Ein Bonner im englischen Gartenparadies

Zwischen Wissenschaft und Ziergarten

Wisley/Bonn. Der Bonner Markus Radscheit berichtet aus seiner Wahlheimat. Der 45-Jährige ist einer von drei Betriebsleitern bei der berühmten Royal Horticultural Society (RHS) in Wisley in Südengland. Neben seiner Familie ist auch die Rheinlandhühner-Zucht mitgereist.

Markus Radscheit ist ein Pendler zwischen zwei Gartenwelten: zwischen Wissenschaft und Ziergarten, Deutschland und England. Zurzeit ist der ehemalige Betriebsleiter der Botanischen Gärten Bonn wieder in seiner Wahlheimat. und betreut dort drei Mitarbeiter-Teams und eine rund einen Quadratkilometer große Gartenanlage.

„Viele Leute denken, der Gartenbau sei eine stupide Tätigkeit. Dabei ist es ein internationales Geschäft“, erklärt er. Man arbeite mit Unternehmen auf der ganzen Welt zusammen, auch mit vielen deutschen Firmen.

Der gebürtige Bonner kam eher zufällig zu seinem Beruf. Nach dem Abitur absolvierte er eine Gärtnerlehre in den Botanischen Gärten der Universität Bonn. Bei einem Kurztrip nach England stieß er beim Besuch eines Schaugartens erstmals auf die RHS. „Mir hat es so gut gefallen, dass ich dort ein einjähriges Praktikum machen wollte“ erinnert er sich.

14 Jahre war Radscheit technischer Leiter der Botanischen Gärten

Nach dem Aufenthalt studierte er zunächst Gartenbau und Gartengeschichte in London und in den Niederlanden und arbeitete anschließend für ein Jahr als selbstständiger Gartenbauberater in London. Unter anderem war er in Cornwall am „Eden Project“ beteiligt, wo er das Verhältnis der Menschen zu Nutzpflanzen und deren Geschichte recherchierte.

Dann zog es den Wahl-Briten zurück nach Bonn. 14 Jahre lang übernahm er die technische Leitung der Botanischen Gärten. Im Jahr 2013 bekam er die Möglichkeit, bei der RHS als „Garden Manager“ anzufangen. Heute betreut er den Schaugarten in Wisley, der jährlich rund 1,2 Millionen Besucher anzieht. „Wir bieten vor allem Amateurgärtnern Inspiration“, erklärt Radscheit die Zielgruppe.

In seinem Aufgabenbereich liegen das Schaugewächshaus, der Steingarten und die Anzucht neuer Pflanzen für die gesamte Gartenanlage. „Wir arbeiten vor und hinter den Kulissen“, sagt er. Nebenbei bietet er mit seiner eigenen Agentur Gartenreisen nach Großbritannien an. England als „klassisches Gartenland“ verfüge über zahlreiche sehenswerte Gärten für Pflanzeninteressierte.

Englische Gärten bieten eine größere Vielfalt

Doch was unterscheidet die englischen Gärten von den deutschen? „Die klimatischen Bedingungen sind für die Pflanzen von Vorteil. Das englische Wetter ist milder als in Deutschland, und auch Dauerfrost kennt man hier nicht. Dadurch ist die Pflanzenpalette viel größer als in Deutschland.“ Zudem gebe es viele Liebhaberorganisationen und ein einzigartiges „Showwesen“ mit Blumenschauen und Pflanzenmessen.

Trotz dieser Vielfalt: Eine Lieblingspflanze hat Radscheit nicht. Dafür aber eine Lieblingsepoche: Die Einführung der Pflanzen nach Europa während der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert interessiere ihn besonders. Wie lange er noch in England bleiben wird, weiß Radscheit nicht. „Bis auf Weiteres“, sagt er. Seine Familie habe sich mittlerweile gut eingelebt.

„Meine 14-jährige Tochter wollte zuerst nicht nach England ziehen. Jetzt kommt sie aber prima zurecht und möchte gar nicht wieder zurück.“ Kommt doch einmal Heimweh auf, werden Haribo-Süßigkeiten gekauft, um ein Stück Bonn nach England zu bringen. Zusätzlich hat Radscheit eine eigene Zucht von Rheinlandhühnern, mit denen er etwas deutsche Kultur nach Großbritannien bringen will.

Es ist ein Austausch der beiden Kulturen, den Radscheit zu fördern versucht. „Wenn man so will, bin ich ein Mittler zwischen den zwei Welten.“ Deutschland habe viel zu bieten, aber von der Gartenbaukultur der Engländer könne man sich noch viel abgucken. „Ich möchte sehen, wie andere Länder funktionieren, und mich davon inspirieren lassen“, erklärt er. Außerdem wolle er junge Gärtner ermutigen, einen Beruf in der vielseitigen Branche zu ergreifen.