung von Professoren spielen. "Oft reichen die sogenannten harten Informationen, die man in den Bewerbungen findet, nicht aus, um sich ein vollständiges Bild des Kandidaten zu machen", erklärte Haselmann.

"Weiche" Informationen über die Leistungsbereitschaft oder die Fähigkeit des Bewerbers, sein Wissen an Studenten weiterzugeben, müssten über Dritte eingeholt werden. Und genau hier werde gerne "geklüngelt". So finden sich Professoren oft in Lehrstühlen derjenigen Uni wieder, an denen sie ihre Dissertation oder Habilitation geschrieben haben. Das Netzwerk des Doktorvaters spielt nämlich ebenfalls eine wichtige Rolle.

Laut einer Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), hält genau diese Bildung von Alt-Herren-Vereinen viele junge, auch ausländische Wissenschaftler davon ab, sich in den deutschen Klüngel-Dschungel zu wagen.

Haselmann kommt zum Ergebnis, dass soziale Netzwerke keinen positiven Effekt auf Forschungsleistungen hätten. Jedoch habe die neue Besoldungsordnung W, nach der man sein Professorengehalt durch Publikationen aufbessern kann, die Situation entspannt.

Auf die Frage, ob denn solche Systeme auch bei Frauen eine Rolle spielten, erklärte er etwas verlegen, dass zu wenige Frauen auf Lehrstühlen in betriebswirtschaftlichen Fakultäten sitzen, um das abschließend beantworten zu können. Es heißt wohl nicht umsonst "old boys' club".

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