Wechsel an der Telekom-Spitze

Vorstandschef René Obermann verlässt überraschend den Konzern

BONN.  An der Spitze der Deutschen Telekom kündigt sich ein überraschender Wechsel an: Vorstandschef René Obermann gibt Ende nächsten Jahres sein Amt auf und verlässt den Konzern. Sein Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges. Das teilte die Telekom gestern in Bonn mit.
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13. November 2006: René Obermann stellt sich als Vorstandschef in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom in Bonn den Mitarbeitern vor. Ende 2013 will er aufhören.
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13. November 2006: René Obermann stellt sich als Vorstandschef in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom in Bonn den Mitarbeitern vor. Ende 2013 will er aufhören. Foto: dpa

Für seinen Ausstieg beim Bonner Telekommunikationskonzern führte Obermann gestern berufliche Gründe an: Er wolle wieder näher ans operative Geschäft rücken, als das für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei, und noch stärker unternehmerische Aufgaben übernehmen: "Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", sagte Obermann in einer Telefonkonferenz.

Wohin er wechselt, wollte Obermann am Donnerstag noch nicht sagen: "Ich möchte mich im kommenden Jahr voll auf meine Arbeit bei der Telekom konzentrieren." Bevor er unter Ron Sommer zur Telekom gestoßen war, hatte Obermann nach einer Lehre zum Industriekaufmann bei BMW in München sein VWL-Studium abgebrochen, um eine eigene Telekom-Firma aufzubauen. Die von ihm gegründete ABC Telekom verkaufte er 1998 an den asiatischen Mischkonzern Hutchison Whampoa.

Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner reagierte mit Bedauern auf Obermanns Entscheidung: "Ich respektiere seinen Schritt, auch wenn ich unsere erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt hätte."

Obermann steht seit Ende 2006 an der Spitze des Telekom-Konzerns, zuvor war er Vorstand der Mobilfunksparte. Erst Ende 2010 hatte ihm der Aufsichtsrat sein Vertrauen für fünf weitere Jahre als Vorstandschef des Bonner Dax-Konzerns ausgesprochen. Aussteigen wird er nun deutlich früher: "Für die wesentlichen Baustellen" habe das Unternehmen Lösungen gefunden, erklärte Obermann am Donnerstag. "Jetzt ist ein geeigneter Zeitpunkt, um die Staffelübergabe vorzubereiten und einen geordneten Übergang sicherzustellen." Sein designierter Nachfolger Timotheus Höttges sei "der Beste, den man für diese Aufgabe finden konnte", sagte Obermann.

Höttges dankte dem Aufsichtsrat für das ihm entgegengebrachte Vertrauen: "Ich habe 'ja' gesagt, weil ich weiß, dass hier im Unternehmen enormes Potenzial steckt. Ich freue mich auf die neue Aufgabe und darauf, im nächsten Jahr gemeinsam mit René Obermann den Übergang zu gestalten. Die gewählte Nachfolgeregelung sichert Kontinuität im Übergang."

Vor zwei Wochen hatte Obermann auf einer Investorenveranstaltung angekündigt, dass die Telekom nächstes Jahr in die Offensive gehen wolle. "Wir wollen ab 2014 wieder wachsen und das mit einem massiven Investitionsprogramm unterstützen", bekräftigte Höttges, dass die von Obermann angekündigte Marschrichtung unverändert gelte. Obermann wiederum sagte, dass der erfolgreiche Abschluss der vereinbarten Fusion des US-Mobilfunkgeschäfts mit MetroPCS für ihn in seinem letzten Jahr als Telekom-Vorstandschef im Vordergrund stehen werde.

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