WCCB-Prozess

"Kim ist des Betruges schuldig"

BONN.  Im Prozess um den Bauskandal beim World Conference Center Bonn (WCCB) gegen Ex- Investor Man-Ki Kim und dessen zwei frühere Rechtsberater haben die beiden Staatsanwälte Ulrich Stein und Timo Hetzel ihr Plädoyer begonnen. Nach acht Stunden Vortrag stand für sie als Zwischenergebnis fest: "Kim ist im Fall des koreanischen Investors Honua des schweren Betruges schuldig."
Man-Ki Kim bei Prozessbeginn am 30. September 2011. Seitdem hat er sich stark verändert, doch Fotos wurden nicht mehr gestattet. Foto: dpa

Zwei dicke Aktenordner haben die Staatsanwälte an diesem 104. Verhandlungstag im Prozess um das World Conference Center Bonn (WCCB) mitgebracht. Zwischen den Aktendeckeln steckt ihr Plädoyer, auf rund 300 Seiten haben sie zusammengefasst, wie sie die Geschichte des WCCB sehen - und die Schuld der drei Männer auf der Anklagebank bewerten.

Zwei Tage brauchen die Ankläger für ihr Plädoyer, und damit ist klar: Erst am Mittwoch, 20. Februar, am Ende ihres Schlussvortrags werden sie ihre Strafanträge stellen. Denn dass sie auf schuldig plädieren, wird klar, als Hetzel den Sachverhalt schildert, so wie die Staatsanwaltschaft ihn nach mehr als dreijähriger Ermittlungsarbeit und fast 17-monatiger Hauptverhandlung sieht: Aus Zigtausenden von Puzzlestücken - Urkunden und Zeugenaussagen - haben die Staatsanwälte in akribischer Feinarbeit ein Bild zusammengesetzt.

Ein Bild, das zeigt, wie ein ehrgeiziges Projekt, das die Verantwortlichen der Stadt unbedingt realisieren wollten, einem Mann anvertraut wurde, der zu keinem Zeitpunkt halten konnte, was er versprochen hatte. Denn Kim, so die Staatsanwälte, und dessen Firma SMI Hyundai Corporation hatte mitnichten den Konzernhintergrund, den er konstruierte.

Für die Staatsanwälte ist bewiesen: Kim hat mit Hilfe seines mitangeklagten Ex-Beraters Ha-Sung Chung bewusst den Eindruck vermittelt, der Weltkonzern Hyundai stehe hinter seiner Firma. Und mit diesem Bild seien Presse, Öffentlichkeit und auch der Stadtrat getäuscht worden - mit einem Ziel: den Zuschlag für ein Projekt zu erhalten, das mit 35 Millionen Euro vom Land gefördert wurde.

Aber noch eines steht für die Ankläger fest: Die Projektverantwortlichen der Stadt waren über Kims Finanzierungsprobleme schon informiert, bevor der den Zuschlag erhielt: Bereits im Oktober 2005 habe Projektbeauftragte Eva Maria Zwiebler bei ihrem Bruder Michael Kranz, Vorstand der Sparkasse, um einen Termin wegen der WCCB-Finanzierung gebeten. Und die Ankläger zeigen auch auf, wie verzweifelt Kim auf der Suche nach Kapital war und wie er das Bonner Projekt als Sicherheit verpfändete und einsetzte für seine anderen Bauprojekte in Nahen Osten.

Die Beweise dafür, dass Kim im Rahmen seiner Finanznot den koreanischen Investor Honua um 32 Millionen US-Dollar betrog, erläutert schließlich Staatsanwalt Stein der Wirtschaftskammer. Das Bild, das er zeichnet, verrät die Arbeit, die in ihm steckt und zeigt: Kim verschwieg Honua, dass er das WCCB 2007 bereits an die Firma Arazim verpfändet hatte, um weitere Millionen zu bekommen.

Und sein mitangeklagter Rechtsberaters Wolfditrich Thilo half ihm mit einem falschen Rechtsgutachten. "Damit ist Kim des Betruges im besonders schweren Fall schuldig, und Thilo der Beihilfe", stellt Staatsanwalt Stein fest.

Nach acht Stunden ist niemand im Saal mehr aufnahmefähig. Heute setzen die Staatsanwälte ihr Plädoyer fort, zunächst mit der Beweiswürdigung im Fall "Betrug zum Nachteil der Stadt Bonn".

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Artikel zum dritten RPA-Bericht

Übersicht: Die RPA-Berichte Im Skandal um das WCCB kommen immer wieder neue Details ans Tageslicht. Dabei geht es auch um die Verwendung des von der Stadt Bonn gezahlten Marketingzuschusses in Höhe von mehr als einer Million Euro jährlich. Das geht aus dem dritten Report des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) hervor.