Planung des Viktoriakarrees

Zwei Planer setzen auf Markthalle für das Viktoriakarree

BONN. Vier Büros stellen erste Nutzungskonzepte für das Viktoriakarree vor. Bürger loben die Konzepte, üben aber Kritik an der fehlenden Berücksichtigung der Eigentumsverhältnisse.

Am Donnerstagabend hatten die vier Planerteams aus Zürich, Dortmund, Köln und Bonn ihre Arbeit im Viktoriakarree aufgenommen, am Samstagnachmittag haben sie sie vorgestellt: Die Bürgerwerkstatt zum Viktoriakarree ist in der letzten Phase angekommen. Die vier Architektur- und Stadtplanungsbüros haben auf Grundlage der Bürgerideen aus dem April erste Nutzungskonzepte entworfen. Rund 100 Bürger kamen zur Vorstellung der Konzepte in den Kapitelsaal von St. Remigius, wo die Entwürfe anschließend auch diskutiert wurden.

skt Umbaukultur, Bonn: Das Konzept teilt das Viktoriakarree in der Mitte. Es entstehen zwei Abschnitte, dazwischen liegt eine Verbindung von Rathausgasse und Franziskanerstraße. Die östliche Hälfte soll aus kleinteiligen Bausteinen bestehen, dazu könnte auch etwa das Stadtmuseum zählen. Das Viktoriabad wird abgerissen und durch einen kleinen Park, einen Kunsthof, ersetzt. Nur das denkmalgeschützte Fenster bleibt erhalten und schützt den Kunsthof vor dem Verkehrslärm vom Belderberg. Die westliche Hälfte des Viktoriakarrees wird zur großen Markthalle mit kleinen Geschäften am Rand und einem „Food Market“ im Zentrum.

In den Stockwerken darüber könnten Wohnungen für Studenten entstehen. Zudem gibt es eine neue Tiefgarage, in die man von der Rathausgasse einfahren und in der Franziskanerstraße ausfahren kann. Die neu entstandene Schneise zwischen den beiden Hälften, die Rathausgasse, die Franziskanerstraße und die Stockenstraße werden zur Fußgängerzone.

Scheuvens + wachten plus, Dortmund: Das Konzept will drei Akzente setzen: Zum einen wird das Stadtmuseum zurückgebaut und zieht ins Viktoriabad. Dessen Dach wird begrünt und mit einigen Skulpturen versehen. Der zweite Akzent ist das „Mitmachhaus“, das am heutigen Standort des Stadtmuseums neu errichtet wird. In ihm sind „Räume zur Entwicklung von gemeinschaftlichen Projekten“ untergebracht, in denen „kommunikatives Leben und Lernen“ möglich sein soll. Der dritte Akzent ist ein „Kleinkaufhaus“, das an der Ecke von Rathausgasse und Stockenstraße entstehen soll. Damit soll das Viktoriakarree besser an den Marktplatz angebunden werden.

Mehrere kleine Zugänge von allen Seiten öffnen zudem den Innenhof des Karrees: Dieser wird nicht bebaut, sondern in drei Grünflächen eingeteilt, für die jeweils Stadtmuseum, „Mitmachhaus“ und „Kleinkaufhaus“ verantwortlich sind. Ansonsten bleibt die kleinteilige gewerbliche Nutzung im Karree erhalten. In den Obergeschossen ist Platz für Wohnungen.

Molestina Architekten, Köln: Im Konzept aus Köln bekommt das Viktoriabad eine neue Funktion als Markthalle, die aber auch anders genutzt werden kann. Das Karree wird so umgestaltet, dass fünf kleinere Höfe entstehen, die begrünt werden. Von allen Seiten gibt es unterschiedlich große Zugänge zum Inneren des Viktoriakarrees, durch weitere Durchgänge kann man sich zwischen allen fünf Höfen bewegen. Das Planerteam versucht, an der bestehenden Struktur festzuhalten, und hat auch jene Eigentümer berücksichtigt, die keine Veränderung an ihrem Eigentum wünschen. Die Zufahrt zur Marktgarage soll nicht mehr in der Stockenstraße liegen, auf dem Belderberg soll nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt sein. Zudem werden dort einige Bäume gepflanzt.

KCAP, Zürich: Im Konzept von KCAP schließt das Viktoriakarree sieben Innenhöfe ein, die durch ein öffentliches Wegenetz verbunden sind. Zugänglich sind die Wege von allen Seiten des Karrees. Je nach Lage gibt es öffentliche Höfe und private Höfe, die vor allem von den Anwohnern genutzt werden.

Im Viktoriabad finden kulturelle Veranstaltungen statt, etwa Schauspielinszenierungen und Konzerte. Um die Nähe zum Rhein zu betonen, wird parallel zum Viktoriabad eine Badeinsel im Fluss schwimmen. Das Viktoriakarree soll von kleinteiligem Einzelhandel geprägt sein, aber auch etwa von Start-ups, Co-working-Möglichkeiten, Ateliers oder Kindertagesstätten.

Zweifel an der Umsetzbarkeit

Kritik äußerten einige Bürger an der großzügigen Umwandlung von Straßen in Fußgängerzonen. Darunter könnte der Rest der Innenstadt leiden, befürchtete ein Besucher. Bezweifelt wurde auch die Umsetzbarkeit einiger Konzepte, die den Widerwillen mancher Eigentümer nicht berücksichtigten. Vor allem gab es aber Lob für die „klasse Konzepte“ der vier Planerteams.

Seit Samstagabend sind die vier Entwürfe auch im Internet zu finden. Dort können sie noch bis Mittwoch, 6. September, von den Bürgern angesehen und kommentiert werden. Danach werden die Rückmeldungen an die Planerteams weitergegeben. Diese haben dann zwei Wochen Zeit, ihre Entwürfe zu überarbeiten, bis sie am 30. September öffentlich vor einer Empfehlungskommission vorgestellt und besprochen werden. Zur Kommission gehören die Stadt, der Investor Signa, Vertreter der Anwohner sowie die Industrie- und Handelskammer. Das Endergebnis wird dann dem Stadtrat vorgelegt.

Weitere Infos auf www.bonn-macht-mit.de