Fall Niklas P.

Zweiter Verdächtiger erneut hinter Gittern

Das Rondell an der Rheinallee in Bad Godesberg, an dem Niklas P. attackiert wurde.

Das Rondell an der Rheinallee in Bad Godesberg, an dem Niklas P. attackiert wurde.

Bad Godesberg. Der 21-jährige Verdächtige soll einen Zeugen, der ihn im Fall des getöteten Niklas P. belastete, zusammengeschlagen haben. Wegen Verdunkelungsgefahr wurde ein Haftbefehl beantragt.

Im Fall des am 7. Mai in Bad Godesberg von einer Dreiergruppe attackierten und tödlich verletzten Niklas P. sitzt der zweite Verdächtige erneut hinter Gittern. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitteilten, wurde der 21-jährige mutmaßliche Mittäter des inhaftierten Haupttäters Walid S. am Freitag von einem Ermittlungsrichter in Untersuchungshaft geschickt, weil er einen Belastungszeugen zusammengeschlagen haben soll. Als Haftgrund wird Verdunkelungsgefahr angegeben.

Damit sitzt der 21-Jährige nun zum zweiten Mal hinter Schloss und Riegel. Er war am 20. Juni das erste Mal in U-Haft gelandet, weil er von Zeugen als einer der drei Angreifer identifiziert worden war, und zwar als derjenige, der am Tattag eine weiße Hose und einen weißen Pullover getragen haben soll. Die Staatsanwaltschaft war damals davon ausgegangen, dass der tödliche Schlag und der Tritt, den der mutmaßliche Haupttäter Walid S. dem 17-jährigen Schüler Niklas zugefügt haben soll, auch dem 21-Jährigen zuzurechnen waren.

Dieser Verdacht aber hatte sich nicht erhärtet, und im Juli hatte der Ermittlungsrichter der Haftbeschwerde der Verteidigers stattgegeben und den 21-Jährigen wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass er am Tatort war und wirft ihm Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei vor.

Und nun soll er wieder zugeschlagen haben. Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender mitteilte, soll der 21-Jährige in den frühen Morgenstunden des 11. September zusammen mit einem ebenfalls 21-jährigen Kumpel über den 29-Jährigen hergefallen sein, der die Polizei auf seine Spur gebracht hatte. Laut Faßbender wurde der Zeuge regelrecht zusammengeschlagen. Und damit scheint für die Staatsanwaltschaft festzustehen: Der 21-Jährige hat den 29-Jährigen mit der Prügelattacke dazu bringen wollen, seine belastende Aussage zu revidieren. Aus diesem Grund beantragte sie einen Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr.

Wie die Ermittler nun mitteilen, wurde nach dem 21-Jährigen gefahndet, und am Donnerstagmittag wurde er festgenommen und kam in Polizeigewahrsam, bis ihm am Freitag der Haftbefehl verkündet wurde und er erneut ins Gefängnis gebracht wurde.

Wo der Angriff auf den 29-Jährigen stattgefunden hat, wollte Oberstaatsanwalt Faßbender nicht sagen. Und auch zu der Art von dessen Verletzungen schwieg der Ermittler – „zum Schutz des Zeugen“, wie er erklärte.

Wer der dritte Mann beim Angriff auf Niklas P. war, ist laut Faßbender nach wie vor Teil der Ermittlungen in dem Fall. „Wir haben mehrere Personen im Visier“, so der Oberstaatsanwalt. Überzeugt ist er allerdings davon, dass der seit Mai inhaftierte Walid S. derjenige war, der Niklas P. mit einem Schlag gegen den Kopf so schwer verletzte, dass der an einer Gefäßwandschwäche im Gehirn leidende 17-jährige Schüler in der Folge starb.