Bonner Bäder - Was meinen Sie?

Doppelter Eintritt oder Schließung

BONN.  Die schwarz-grüne Ratsmehrheit verteidigt im Sportausschuss ihren Antrag: Die Bürger sollen entscheiden, wie die Bonner Bäderlandschaft in Zukunft aussehen soll. Die Alternativen: Alle Hallenbäder bleiben bestehen, werden saniert und "aufgewertet", wofür aber die Eintrittspreise deutlich erhöht werden. Oder aber, es werden Bäder geschlossen.
Ungewiss ist weiterhin auch die Zukunft des Frankenbades in der Altstadt. Foto: Volker Lannert

Welche und wie viele - auch das eine Entscheidung, die die Bürger fällen sollen. Die Mehrheit aus CDU und Grünen beschloss diesen weiteren Weg am Donnerstagabend sowohl im Bäderbeirat als auch im Sportausschuss lediglich mit ihren eigenen Stimmen. SPD und Linke lehnten ihn im Ausschuss ab, Bürger Bund und FDP, die eine kategorische Schließung des Frankenbads und einen Ausbau des Römerbads forderte, enthielten sich ihrer Stimme.

Da nutzten weder die erläuternde Rede von Martin Herkt, Leiter des Sport- und Bäderamtes, noch die warnenden Worte des Beigeordneten Martin Schumacher. Denn nach ersten Berechnungen des Fachamtes müssten die Eintrittspreise mindestens um 50 Prozent erhöht werden, wenn man die Preiserhöhung auf Frei- und Hallenbäder erstreckt. Sollte lediglich das Ticket für die Benutzung der Hallenbäder erhöht werden, droht gar eine nahezu Verdoppelung des heutigen Eintrittsgeldes von vier Euro.

Für Peter Kox (SPD) lässt Schwarz-Grün über "Pest oder Cholera" abstimmen: "Das ist politischer Autismus." Tobias Haßdenteufel (Linke) sagte, die Mehrheitsfraktion "meint es nicht ernst mit der Bürgerbeteiligung, sondern sucht lediglich nach vordergründiger Legitimation für ihre vermeintlich alternativlose Kürzungspolitik." Dagegen warfen Willi Härling (CDU) und Rolf Beu (Grüne) der SPD "Doppelmoral" und "Populismus" vor, weil diese eine Ausgliederung der Bäder unter dem Dach der Stadtwerke und eine Erhöhung der Sportförderung forderten.

Der Beschluss von CDU und Grünen sieht außerdem vor, alle Freibäder zu erhalten. Schwarz-Grün setzt dabei "auf freiwillige substanzielle Beiträge der Nutzerinnen und Nutzer". Herkt erinnerte daran, dass auch die Gutachterin eine finanzielle Beteiligung der Fördervereine des Friesdorfer Freibads sowie des Melbbads zur Bedingung gemacht hatte, um diese zu erhalten.

Mittlerweile seien auch die Gespräche mit den Vereinsvorständen abgeschlossen, teilte Herkt am Donnerstag mit. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, dass die Vereine wenigstens die Kosten für die Aushilfskräfte in den beiden Freibädern übernehmen: Während der "Friesi"-Vorstand bereit sei, die 40 000 Euro zu stemmen, habe der Förderverein Melbbad mitgeteilt, dass die Übernahme von knapp 72.000 Euro "nicht realistisch" sei.

Für die Verwaltung ist nach wie vor die Schließung des Hardtberger Kombibads bei gleichzeitiger Sanierung und Erweiterung von Frankenbad und Kurfürstenbad die beste Lösung. Indes hat sie ein Ziel erreicht: Die Ratsmehrheit hat am Donnerstag angekündigt, die bereits im vergangenen Jahr beschlossene jährliche Einsparung bei den Bädern in Höhe von 750.000 Euro ab 2013 wieder rückgängig zu machen.

PSB will mehr Tempo:
Das sagt die Initiative Pro Sportstadt Bonn: Die Initiative Pro Sportstadt Bonn (PSB) forderte am Donnerstag in Sachen Bäder eine baldige zukunftsfeste Entscheidung - entweder durch Erhalt/Sanierung aller Bäder (ohne Bürgerbeteiligung) oder konzeptionelle Neuordnung nach einer strukturierten Bürgerbeteiligung.

Was die im städtischen Haushalt stehende Sparvorgabe von 750.000 Euro angeht, solle sie bis zur abschließenden Entscheidung ausgesetzt werden, der Bäderbetrieb sei so lange uneingeschränkt sicherzustellen. Ein Affront ist es für PSB, dass zeitgleich zu den Bäder-Plänen die Transferleistungen ans städtische Theater um 3,5 Millionen Euro erhöht würden. (kf)

Reaktionen:
Für ein reges Echo im Internet hat der Vorschlag von CDU/Grünen zur Zukunft der Bonner Bäder gesorgt. Hier einige Meinungen unserer Leser:

  • "Wenn nun die Bürger gefragt werden sollen, muss man sich einfach die Frage einmal stellen: Weshalb werden unsere Ratsvertreter mit hohem Aufwand von uns gewählt und anschließend bezahlt? Wenn man die Kopflosigkeit und Konzeptlosigkeit sieht, dann sollte man den ganzen Rat in die Wüste schicken." Jakob Bolz
     
  • "Ich finde einen Eintrittspreis von vier Euro auf keinen Fall Wucher, ganz im Gegenteil, noch dazu ist der Eintritt für kleine Kinder kostenlos. Allerdings spreche ich auch von den heißen Tagen in den Freibädern, wo ganze Großfamilien für vier Euro pro Erwachsener den ganzen Tag die Liegewiesen besetzt halten. Private Bäder kosten auch für zwei Stunden ungefähr zehn Euro und sind trotzdem immer proppenvoll." Mr. Brutus
     
  • Also wenn die Eintrittspreise schon hoch müssen, würde ich empfehlen, die Tageskarten zu erhöhen, die Zehner- und Fünfzigerkarten jedoch nicht. So werden wenigstens die regelmäßig wiederkehrenden Schwimmer geschont." Michael
     
  • "Wie schön, dass man als Bürger immerhin die 'Wahl' zwischen Pest und Cholera hat. Als ob es im Haushalt keine stärker subventionierten Positionen gäbe, an denen man sparen könnte - Stichwort Oper."  Angela Berghoff
     
  • "Wer glaubt denn eigentlich daran, dass bei weniger, aber besser ausgestatteten Schwimmbädern der Preis nicht steigen soll?! Wir leben in Bonn, und da gibt's nur eine Richtung. Schönere und besser ausgestattete Schwimmbäder kosten halt im Eintritt auch mehr als normale." Martin
     
  • "Wird denn nicht gesehen, dass die Hallenbäder eine soziale Funktion erfüllen?  Ich bin entsetzt." Edith Bussjäger
     
  • "Erst werden Konzepte durch Gutachter vorgelegt, dann werden eigene Konzepte der Verwaltung erarbeitet, und nun sollen die Bürger gefragt werden. Eine solche Konzeptlosigkeit und Feigheit habe ich schon lange nicht mehr erlebt." Frank

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