Bonn und Rhein-Sieg-Kreis

Zwei Bonner Polizisten im Sturm-Einsatz verletzt

Bonn/Region. Sturmtief "Eberhard" ist am Sonntag über Bonn und die Region gezogen und hat für zahlreiche Einsätze der Rettungskräfte gesorgt. Zwei Bonner Polizisten wurden während eines Einsatzes verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Zwei Beamte der Bonner Polizei sind am Sonntagnachmittag während eines sturmbedingten Einsatzes verletzt worden. Das berichtete Polizeisprecher Robert Scholten dem GA am Montagmorgen. Die beiden seien gegen 16.15 Uhr am Bonner Bogen auf der Großbaustelle im Einsatz gewesen, um dort herumfliegende Hölzer zu sichern. "Dabei wurden sie dann selbst von herumfliegenden Holzteilen getroffen", so Scholten.

Die 26 und 34 Jahre alten Männer wurden an Kopf und Rücken getroffen. Beide wurden ins Krankenhaus gebracht, einer der beiden musste sogar über Nacht dort bleiben. "Das zeigt uns, wie gefährlich dieser Sturm tatsächlich war", betonte Scholten.

Insgesamt hatte allein die Bonner Polizei am Sonntag mehr als 180 Einsätze im Zusammenhang mit dem Sturmtief "Eberhard", überwiegend wegen umgekippter Bäume oder umherfliegender Teile. Erst in den frühen Morgenstunden habe sich mit Abnahme der Windböen die Einsatzsituation deutlich beruhigt, so die Polizei in einer Mitteilung.

Umgestürzte Bäume, defekte Hochspannungsleitungen, zerstörte Baugerüste und gesperrte Bahnlinien – Orkantief Eberhard hinterließ am Sonntagnachmittag in der Region seine Spuren. In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis rückten die Feuerwehren bis zum Abend mit Hunderten Helfern zu mehr als 540 Einsätzen aus, aber es war noch keine Ende in Sicht. In Siegburg, Troisdorf und Niederkassel wurden die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst in Vollalarm versetzt und sämtliche Gerätehäuser vorsorglich besetzt. In Alfter und im Kreis Neuwied kam es sturmbedingt zu Stromausfällen.

 

In Bonn ist die Feuerwehr am Sonntag zu rund 180 Einsätzen auf Bonner Stadtgebiet ausgerückt. Vielerorts lösten sich durch den Sturm Dachteile und Ziegel, die herabzustürzen drohten. Um die hohe Anzahl der Notrufe überhaupt annehmen zu können, war die Rettungsleitstelle seit dem Mittag voll besetzt. Zudem wurde ein Bürgertelefon für Sturmschäden geschaltet, um den Notruf 112 zu entlasten. „Das war für uns eine große Lage“, sagt Martin Haselbauer von der Bonner Feuerwehr. Denn neben den hauptamtlichen Kräften besetzten auch die freiwilligen Löscheinheiten stadtweit ihre Gerätehäuser.

Weit mehr als Hundert Männer und Frauen waren somit im Einsatz. Laut Haselbauer kam durch den Sturm kein Mensch zu Schaden. Und dass, obwohl unzählige Bäume umgestürzt waren. Unter anderem auf der A 565, was für Staus sorgte. Schon am Samstag fegten Sturmböen über Bonn und wehten in Tannenbusch ein tonnenschwere, 30 Meter hohe Birke auf ein Mehrfamilienhaus. Bevor sie Stück für Stück zersägt und abgetragen werden konnte, mussten die Feuerwehrleute sie mit mehreren Stahlseilen und einem Kranwagen sichern.

Gegen 21.30 Uhr hatte die Feuerwehr alle Einsätze in Bonn abgeschlossen. Wie die Feuerwehr mitteilte gab es auf dem Bonner Stadtgebiet keine Verletzten.

Wie stark der Sturm wütete, macht ein Video deutlich, das zeigt, wie reihenweise Bäume in der Kautexstraße in Holzlar umknicken:

 

Mehr als 460 Einsätze im Rhein-Sieg-Kreis

Im Rhein-Sieg-Kreis zählten die Einsatzkräfte bis zum Abend mehr als 460 Einsätze. Bereits um 9.10 Uhr hatte die Rettungsleitstelle des Rhein-Sieg-Kreises eine Unwetterwarnung an die Medien herausgegeben. Um 13.07 Uhr wurde sie noch einmal erneuert. Kurze Zeit später hieß es: Baum auf Stromleitung in Alfter-Oedekoven. Um 14.12 Uhr dann: Baugerüst ist an der Alten Marktstraße in Niederpleis umgekippt. Eine halbe Stunde später ist eine Ampel am Willy-Brandt-Ring in Troisdorfs auf die Fahrbahn gekippt. Dann kam die Nachricht: Schmelztalstraße zwischen Bad Honnef und Aegidienberg ist gesperrt wegen Baum auf der Fahrbahn.

Ab da ging es im Minutentakt: Sperrungen Ulrather Straße Siegburg, Eisenweg Troisdorf-Altenrat, Baum auf Auto in Bornheim -Kardorf. Gegen 16 Uhr lösen sich Dachteile an der Heinrich Böll Sekundarschule in Bornheim-Merten. Am späten Sonntagnachmittag sprach die Sankt Augustiner Feuerwehr ein Betretungsverbot für Parks und Wälder aus. Wie Feuerwehrsprecher Sascha Lienesch sagte, bestehe dort akute Lebensgefahr.

Hennef: In Hennef wurde bereits am Samstagnachmittag ein rund 80 Jahre alter, 25 Meter hoher Walnussbaum entwurzelt und stürzte in den Garten einer Hennefer Familie an der Waldstraße. Die Familie hatte Glück im Unglück: Wenige Minuten zuvor hatte man dort einen Kindergeburtstag mit sieben Gästen gefeiert. Kurz bevor der Wind aufzog und den Baum entwurzelte, spielten die Kinder an dieser Stelle im Garten. Zu Kaffee und Kuchen gingen sie dann ins Wohnzimmer. Wenig später hörten sie einen „Rums“ und sahen den Baum vor dem Fenster liegen. Der Baum verfehlte nur knapp das Haus. Die Dachrinne und Dachziegel wurden beschädigt. Der Garten dagegen ist verwüstet. Das dort stehende Trampolin ist zerstört. Glücklicherweise wurden weder die Kinder, noch die Erwachsenen vor Ort verletzt. Die Feuerwehr war dort im Einsatz und prüfte einen weiteren Baum in Hausnähe. Von diesem gehe aber keine Gefahr aus.

Sankt Augustin: In Sankt Augustin drohten im Rosengarten Dachteile herunterzufallen. Die Feuerwehr sicherte die Platten.

Siegburg: In der Kreisstadt fiel ein Baum quer über die Zeithstraße und führte zu einer stundenlangen Sperrung. Am Dach der Easy-Apotheke auf der Neuen Poststraße löste sich ein Blech und drohte herunterzufallen. Am Neuenhof legte sich auf einer Länge von 100 Metern ein Bauzaun um.

Troisdorf: In Troisdorf fuhr die Feuerwehr zu 72 Sturmeinsätzen raus. Bäume wurden gefällt oder gegen Umfallen gesichert. Umgefallene Bäume von Straßen und Autos entfernt.

Königswinter: Bis zum Abend hatte die Feuerwehr Königswinter, die mit allen Einheiten unterwegs war und ein eigenes Lagezentrum in Oberdollendorf einrichtete, 46 Einsätze zu verzeichnen. Zweimal, in Oberpleis und der Altstadt, waren Bäume auf parkende Autos gestürzt. In Oberdollendorf und Thomasberg drohten Bäume auf Häuser zu stürzen und wurden gefällt. In mehreren Fällen mussten Bäume und Äste von den Straßen geräumt werden. Mit Sorge beobachtete die Feuerwehr, dass die Wanderparkplätze im Siebengebirge größtenteils voll belegt waren und die Menschen sich offensichtlich im Wald aufhielten. „Wir haben bei unseren Einsätzen ganze Wandergruppen angetroffen und können nur an die Vernunft der Mitbürger appellieren. Die Gefahr ist Wald ist sehr groß“, sagte Feuerwehrsprecher Lutz Schumacher. Die Feuerwehr teilte außerdem mit, dass es in Oberpleis zu einem Stromausfall gekommen war. Dieser war jedoch schnell behoben.

Bad Honnef: Bis in die Abendstunden verzeichnete die Feuerwehr Bad Honnef 35 Einsätze. Am gravierendsten war die Sperrung der Schmelztalstraße ab 15 Uhr wegen umgestürzter Bäume. „Wir konnten da zunächst nicht reingehen, weil Gefahr für unsere Leute bestand“, sagte Sprecher Björn Haupt. An der Hauptstraße/Ecke Am Spitzenbach wurde ein großer Baum vom Sturm entwurzelt und fiel auf einen Stromkasten. Einen längeren Stromausfall gab es in Thomaberg und im nördlichen Kreis Neuwied.

Meckenheim: 28 Einsätze, unter anderem Bäume auf der A61 und A565 und auf dem Bahngleis am Bahnhof Kottenforst, 34 Mann waren im Einsatz.

Rheinbach: 26 Einsätze, 65 Mann im Einsatz. Gesperrt noch die ganze Nacht: L119 von Rheinbach Richtung Queckenberg, K56 Berscheid/Todenfeld, Aachener Straße vom Kreisel Dreeser Tor bis Bahn, dort hat der Sturm ein Dach „hochgeklappt“, es droht herabzustürzen. Hauptstraße gesperrt wegen herabgefallener Dachziegel. Leberstraße auch gesperrt, weil Dach angehoben wurde.

Swisttal: 16 Einsätze verzeichnete die Feuerwehr, unter anderem in Heimerzheim. Auf der Quellenstraße fiel ein Baum auf zwei Autos.

Alfter: 15 Einsätze gab es in Alfter, unter anderem an der Eulengasse, Schmale Allee (Baum) und Kronenstraße (Dachziegel vom Gasthaus Zur Krone).

Bornheim: 34 Einsätze mit 105 Mann im Einsatz. An der Secundastraße fiel ein Baum auf ein Haus, an der Moosgartenstraße in Kardorf ein Baum auf einen Pkw.

Auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler löste der Sturm zahlreiche Einsätze aus.

Fußballspiele abgesagt

Das Sturmtief hat den 17. Spieltag der Fußball-Mittelrheinliga kräftig durcheinander gewirbelt. Insgesamt mussten fünf Spiele aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen abgesagt werden. Darunter das Sechs-Punkte-Spiel des FC BW Friesdorf gegen das Tabellenschlusslicht Viktoria Arnoldsweiler. Ein gelungener Rückrundenauftakt sollte die abstiegsbedrohten Friesdorfer in sicherere Gewässer führen. Doch aus der Punktejagd wurde vorerst nichts. Auch das Gastspiel des SSV Merten beim SV Deutz sowie die Begegnung zwischen dem FC Hürth und dem VfL Alfter fanden nicht statt.

In der Landes- und Bezirksliga wurden ebenfalls Spiele abgesagt oder abgebrochen – so die Begegnung des SSV Bornheim beim FSV Neunkirchen-Seelscheid.