Von Pan bis Stockhausen

Bettina Schlüter erzählt eine kurze Geschichte von Musik und Sound

Bonn.  "Organized Sound", also gestalteten Klang" nannte der zeitgenössische Komponist Edgard Varèse sein musikalisches Schaffen. Angelehnt an das gestalterische Formen der Bildhauer, erkannte Varèse (1883-1965), welch ungeahnte Möglichkeiten ihm die neuen Technologien, die elektronische Klangerzeugung sowie die Speicherung und Bearbeitung aller Arten von Sounds, eröffneten.
Bettina Schlüter über Musik und Sound: Über ihr die Bilder von Janis Joplin und Pan aus der griechischen Mythologie.
								Foto: Andrea Künstle
Bettina Schlüter über Musik und Sound: Über ihr die Bilder von Janis Joplin und Pan aus der griechischen Mythologie. Foto: Andrea Künstle

In ihrem Vortrag "Eine kurze Geschichte von Musik und Sound" spannte Bettina Schlüter einen spannenden Bogen vom flötenden griechischen Hirtengott Pan bis zu den virtuellen Musikwelten der Gegenwart.

Denn nach dem in Bonn entwickelten Fachverständnis umfasst der Gegenstand der Musikwissenschaft nicht nur die Musik in ihren Erscheinungsformen, sondern auch kulturwissenschaftliche Fragen klanglicher Phänomene. Kein Wunder also, dass Schlüter auch nicht um die Studie "Musik und Mathematik" des Kulturwissenschaftlers Friedrich A. Kittler herum kommt. Kittler hatte sich in seiner Studie auf die Spuren des Odysseus begeben.

Über die Nymphengöttinnen, die in Menschenlauten sprechen, über Kirke und Kalypso, die Sirenen mit ihren "ausgearbeiteten akustischen Kontrasten", kommt Kittler zur These, dass Musik und Mathematik, "das Schönste nach der Liebe, das Schwerste nach der Treue", dieselbe Wurzel haben.

Schlüter streift die Theorie des Universalgelehrten Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz (1821-1894) zur Erklärung der Klangfarbe durch Obertöne, die Resonanztheorie des Hörens und darauf basierend die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik, und zeichnet Richard Wagners "radikalste Form" des einmaligen Musikerlebens: Wagners Idee, seinen "Siegfried" in einem Mythos schaffenden Theater aufzuführen und dieses anschließend abzureißen, blieb ein unerfüllter Traum.

Vielleicht noch verstörender: Karlheinz Stockhausens Faszination des Terroranschlags auf die Twintowers als "das größte Kunstwerk, dass es je gegeben hat". Wobei es Stockhausen um die physikalische, aber auch radikale künstlerische Dimension von Klangerzeugung ging.

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