Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn"

Stadtplanerin Brigitte Denkel - Die Schöpferin der Kirschblüte

NORDSTADT.  Das Universum, in dem Brigitte Denkel lebt, hat sie selbst erschaffen. Als die ehemalige Stadtplanerin Mitte der 70er Jahre frisch von der Uni nach Bonn kam, war die Nordstadt ein in die Jahre gekommenes Handwerkerviertel, geprägt von grauen Fassaden und Durchgangsverkehr.
Brigitte Denkel hatte einst die Idee, Kirschbäume entlang der Heerstraße zu pflanzen. Foto: Johanna Heinz

Wenn Denkel heute ihre Wohnung in der Pipinstraße verlässt, taucht sie in ein ganz anderes Viertel ein. Die Straßen sind gepflastert, Fußgänger, so hat es sich eingebürgert, haben überall Vorfahrt. Und der Weg ist von bunten Fassaden und Bäumen gesäumt. In den 70er und 80er Jahren hat Denkel die Sanierung der inneren Nordstadt bei der Stadt betreut und vorangetrieben und sie so zu dem gemacht, was sie heute ist: ein buntes Viertel mit Charakter und Wohnqualität, das in Zeiten der blühenden Kirschbäume Ströme von Touristen anzieht.

"Das schöne an der Nordstadt ist, dass es hier alles gibt, was du zum Leben brauchst: Buchläden, Kultur, Bäckereien, Restaurants, Kneipen und sogar Schuhmacher." Denkel sitzt auf dem Balkon ihrer gemütlichen Wohnung, in der sie seit mehr als 30 Jahren lebt, und trinkt Tee. Die Pollen haben sie heiser gemacht. Trotzdem spricht sie gerne und viel, schnell aber klar. Schon zu Beginn ihrer Verwaltungslaufbahn hat sie am Rande der Nordstadt gewohnt. "Mich hat das Viertel sofort gepackt." Und auch beruflich war die Stadtplanerin von Anfang an mit der Nordstadt befasst.

Eigentlich gab es nach dem Bau des Stadthauses Planungen, auch weitere alte Gebäude abzureißen. Doch Denkel und ihre Mitstreiter erkannten, dass der Phönix nur aus der Asche gezogen werden musste. Dass zwar die Fassaden bröckelig und grau, die Hinterhöfe betoniert und mit Baracken bebaut waren, die Substanz der alten Bauten, von denen viele um 1900 entstanden, war aber gut und erhaltenswürdig.

Also wurde der Verkehr beruhigt, und es wurden Planungen erstellt. Geld für eine großflächige Sanierung war zunächst nicht da, bis 1984 ein Förderprogramm des Landes der Stadt zu Hilfe kam. "Wohnumfeldverbesserung - dieser sperrige Begriff hat mir nie gefallen", sagt Denkel. Das Programm sah auch eine intensive Bürgerbeteiligung vor, "damals noch etwas ganz Neues".

Kirschblüten in Bonn und der Region
Bei vielen Anwohner stieß der Plan, die Nordstadt zu begrünen, die Straßen durch Pflastersteine und Verschwenkungen zu beruhigen und Alleen zu pflanzen, zunächst auf heftigen Widerstand. Sie fürchteten weniger Parkplätze und dunklere Wohnungen. Ein Bürgertelefon wurde eingerichtet, Einzelinterviews mit Anwohnern geführt, im "Rollenden Rathaus" informierten Denkel und ihre Kollegen direkt auf den betroffenen Straßen.

Noch heute kann man sich die 66 Jahre alte Frau mit den klaren, blauen Augen und rötlichem Kurzhaarschnitt, die vergangenes Jahr in den Ruhestand ging, gut in dieser Rolle vorstellen - eine enthusiastische, aber geduldige Pragmatikerin. Und schließlich brachten sich dann auch viele Bürger in die Sanierung mit ein. Mit Fördergeldern konnten 90 Fassaden renoviert, und 40 Hinterhöfe begrünt werden.

Aus der Not heraus, weil den hiesigen Baumschulen der Weißdorn eingegangen war, hatte Denkel die Idee, die größeren Straßen mit japanischen Zierkirschen zu säumen. Dass die sich in solch prächtige Blütenbaldachine verwandeln würden, hätte sie selbst nie gedacht, sagt sie. Genauso wenig, dass es inzwischen einen solchen "Hype" um sie gibt.

"Gerade, wenn die Kirschbäume blühen, passiert es mir oft, dass ich von Anwohnern, die mich noch von damals kennen, angesprochen werde. Sie sagen mir, wie schön das alles geworden ist." Und was denkt sie selbst, wenn sie mit ihrem Fahrrad durch das Universum innere Nordstadt fährt?

"Manchmal frage ich mich, ob das mit den Pflastersteinen so eine gute Idee war", sagt sie und lacht. Aber natürlich sei sie auch stolz. Schließlich seien die Jahre, in denen sie sich für die Sanierung der Nordstadt einsetzte, schon so eine Art Lebenswerk. Schließlich sieht sie jeden Tag, dass es gut war.

Typisch bönnsch

Das sagt Brigitte Denkel über Bonn:

An Bonn gefallen mir die überschaubare Größe, die Kleinteiligkeit und die alten Stadtviertel.

Ich vermisse nicht viel. Was allerdings dringend umgestaltet werden müsste, ist das Umfeld des Hauptbahnhofs.

Mein Lieblingsplatz ist der Platz vor dem Frankenbad. Ich mag aber auch den Münsterplatz und sitze sehr gerne am Rhein im Biergarten Schänzchen.

Typisch bönnsch ist leben und leben lassen, aber auch eine große Kontaktfreudigkeit und Weltoffenheit.

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