Bonner in den USA in Haft

Zweifel an Jens Sörings Schuld wachsen

Bonn. Seit mehr als 30 Jahren sitzt Jens Söring im Gefängnis. Erst in England, seit 1990 in den USA. Jetzt schöpfen seine Unterstützer neue – und vielleicht die letzte – Hoffnung darauf, den 50-jährigen Bonner bald in Freiheit begrüßen zu dürfen.

Auf Grundlage neuer DNA-Analysen haben seine Unterstützer eine Petition auf den Weg gebracht, mit der sich nun der Gouverneur Virginias beschäftigen soll.

Rückblende: Söring wird 1986 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth, genannt Liz, Haysom zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Nach seiner Festnahme legte der damals 19-Jährige ein Geständnis ab, widerrief später und erklärte, seine psychisch kranke, drogensüchtige Freundin habe im März 1985 ihre Eltern getötet.

Mit dem Geständnis habe er sie vor der Todesstrafe bewahren wollen. Söring ging davon aus, dass er als Sohn eines Diplomaten Immunität beanspruchen kann – ein Irrtum, wie sich zeigte. Liz Haysom erklärte, sie habe Söring angestiftet. Sie selbst bekam 90 Jahre Haft und sitzt ebenfalls bis heute ein.

Mit der Zeit häuften sich Berichte über juristisch wie ermittlungstechnisch merkwürdige Umstände, über unterschlagene Beweise, Dutzende Verfahrensfehler, vermeintlich befangene Richter, fehlende Zeugen und fehlende Spuren Sörings am Tatort.

Hoffen auf den Gouverneur

Mit neuen Labormöglichkeiten wurde bei DNA-Analysen jüngst offenbar festgestellt, dass keine der aufgefundenen Spuren auf Söring als am Tatort Anwesenden hinweisen. Vielmehr deuten die Laborergebnisse darauf hin, dass offenbar eine andere, unbekannte Person am Tatort gewesen ist. Und auch die am Tatort gesicherten Blutspuren weisen keine Übereinstimmung mit Söring auf.

Das nährt neue Hoffnung. Etwa bei Karoline Rüsch, die ebenso wie Söring ihre Kindheit und Jugend in Bonn verbrachte und inzwischen als Rechtsanwältin in Wiesbaden arbeitet. Seit sechs Jahren steht sie in Briefkontakt zu Jens Söring.

Rüsch setzt sich mit anderen dafür ein, dass der Gouverneur sich mit der Petition auf Rehabilitation beschäftigt. Flankierend soll eine Briefwelle aus Deutschland den amerikanischen Politiker überzeugen. Gelegenheit, um auf das Anliegen hinzuweisen, bot den Helfern in den vergangenen Wochen der Dokumentarfilm „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“, der den Fall nacherzählt.

„Ich selbst habe bereits an drei Terminen nach dem Kinofilm Zuschauer angesprochen und diese um Hilfe gebeten, indem sie sich an der Briefaktion beteiligen“, erzählt Rüsch dem General-Anzeiger. In Bonn verbrachte Jens Söring einen Teil seiner Kindheit.

Ein Foto aus dem Jahr 1975 zeigt ihn, bewaffnet mit Spielzeugrevolver, als Neunjährigen auf dem Hardtberg, wo er die Finkenhofschule besuchte und mit den Eltern an der nahen Johanna-Kirchner-Straße wohnte.

Viele Bundestagsabgeordnete unter den Unterstützern

Beim OFC Bonn entdeckte der Grundschüler seine Leidenschaft für den Fechtsport. Später erinnerte er sich in einem Brief an die Kindheit in Bonn. Fixpunkte darin: Der Anblick des Langen Eugen, die heißen Sommer und die Eisdiele am Markt.

Als Söring verhaftet wurde, war Deutschland noch geteilt, Helmut Kohl war gerade vier Jahre Bundeskanzler, und Mobiltelefone und Internet hatte man schon mal in Science-Fiction-Filmen gesehen.

Fast ein Dutzend Mal hat der Diplomatensohn aus Bonn mit Hilfe von Unterstützern, darunter mehr als 50 Bundestagsabgeordnete, seine Freilassung auf Bewährung und Überstellung in die Heimat beantragt – bislang stets erfolglos.

Nähere Informationen auf www.jenssoering.de