Kommentar zur Bonner Seilbahn

Zwei Lager

Das Verkehrsaufkommen auf der Robert-Koch-Straße haben die Seilbahn-Gegner dokumentiert und ausgewertet.

Das Verkehrsaufkommen auf der Robert-Koch-Straße haben die Seilbahn-Gegner dokumentiert und ausgewertet.

Bonn. Knapp eine Woche vor der Präsentation der Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn in Bonn melden sich Befürworter und Gegner mit ihren Argumenten noch einmal zu Wort. GA-Redakteur Philipp Königs rät abzuwarten, weil viele offene Fragen bald beantwortet werden.

Bei der Veranstaltung der Seilbahngegner ist klar zum Ausdruck gekommen, dass der mögliche Bau einer Seilbahn das Zeug hat, die betroffene Bürgerschaft in zwei Lager zu spalten: die auf dem Berg gegen die unten im Tal. Argumentiert wurde temperamentvoll, aber im Kern im Bemühen, jeden Beteiligten zu Wort kommen zu lassen.

Das ist zunächst einmal eine gute Basis für den weiteren demokratischen Entscheidungsprozess, der uns inklusive Bürgerbeteiligung noch bevorsteht. Zumindest wenn die Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis kommen sollte, dass eine Seilbahn aus Sicht der Gutachter wirtschaftlich zu betreiben wäre, also in einem adäquaten Kosten-Nutzen-Verhältnis stünde. In den Nahverkehr integrierte Projekte sind schließlich in der Regel immer zuschussbedürftig.

Die Bürgerinitiative hat viel Kraft aufgewendet, um Argumente gegen den Bau zu sammeln. Sie zweifelt an den Verkehrsproblemen auf dem Venusberg, berücksichtigt aber nicht die künftige Entwicklung. Sie zweifelt an der Wirtschaftlichkeit und daran, dass der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß geringer ausfällt als bei Bussen und Autos. Sie zweifelt an der Neutralität des für die Organisation der Bürgerbeteiligung zuständigen Verkehrsplaners Heiner Monheim und befürchtet, die Stadt wolle die Seilbahn unbedingt.

Das sind viele offene Flanken: Die Schwierigkeit bei der Bewertung ihrer Bemühungen liegt meist darin, dass bis dato der Vergleich fehlt, eine Datengrundlage. Viele Fragen sind noch nicht beantwortet. Welche Verbindungen halten Gutachter für gangbar? Welche Kosten entstehen für den Bau, für den Betrieb? Welche Anlage würde zu den ermittelten Verkehrswerten passen?

Antworten sollen nächsten Dienstag erfolgen. Diese Machbarkeitsstudie muss wieder Anlass geben, genau hinzuschauen, ob das Projekt Seilbahn sinnvoll sein kann oder eben nicht.