Kommentar

Zusammen geht es besser

Die Idee ist im Prinzip bestechend. Je enger Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis zusammenrücken, um so größer das Gewicht der ohnehin starken Region im bundesweiten Konkurrenzkampf um Ressourcen, Unternehmenssitze und Touristen. Es geht aber auch schlicht darum, dass ganz konkrete Aufgaben mit mehr Gemeinsamkeit besser lösbar wären.

Aufgabe Verkehr: Die täglichen Staus rund um Bonn wird man nur mit einer einheitlichen Strategie mildern können. Dass sich Bonn und Kreis bei der Südtangente uneins sind, könnte am Ende auch die Realisierungschancen für Projekte wie den Ausbau des bestehenden Autobahnrings verschlechtern.

Aufgabe Wohnungsbau: Bonns Bevölkerung wächst, es gibt aber viel zu wenig Bauland. Ohne Kooperation der Kommunen wird es selbst bei stärkerer Verdichtung nicht gehen.

Aufgabe Berlin/Bonn: Die offenkundigen Bestrebungen in der Bundesregierung, Ministerien nach Berlin zu verlagern, kann die Region nur mit geschlossenen Reihen abwehren - wenn überhaupt.

Aufgabe Verwaltung: Gemeinsame Ämter für Aufgaben, die man für alle wahrnehmen kann, würden zweifellos die Effizienz erhöhen und insgesamt den Personalbedarf senken. Aufgabe Wirtschaftsförderung: Hier prüfen der Kreis und Bonn schon die gemeinsame Vermarktung von Gewerbeflächen. An dieser Stelle wird aber deutlich, wo die bestechende Idee auf Widerstand treffen könnte: bei den Eigeninteressen aller Beteiligten. Natürlich wird eine der Kernfragen sein, wer in welchem Umfang von den Steuern einer Firma profitiert, die von der Bonner Wirtschaftsförderung in ein Gewerbegebiet, sagen wir, in Rheinbach vermittelt wird. Eine Alternative zu diesem Weg gibt es trotzdem nicht - wie weit auch immer er in Richtung Fusion führt.