Bombe in Bonn

Ein Tatverdächtiger identifiziert - drei Verdächtige gesucht

BONN.  Nach dem versuchten Sprengstoffanschlag am Bonner Hauptbahnhof haben die Ermittler einem Bericht des Westdeutschen Rundfunks zufolge einen Tatverdächtigen identifiziert. Insgesamt wird nach drei Verdächtigen gesucht.
Ein Fahndungsplakat hängt im Bonner Hauptbahnhof. Die Polizei hat jetzt einen Bombenleger identifiziert.
							Foto: dpa
Ein Fahndungsplakat hängt im Bonner Hauptbahnhof. Die Polizei hat jetzt einen Bombenleger identifiziert. Foto: dpa

Bei dem identifizierten Verdächtigen soll es sich um einen Mann aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld handeln, meldete der Sender am Samstag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Tatverdächtige gilt laut WDR als Verbindungsmann zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Allerdings sei bisher unklar, ob der Verdächtige tatsächlich zur Tatzeit am Bahnhof oder mit der Planung beschäftigt war.

Focus-Online berichtet von zwei Verdächtigen. Abdirazak B. und Andreas M. Beide haben vermutlich Verbindungen zu den radikalislamischen Al-Shabaab-Milizen in Somalia und sind Mitglieder einer Bonner Gruppe „Deutsche Al-Shabaab“, die sich laut einem internen Bericht des Landeskriminalamts von 2010 regelmäßig in der Al-Muhajirin-Moschee in der Theaterstraße trafen.

Spiegel Online bringt dazu noch einen dritten Verdächtigen ins Spiel. Sein Name: Omar D. Er war bereits am Montag in Gewahrsam genommen, dann aber wieder freigelassen worden. Er stammt aus Somalia.

Auch Abdirazak B., Jahrgang 1985, stammt aus Somalia und wurde 2008 zusammen mit dem ebenfalls als militant-islamistisch geltenden Omar D. auf dem Köln/Bonner Flughafen festgenommen, als sie sich ins Ausland absetzen wollten. Wohin genau, darüber kursieren verschiedene Versionen.

Eine besagt, dass sie über Uganda in ein Terrorlager der Al-Shabaab-Milizen reisen wollten. Die Polizei ließ sie kurz nach der Festnahme wieder frei, woraufhin Abdirazak B. laut Focus untergetaucht sein soll.

Auch Andreas M., ein deutscher Konvertit aus dem Rheinland, hat einen Bezug zu Somalia und damit vermutlich zu den Al-Shabaab-Milizen. Einem Artikel der „Zeit“ zufolge soll er sich in diesem Jahr mit seiner Frau und seinem Kind in Somalia aufgehalten haben. Die kenianische Polizei verdächtigt ihn, am 29. April an einem Anschlag in Nairobi beteiligt gewesen zu sein, bei dem zwei Menschen getötet wurden.

Der ebenfalls als islamistischer Gefährder eingestufte 40-Jährige hätte bei einer Rückkehr nach Deutschland wohl nichts zu befürchten, da gegen ihn bis vor kurzem laut „Zeit“ nicht ermittelt wurde. In dem LKA-Bericht werden Abdirazak B. und Andreas M. in einem Ranking potenzieller islamistischer Terroristen ganz weit oben angesetzt. Sie galten demnach schon damals als hoch radikalisiert.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag die Ermittlungen übernommen. Sie bestätigte dabei in einer Mitteilung, es bestehe ein Anfangsverdacht gegen eine verdächtige Person, die "als Mitglied einer terroristischen Vereinigung einen Sprengstoffanschlag verüben wollte".

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) fordert als Konsequenz aus dem Anschlagversuch, den Straftatbestand der Bildung einer terroristischen Vereinigung zu erweitern. Er plädierte in der "Welt am Sonntag" dafür, dass der entsprechende Paragraf 129a des Strafgesetzbuches auch bei Brand- und Sprengstoffdelikten angewendet und der Generalbundesanwalt in solchen Fällen zuständig wird.

Der CDU-Politiker verlangte zudem, die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen auszuweiten. "Auf Bahnhöfen ist dies flächendeckend erforderlich." Die Kameras müssten technisch grundsätzlich auch mit einer Aufzeichnungsmöglichkeit ausgestattet sein. "Ohne eine solche Möglichkeit ist eine nachträgliche Aufklärung von Straftaten nur selten möglich", sagte er der Zeitung.

Weitere Informationen zum Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof finden Sie im GA-Spezial.

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