Bombe in Bonn

Streit um fehlende Videobilder

BONN/BERLIN.  Während fieberhaft nach den Tätern gefahndet wird, die einen Terroranschlag in Bonn verüben wollten, ist zwischen Bundespolizei und Bahn ein Streit um die fehlende Videoaufzeichnung am Hauptbahnhof entbrannt.
Das Fahndungsplakat der Kölner Polizei.
								Foto: dpa
Das Fahndungsplakat der Kölner Polizei. Foto: dpa

Warum die Überwachungskameras an Gleis 1 keine Videobilder von jener Person aufgezeichnet haben, die dort vor einer Woche die Tasche mit dem Sprengsatz abgestellt hat, ließ sich auch am Sonntag nicht beantworten.

Die Deutsche Bahn (DB) kritisierte, die Bundespolizei habe ihr keinen Auftrag zur Aufzeichnung gegeben. Das wiederum wies die Bundespolizei zurück und warf der Bahn vor, sie sei nicht bereit, fehlende Aufzeichnungskapazitäten aufzustocken. Die Beamten könnten nur mit dem Material arbeiten, das ihnen zur Verfügung stehe.

Fotos der Polizei zum Bonner Bombenfund
Eine DB-Sprecherin sagte dem General-Anzeiger dagegen, die Bundespolizei lege alleine fest, an welchem Bahnhof Videos aufgezeichnet und die Daten gespeichert würden. Außerdem schaffe die Bahn die "nötigen Aufzeichnungskapazitäten dort, wo die Bundespolizei uns beauftragt".

Derweil bestätigte sich nach GA-Informationen der Verdacht, dass die Kameras an Gleis 1 defekt waren und gar keine Bilder liefern konnten. Auch das wies die Bahn zurück: "Unsere Kameras funktionieren, wenn wir den Auftrag haben, Bilder aufzuzeichnen."

Konfliktbehaftet war nach GA-Informationen zudem die Zusammenarbeit von Kölner und Bonner Ermittlungsbehörden. Dazu wollten sich beide Seiten jedoch mit Blick auf die Übernahme der Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt nicht offen äußern.

Die Bundesanwaltschaft geht inzwischen offenbar von mindestens drei Tatbeteiligten aus. Zwei scheinen näher identifiziert zu sein. Nach WDR-Informationen soll ein Verdächtiger aus Langenfeld kommen und Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida unterhalten.

Terror in Bonn - Überwachungsvideo zeigt Verdächtigen

Weitere Videos

Der zweite Verdächtige soll einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zufolge ein dunkelhäutiger Somalier aus Bonn sein, nach dem per Phantomfoto gefahndet wird. Nach GA-Informationen könnte es sich dabei um Omar D. handeln, den die Ermittler nach dem Anschlagsversuch bereits in Gewahrsam genommen hatten, aber später freiließen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte indes eine "effiziente Videobeobachtung und Videoaufzeichnung auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen". Mit einer besseren Technik ließen sich "Gewalttäter abschrecken".

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnte vor einer Debatte über schärfere Gesetze. Der "Welt" gab sie zu Protokoll: "Wir sollten dafür sorgen, dass Bomben die Bahnhöfe gar nicht erst erreichen können."

Mit Material von dpa

Weitere Informationen zum Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof finden Sie im GA-Spezial.

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